Full text: Hessenland (37.1925)

134 
zwischen leider wieder verschwunden. Das In 
nere des Domes hat im Laufe der letzten Jahr 
zehnte eine würdige,Erneuerung erfahren, und 
im Obergeschosse des Kreuzganges entstand 
unter der Leitung des Herrn Prälaten Je 
städt ein hervorragendes Dommnsenm. 
Niedergelegt ist leider der spätgotische Bau 
des alten Rathauses, dessen Sockelgeschoß heute 
noch die städtischen Amtsräume birgt, aber in 
ihm erhalten sind, wie uns neuere Forschungen 
belehren, die Reste 
des ä l t e st e n Rat- 
tz a u s e s und des 
ältesten öffentlichen 
Amtshauses in 
Deutschland über 
haupt. 
Bürgerhäuser mit 
reichem Balken 
schmucke umstehen 
den Markt, Stein 
kammern, Kaufher 
renhäuser, sind in 
der Stadt verteilt, 
und auf der Säule 
des reichen Re 
naissancebrunnens 
auf dem Markte 
steht, die Marktfahne 
haltend, eine Ro 
landsgestalt. Aller 
dings nicht so wuch 
tend, wie jene aus 
den Tagen der Go 
tik in niederdeut 
schen Städten, aber 
doch ein Zeuge für 
den Bürg er stolz, der 
auf die eigene Ge 
richtsbarkeit pochte. 
Nicht vergessen sei, 
daß in der Kunst 
werkstätte des 
Stiftes im zwölften Jahrhundert ein Schü 
ler des berühmten ,Bruders R o g k e r von Hel- 
marshausen gearbeitet, dessen kunstfertigen 
Händen eine ganze Reihe von Werken ent 
stammen, die zum großen Teile noch dem 
Domschatze Fritzlars heute angehören. So na 
mentlich ein Tragaltärchen, in dessen gebräun 
ten Kupferbelag vergoldete Halbfiguren der 
Apostel und Ranken eingraviert sind; ein Altar 
kreuz, mit Steinen besetzt; ein halbkreisför 
miges Tafelreliquiar; ein Silberkelch und zwei 
Fritzlar. Der Winterturm 
Photograph Eberth-Kaffel. 
Paar Altarleuchter aus Bronze. Doch gingell 
auch noch andere Werke aus den kunstfertigen 
Händen des Meisters hervor, die teils zu Ber 
lin, teils zu München zu finden sind. Und von 
Fritzlar knüpfte sich ein neues Band nach 
Hildesheim, der alten Kunstwerkstätte des hl. 
Bernward, die nun wieder von hier aus An 
regungen empfing. — 
Zwölf Jahrhunderte voll Frend und Leid zogen 
an der Stadt vorüber, die niederblickt auf die 
goldflutigeEdder.— 
Verhallt sind längst 
St. Bonifatii Axt 
hiebe, verhallt der 
Klang der Waffen, 
die oft die Stadt 
umtosten, — in 
Trümmer sank das 
steinerne Wehrkleid 
der Stadt, aber noch 
ladenhoch vomDom- 
turme die Glocken 
in das stolze Gottes 
haus, und wer in 
schönen Sommer- 
stunden, oder wenn 
Herbstfäden durch 
die Lüfte ziehen, je 
durch die Gassen 
ging und seinen 
Blick auf den Bau 
werken einer reichen 
Vergangenheit ru 
hen ließ, oder hin 
überschweifen zum 
Stadtforste und dem 
Kellerwalde, der 
wird weiter wan 
dern, reich an Ein 
drücken, und noch 
oft der Stadt ge 
denken, die, eine 
Königin einst, heute 
ein schlummerndes Dornröschen, mit einem 
guten Teil deutscher Geschichte aufs innigste 
verflochten ist. 
Wer aber je an Wildungens Quellen Hei 
lung sucht, oder dem Edderstausee zustrebt, 
der dem Weserftrome auch in trockenen Zeiten 
den nötigen Wafservorrat spendet, der möge 
der Stadt, die den Vorüberreisenden grüßt, 
gerne einige Stunden weihen, — reich wird 
Fritzlar, das nun zwölfhundertjährige, ihn 
lohnen. 
mit Dom und Reustadt.
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.