Full text: Hessenland (37.1925)

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Gehen wir nun im einzelnen auf die Zünfte 
ein. Eine genaue Feststellung ihres Alters und 
Entstehens ist leider nicht möglich. Die an 
gesehenste unter den Zünften war die Gilde der 
„Brauer". Daher wurde sie auch stets in den 
Urkunden vor den anderen aufgeführt. Erklär 
lich ist dieser Vorzug schon aus ihrem größeren 
Güterbesitz. Denn einmal setzte ihr Gewerbe 
wegen der großen, damit verbundenen Aus 
lagen ein nicht unansehnliches Vermögen vor 
aus, zum andern war nur derjenige Bürger in 
die Brauerzunft aufnahmefähig, der eine ge 
wisse Summe versteuerbarer Güter besaß. Die 
Mitglieder dieser Zunft- besaßen das ausschließ 
liche Recht der Bierbrauerei zum Verzapfen 
(denn zum Selbstbedarf im eigenen Hause, den 
sogenannten Haustrunk zu brauen, stand jedem 
Bürger frei). Zum Zwecke des Brauens waren 
zwei Brauhäuser erbaut. Eins stand zwischen 
dem Markt und der Rosengasse, das andere 
in der Nikolaigasse, in der Nähe des heutigen 
Postamtes. Sie waren städtisches Eigentum. 
Die Stadt mußte für ihre Unterhaltung auf 
kommen. Jeder in die Gilde neu eintretende 
Brauer hatte eine Gebühr für Benutzung der 
Brauhäuser, für Erhaltung des Braugeräts 
und der Pfannen zu zahlen. Zwei beeidigte 
„Pfannenvorsteher" besorgten bis 1744 im 
Namen der Stadt die Aufsicht, von da an tat 
nur noch ein „Pfannenvorsteher" Dienst; die 
Aufgaben des andern mußten die Schöffen ab 
wechselnd übernehmen. Das nötige Wasser er 
hielten die Brauhäuser durch das in dem 
Mühlengraben angelegte Getriebe, die sogen. 
„Wasserkunst", durch die die Altstadt haupt 
sächlich mit Flußwasser versorgt wurde. Diese 
reicht bis in das 14. Jahrhundert zurück. Das 
Pumpwerk trieb das Wasser in eisernen Röh 
ren den Mühlberg und Amberg hinauf. Hier 
teilte sich der Gang einst in zwei Arme, der 
eine ging über den oberen Friedhof, an der 
Johanneskirche hin in die Küche des Hochzeits 
hauses, der andere lief durch „die Krämen" in 
das obere Brauhaus, versorgte dieses, sowie 
das Wasserbecken auf dem Markt und erstreckte 
sich weiter durch die Werkelstraße in das untere 
Brauhaus und goß am sogenannten „Klobes- 
platz" das Wasser zu jedermanns Gebrauch 
aus. Alle vierzehn Tage wurde eine ganze 
„Pfanne", alle acht Tage eine halbe „Pfanne" 
gebraut. Nach dem siebenjährigen Krieg, als 
der Genuß des Bieres durch Branntwein uitb 
Kaffee zurückging, als dann besonders während 
der Zeit des Königreichs Westfalen der Preis 
der Gerste und des Hopfens sehr stieg und diese 
Regierung von den Zünften nichts wissen wollte, 
löste sich die Brauzunft auf. Die Stadt ver 
kaufte dann die beiden Brauhäuser an Private. 
Eine ebenfalls sehr alte, lang bestehende 
Gilde führte nach ihrem Schutzheiligen, dem 
heiligen Michael, den Namen der Michels 
brüder. Später gestaltete sie sich wohl zu einer 
religiösen Bruderschaft. Den Zweck dieser Gilde 
einwandfrei festzustellen ist schwer, da er nur 
aus einigen alten Urkunden herausgedeutet 
werden kann. So befaßt sich eine Urkunde aus 
dem Jahre 1330 mit einem Vertrag zwischen 
den Michelsbrüdern und den Flemingen, die, 
wohl flämische Weber, in der Flemingstraße, 
der heutigen Flehmengasse, wohnten, über die 
Grenzen ihrer Gewerbe. Aus dem Jahre 1390 
liegen noch einige Statuten vor. Danach sind 
die Michelsbrüder in erster Linie wohl Tuch 
händler, Walker und Kürschner, später über 
haupt Kaufleute gewesen, denen sich noch später 
unbescholtene Bürger anschlossen. Die Michels 
brüder besaßen nicht unbedeutende Güter und 
Renten. Hierüber gibt ein aus dem Jahre 1387 
stammendes Zinsregister Aufschluß. Lange Zeit 
hatten sie die „bürgerliche Badstube" von der 
Stadt in Pacht. 
Von den anderen Zünften ist aus früheren 
Zeiten weniger bekannt. Die Fleischer, genannt 
„Knochenhauer", durften in früherer Zeit, wie 
es auch in den anderen Städten üblich war, 
in ihrem eigenen Hause weder das Vieh schlach 
ten, noch Fleischwaren verkaufen. Sie muß 
ten vielmehr das lebende Schlachtvieh in ein 
am Markt stehendes städtisches Gebäude, die 
Fleischerscherne, das Fleischhaus, bringen, wo 
das gesunde Vieh unter Aufsicht geschlachtet 
wurde; das kranke wurde konfisziert. Je nach 
Alter und Beschaffenheit wurde ein Preis fest 
gesetzt, an den sich jeder Metzger beim Verkauf 
aus der Scherne zu halten hatte. Die Fleisch 
bänke („Schernen"), von denen jeder Meister 
eine, mancher zwei besaß, standen im Fleisch 
haus in zwei langen Reihen. Sie werden noch 
1352 erwähnt. Die Fleischerzunft stand immer 
weit und breit in hoher Achtung. Noch vor 
etwa 85 Jahren schrieb Dr. Falkenhainer: 
„Die jetzige Metzgergilde in Fritzlar hat sich 
sehr gehoben und verdient den guten Ruf, dessen 
sie sich gegenwärtig erfreut, durch Gewerbefleiß, 
Reinlichkeit, angemessene Preise und richtige 
.Auswahl ihres Schlachtviehes mit vollem Recht. 
Ihre Ware ist weit und breit gesucht." 
Die Zimmerleute bildeten mit den Böttichern 
(„Buddekern") zusammen eine Gilde, ungefähr 
seit 1453. Ihre Schutzheilige war die heilige
        

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