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Das verdroß den Wind so sehr, daß er wü-
tend schnaubte. Aber er mußte stille sein und
den Dornbusch in Frieden lassen.
Und die Sonne kam zum Dornbusch und
bleichte Windeln und Hemdchen weiß wie
Schwanengefieder.
Als der Wind das sah, kam auch er zum
Dornbusch und trocknete Windeln und Hemd-
chen mit seinem Hauche.
Und die Hemdchen strömten den Duft eines
neuen, reinen Lebens auf den Dornbusch aus.
Der atmete und atmete, tief und des Dankes
voll. Und fühlte eine Wandlung durch sein
Wesen gehen: Knospen gebar er ans Licht wie
Maria das göttliche Kind. Und Düfte wie
Gottes Odem entquollen dem grünen Laube
am braunen Gezweig. Und Rosen brachen in
zarter Entfaltung hervor . . . Rosen, Rosen,
daß der Dornbusch fast in der Fülle seiner
Rosen versank.
Und das schwanenweiße Linnen der Kinder
wäsche schwamm wie auf roter Rosenflut.
„Amsel, Drossel, Fink und
Man kann sich nicht leicht etwas Schöneres
denken, als wenn man nach tüchtiger Bergwande-
rung durch die halbwinterliche Stille den warm
besonnten Rand des Fichtenwaldes erreicht hat, wo
der letzte Schnee geschwunden ist und einen: uner-
wartet ein märzliches Vogelkonzert entgegenschallt,
wie es im Mai nicht herrlicher sein kann. Es fehlen
freilich noch manche Stimmen, die erst der Lenz-
uwnat bringt; aber dafür ist es auch nicht mailicher
Bogelsang, der aus jedem Busch und Baum klingt,
sondern es ist ein Ständchen all der Sonnenkinder,
die wie auf einen Wink hier zusammengekommen
sind. Man steht und lauscht, bis die kalten Füße
an das Weitergehen mahnen, und wenn man aus
der seligen Verlorenheit aufwacht, so hat man den
Vorteil, daß man nicht wie sonst bei einem Ständ
chen „Schönen Dank!" sagen und überlegen muß,
ob man etwa jedem Musikanten ein Gläschen Wein
anbieten müßte.
Amsel, Drossel, Fink und Star . . . Amsel und
Drossel? Da faßt sich mancher an die Stirn und
denkt: Was ist doch das? Es geht ihn: damit so,
wie mit Kiefer und Fichte, oder wie mit Weiß- und
Rotbuche, wozu auch noch die Blutbuche kommt:
er weiß schon, was das alles ist; aber es ist ihm
wie Nebel, Dampf und Ranch, genau weiß er's doch
nicht. Die Amsel ist eine Drossel, und zwar die
Schwarzdrossel, neben der es Sing-, Wein-, Ring-,
Wacholderdrossel und noch einige andere gibt. Der
schwarze Vogel mit dem gelben Schnabel ist das
Amselmännchen und der gefiederte Gefährte, braun
wie Herbstgras, sein Weibchen. Winters holen sie
sich Beeren vom Strauch, wobei auch die schwarz-
Maria kam zu sehen, ob ihre Hemdchen und
Windeln nicht bald trocken. Und fand das
Rosenwunder am Dornbusch. Als sie ihre
Hand nach beit Hemdlein ausstreckte, neigte
er sich wie in Demut, und seine Dornen ließen
das Linnen los.
„Eine mußt du mir geben, du Überreicher!"
sagte die Mutter Gottes. „Eine für mein
Kindlein." Und brach sich eine Rose aus dem
Busch, der ihr tausend entgegenhielt.
Mit einer Gebärde des Segens ihrer weißen
Hände dankte die Mutter Gottes dem Dorn
busch. Und nahm die kleinen, feinen Hemdchen
und Windeln vom Gezweig. Aber ihr Duft
blieb hangen an Blatt und Blüte. Erquickend,
wie Hauch der Genesung, wehte der Ruch der
Rosen.
So ward er gesegnet, sichtbar gesegnet vor
allen.
Und jedes Jahr wird es neu, blüht es ans:
das Rosenwunder am Dornbusch: der duftende
Jesumai.
©tClt\ Von Hermann Gersch.
glänzenden Früchte der Tollkirsche, die zuweilen
Kindern so verderblich sind, ohne Schaden verspeist
werden. Was heißt also, die Tollkirsche ist giftig?
Im Vorfrühling, wenn der Schnee das modrige
Herbstlanb freigibt, sieht man die Amseln geschäftig
unter den Büschen hineilen, hier ruckartig ein Blatt
wegzupfend und dort ein Würmchen hervorziehend.
Ergötzlich ist es, wenn die Brut beginnt, flügge zu
werden. Man kann vom Fenster aus beobachten,
wie die Kleinen halb hilflos ans der Bleiche umher
flattern, und wie ab und zu die Eltern herzufliegen,
um einen Bissen in den weit aufgesperrten Schnabel
zu stecken. Doch wenn das gellende Zing, Zing er
tönt, dann kann man sicher sein, daß eine Katze in
der Nähe ist. Anders als dieser Warnruf klingt
der Lockruf, und wieder anders der jubilierende
Morgengesang hoch oben auf dem Dachfirst. Wer
diesen Vogel recht kennt, der schließt ihn ins Herz
und vergibt ihm die kleine Unart, daß er zuweilen
auch Knospen anpickt und Obst- und andere Bäume
nicht unterscheidet. Aber es gibt Schießer unter
den tagesfronenden Menschen, die auch meist keine
andere Einteilung der Bäume kennen als die in
Obstbäume und gewöhnliche Hölzer.
Die Amsel nimmt pflanzliche und tierische Nah
rung zu sich; ihr Schnabel ist pfriemförmig. Den
Körnerfressern, lvie Dompfaff und Kirschkernbeißer,
sieht man's schon an dem kurzen, kräftigen Kegel-
schnabel an, daß sie sich von Samen nähren. Wenn
der Schnee die Felder bedeckt, kann man an trockenen
Fruchtstengeln, die über die weiße Matte hinweg
ragen, den bunten Distelfinken beobachten. Wäh
rend die ausgesprochenen Kerffresser, wie Nachtigall