Full text: Hessenland (37.1925)

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ein weit gehaltvolleres Band um alle; und das 
war das Bewußtsein, zu einer großen Familie 
zu gehören, deren Ehre auch die des einzelnen 
N'ar. Und wer vom rechten Wege abwich, der 
entehrte nicht nur sich selbst, sondern auch noch 
obendrein die Zunft. Über die Ehre der Zunft 
wachten Meister und Gesellen, ja selbst der 
letzte Lehrjunge mit ängstlicher Strenge. Einer 
für alle, aber auch alle für einen, war der Wahl 
spruch, und streng wurde er innegehalten. Und 
iveil darum ein jeder im anderen sich selber 
ehrte, war die Kluft zwischen Arbeitgeber und 
Arbeitnehmer bei weitem nicht so groß wie 
oder Gilden in Fritzlar, die von Bedeutung 
waren: die Brauer, die Michelsbrüder, die 
Bäcker, die Schneider, die Schuster, die 
Schmiede, die Leinweber, die Metzger, die 
Krämer und die Wollweber; zu ihnen kommt 
um das Jahr 1470 noch die Gilde der Böttcher 
und Zimmerleute. Jede Gilde joar ähnlich dem 
Ritterorden des Mittelalters gegliedert. Ihre 
Mitglieder stiegen aus Lehrlingen zu Gesellen, 
die Gesellen aber zu Meistern empor. Wer 
die Meisterschaft erlangte, hatte, wie die Rittev, 
seinen Eid auf die Statuten abzulegen. Wie 
die Stadt von zwei „Burgemeistern" regiert 
Frihlarer Dom. Musikzimmcr. Photograph Eberih-Kaffel. 
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heute, wo das alte ehrbare Handwerk teils 
schon verschwunden, teils int Aussterben be 
griffen ist und mehr und mehr dem unpersön 
lichen Fabrik- und Maschinenbetrieb das Feld 
räumen muß. Die alte Zuuft gliederte sich, 
wie auch heute noch, in Meister, Gesellen und 
Lehrlinge, nur waren die Grenzen zum Teil 
schärfer umrissen. Manch alt überkommener 
Brauch fand sich noch vor, ich erinnere nur an 
die Zunftlade, die von allen Zunftmitgliedern 
heilig gehalten wurde, Bräuche, für die unsere 
heutige, leichtlebige Zeit nur noch wenig Ver 
ständnis aufbringt. 
Um das Jahr 1453 finden sich zehn Zünfte 
wurde, so leiteten die Zunft zwei „Zunft 
meister", deren zweiter, entsprechend den geist 
lichen Stiften „Decan" oder „Dechen" hieß. 
Ein Knecht besorgte die niederen Dienste. Jede 
Zunft hatte ihre eigene Kasse, in die die Ein 
tritts- und Strafgelder flössen. Da jede Zunft 
ein Glied der städtischen Gemeinde bildete, so 
mußte der, der die Meisterschaft erlangen wollte, 
zuvor Bürger sein oder es doch vorher werden. 
Jeder Gewerbetreibende war verpflichtet, Mit 
glied der betreffenden Zunft zu sein. Ohne 
Zunftzugehörigkeit konnte er kein Gewerbe aus 
üben. Die Zunft überwachte seine Tätigkeit, 
die Güte seiner Produkte und deren Absatz.
        

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