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Adolf Jürgensen.
Am 9. April konnte der Staatliche Schau
spieler Adolf Jürgensen seinen 75. Geburts
tag begehen. In jugendlicher Frische und er
staunlicher Elastizität scheint er ein Beweis für
die Wahrheit des alten Volksglaubens zu sein,
daß Schauspieler bis ins Greisenalter sich jung
erhalten. Der Minister, der Intendant, der
Magistrat, die Kollegen, 'diese durch den Ober-
regisseur Pape in einem, in den Tagesblättern
veröffentlichten sehr schönen offenen Brief,
haben ihm ihre Glückwünsche ausgesprochen,
und das kunstsinnige Publikum hat zweifellos
Anteil air diesem Markstein im Leben des her
vorragendsten Künstlers unserer Bühne ge
nommen. Als Jürgensen vor 38 Jahren nach
Kassel kam, erregte er durch sein Temperament,
durch die künstlerische Durchdringung aller
seiner Aufgaben allgemeine Aufmerksamkeit.
Neben Güldenstein spielte er die ersten Charakter
rollen, und als dieser bald darauf von der Bühne
schied, verkörperte er sie jahrelang allein. Mit
nie erlahmender Intensität macht er sich des
Autors Absichten zu eigen, mit einem geradezu
intuitiven Mitempfinden dringt er in den Geist
seiner Rollen ein. Nie hat man bei ihm das
Empfinden, einen Schauspieler vor sich zu
sehen, der eine Person uns vortäuscht, —
immer glauben wir diese selbst vor uns zu
haben. Ein Sprechkünstler, wie sie auf der
Bühne immer seltener werden, versteht er Jam
ben zu sprechen und banale Prosa. Kein Wort,
das nicht verständlich an unser Ohr dränge,
keine Pointe, die unter den Tisch fiele. In jün
geren Jahren hat er uns mit Jago, Wurm,
Mephisto, Richard dem Dritten Meisterleistuu-
gen geboten, sein Shylock, sein Bansen sind
Märchen
unvergeßliche Figuren, sein Harpagon gräbt
sich in unsere Seele ein. Dabei vermag er in
humoristischen Figuren unsere Heiterkeit zu
wecken, unser Herz zu erfreuen und mt& zu
Tränen zu rühren. ■ Auch nur einen Ausschnitt
aus seinem überreichen Repertoir zu geben, ist
bei seiner Vielseitigkeit unmöglich.
Seine Pflichttreue ist am Theater sprich
wörtlich. Aber, so ungefähr heißt es in Otto
Ernsts „Flachsmann", „Pflichttreue verlange
ich von meinem Geldbriefträger". Er ist eben
mit ganzer Seele Künstler und versäumt darum
nichts, lvas zu seinen Aufgaben gehört. Denn
es ist nicht ein zufälliger Beruf, dem er sich
zugewendet, es war unwiderstehlicher Drang,
der den Jüngling aus dem Kaufmannsstand
zur Bühne trieb und dort festhielt. Wer da
aufmerkt, wie nebensächlich des Dichters Wort
häufig ans den Brettern behandelt wird, wird
ihm für sein gewissenhaftes Festhalten an dem,
was der Autor schrieb, dankbar sein. Er hat
uns so oft erhoben, erschüttert, erheitert, er
hat so oft seine ganze Seele uns gegeben,
daß er der freudigen, dankbaren Anteilnahme
an seinem 75. Geburtstage sicher sein kann.
Nicht nur die große Schar, die den aufrechten
und aufrichtigen, den menschenfreundlichen mrd
liebenswürdigen, den charaktervollen prächtigen
Menschen verehrt, sondern die weitaus größere
Gemeinde, die seine immer reifer gewordene
Kunst seit vielen Jahren bewundert hat und
bewundert, wünscht ihm eine noch lange Reihe
.Jahre Schaffens und Wirkens. Möge er noch
lauge die Zierde und der Stolz unseres Staat
lichen Theaters sein.
H. B l u m e n t h a l.
Ging ich wieder denn einmal
Tief ins holde Reich der Träume?
Spielte nicht ein goldner Strahl
Süß im Dämmergrün der Bäume?
Huschte um den moostgen Stamm
Kichernd nicht ein Geistlein eben?
Stolpernd übern Fliegenschwamm
Kassel Sah ich's doch in's Dunkle streben. Gottfried Buchmann
Das Elsenbergwerk bei Gombeth. Von Amtsgcnchtsrat Nabe, Borken,
Wennmanvonr Dorfe Gombeth nach Großen- Bergabhang nach der Udenbörner Straße em-
englis geht, bemerkt man einen Feldweg, der porführt. Dies ist der sog. Bergheimer Weg,
rechts hinter dem Dorfe am Friedhof den der noch allein die Erinnerung an das im