Full text: Hessenland (37.1925)

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Adolf Jürgensen. 
Am 9. April konnte der Staatliche Schau 
spieler Adolf Jürgensen seinen 75. Geburts 
tag begehen. In jugendlicher Frische und er 
staunlicher Elastizität scheint er ein Beweis für 
die Wahrheit des alten Volksglaubens zu sein, 
daß Schauspieler bis ins Greisenalter sich jung 
erhalten. Der Minister, der Intendant, der 
Magistrat, die Kollegen, 'diese durch den Ober- 
regisseur Pape in einem, in den Tagesblättern 
veröffentlichten sehr schönen offenen Brief, 
haben ihm ihre Glückwünsche ausgesprochen, 
und das kunstsinnige Publikum hat zweifellos 
Anteil air diesem Markstein im Leben des her 
vorragendsten Künstlers unserer Bühne ge 
nommen. Als Jürgensen vor 38 Jahren nach 
Kassel kam, erregte er durch sein Temperament, 
durch die künstlerische Durchdringung aller 
seiner Aufgaben allgemeine Aufmerksamkeit. 
Neben Güldenstein spielte er die ersten Charakter 
rollen, und als dieser bald darauf von der Bühne 
schied, verkörperte er sie jahrelang allein. Mit 
nie erlahmender Intensität macht er sich des 
Autors Absichten zu eigen, mit einem geradezu 
intuitiven Mitempfinden dringt er in den Geist 
seiner Rollen ein. Nie hat man bei ihm das 
Empfinden, einen Schauspieler vor sich zu 
sehen, der eine Person uns vortäuscht, — 
immer glauben wir diese selbst vor uns zu 
haben. Ein Sprechkünstler, wie sie auf der 
Bühne immer seltener werden, versteht er Jam 
ben zu sprechen und banale Prosa. Kein Wort, 
das nicht verständlich an unser Ohr dränge, 
keine Pointe, die unter den Tisch fiele. In jün 
geren Jahren hat er uns mit Jago, Wurm, 
Mephisto, Richard dem Dritten Meisterleistuu- 
gen geboten, sein Shylock, sein Bansen sind 
Märchen 
unvergeßliche Figuren, sein Harpagon gräbt 
sich in unsere Seele ein. Dabei vermag er in 
humoristischen Figuren unsere Heiterkeit zu 
wecken, unser Herz zu erfreuen und mt& zu 
Tränen zu rühren. ■ Auch nur einen Ausschnitt 
aus seinem überreichen Repertoir zu geben, ist 
bei seiner Vielseitigkeit unmöglich. 
Seine Pflichttreue ist am Theater sprich 
wörtlich. Aber, so ungefähr heißt es in Otto 
Ernsts „Flachsmann", „Pflichttreue verlange 
ich von meinem Geldbriefträger". Er ist eben 
mit ganzer Seele Künstler und versäumt darum 
nichts, lvas zu seinen Aufgaben gehört. Denn 
es ist nicht ein zufälliger Beruf, dem er sich 
zugewendet, es war unwiderstehlicher Drang, 
der den Jüngling aus dem Kaufmannsstand 
zur Bühne trieb und dort festhielt. Wer da 
aufmerkt, wie nebensächlich des Dichters Wort 
häufig ans den Brettern behandelt wird, wird 
ihm für sein gewissenhaftes Festhalten an dem, 
was der Autor schrieb, dankbar sein. Er hat 
uns so oft erhoben, erschüttert, erheitert, er 
hat so oft seine ganze Seele uns gegeben, 
daß er der freudigen, dankbaren Anteilnahme 
an seinem 75. Geburtstage sicher sein kann. 
Nicht nur die große Schar, die den aufrechten 
und aufrichtigen, den menschenfreundlichen mrd 
liebenswürdigen, den charaktervollen prächtigen 
Menschen verehrt, sondern die weitaus größere 
Gemeinde, die seine immer reifer gewordene 
Kunst seit vielen Jahren bewundert hat und 
bewundert, wünscht ihm eine noch lange Reihe 
.Jahre Schaffens und Wirkens. Möge er noch 
lauge die Zierde und der Stolz unseres Staat 
lichen Theaters sein. 
H. B l u m e n t h a l. 
Ging ich wieder denn einmal 
Tief ins holde Reich der Träume? 
Spielte nicht ein goldner Strahl 
Süß im Dämmergrün der Bäume? 
Huschte um den moostgen Stamm 
Kichernd nicht ein Geistlein eben? 
Stolpernd übern Fliegenschwamm 
Kassel Sah ich's doch in's Dunkle streben. Gottfried Buchmann 
Das Elsenbergwerk bei Gombeth. Von Amtsgcnchtsrat Nabe, Borken, 
Wennmanvonr Dorfe Gombeth nach Großen- Bergabhang nach der Udenbörner Straße em- 
englis geht, bemerkt man einen Feldweg, der porführt. Dies ist der sog. Bergheimer Weg, 
rechts hinter dem Dorfe am Friedhof den der noch allein die Erinnerung an das im
        

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