Full text: Hessenland (37.1925)

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und Leuten war es, was Thielmanns Schöp 
fungen ihren Wert verlieh, sondern das für ihn 
selbst Charakteristische. So ist es begreiflich, 
daß Bantzer und Thielmann die landläufige 
Bezeichnung Heimatkunst für ihr Schaffen von 
Anfang an mit aller Entschiedenheit abgelehnt 
haben. Unser Altmeister Karl Bantzer sagte 
vor Jahren einmal zu mir: „Ob man diese 
Kunst Hessenkunst oder sonstwie benennt, dar 
auf kommt es nicht an, sie entsteht wie alle 
Kunst aus innerem Trieb heraus und nicht 
nach einem Programm, keiner anderen Sache 
als sich selbst zuliebe." 
Im Jahrgang 1918 dieser Zeitschrift habe 
ich versucht, Professor Thielmanns Schaffen 
zn würdigen. Heute gibt es schwerlich einen 
kunstliebenden Menschen in Hessen, der nicht 
irgend eine Reproduktion Thielmannscher Kunst 
besitzt, und seien es nur die beiden Jahrgänge 
der „Hessenkunst", die sein Gepräge tragen. 
Hochgeschätzt sind seine zahlreichen Radierun 
gen, und mit wie verblüffender Meisterschaft 
er zu karikieren verstand, wird hoffentlich schon 
in Kürze ein besonderer Band erweisen. Einige 
seiner großen Gemälde sind Gemeingut des 
deutschen Volkes geworden. Eins hängt in der 
Kasseler Städtischen Galerie, ein anderes im 
Darmstädter Landesmuseum, ein drittes in der 
Berliner Nationalgalerie, vieles ist in Privat 
besitz. Im Januar wird uns eine Gedächtnis 
ausstellung im Kasseler Kunsthaus Gelegen 
heit geben, sein gesamtes Lebenswerk noch ein 
mal zu umfassen. 
Obwohl in Herborn geboren, fand Wilhelm 
Thielmann doch recht eigentlich erst in Hessen, 
was seinem innersten Wesen entsprach. Von 
Haus aus war er zum Lehrer bestimmt ge 
wesen. Und das ist er auch geworden. Aber 
nicht geblieben. Dazu war der innerste Drang 
des Künstlers, der schon als Knabe durch sein 
zeichnerisches Können überraschte, zu mächtig. 
Kassel war dann der Boden, auf dem er zu 
dem wurde, was er werden mußte. Dann 
aber zog auch ihn Willingshausen in der 
Schwalm, die älteste deutsche Künstlerkolonie, 
so stark an, daß er mit Leib und Seele dort 
heimisch wurde und dauernd dort Wurzel faßte. 
Hier gedachte er schaffend sein Leben zu be 
schließen. 
Das Schicksal wollte es anders. Im frohen 
Kreise saß er hier in Kassel, wo er zu Besuch 
weilte, noch einmal, der Frischesten einer, mit 
uns zusammen. Vier Tage später traf ihn 
ein Gehirnschlag. Seine letzte Freude war die 
Vollendung seines eigenen Hauses in Willings 
hausen, das er an eben dem Tage mit Frau 
und Kindern beziehen wollte, an dem man ihn 
dort zu Grabe trug. Und hier offenbarte es 
sich, welcher Wertschätzung sich Professor Thiel 
mann als Mensch erfreut hatte. Nicht nur 
seine alten Herborner Schulkameraden waren 
aus der Ferne herbeigeeilt, um ihn auf seinem 
letzten Gang zu begleiten, sondern auch die 
Bevölkerung des Schwalmtales selbst, mit der 
er so eng verwachsen war, umstand mit seiner 
Familie, mit seinen treuesten Freunden die 
Gruft. Zwölf Schwälmer Bauern in ihrem 
Festschmuck mit deur Dreimaster, kräftige Ge 
stalten, wie er sie so oft auf die Leinwand 
gebannt, trugen, indes die Glocken über dem 
Malerdorf klangen, den Sarg auf den Fried 
hof hinaus. Er ruht im Boden der hessischen 
Heimat, die ihm und der er selbst so viel ge 
geben hat. 
Thielmann als Mensch — das Köstlichste 
an ihm war der goldene Humor, der von 
seiner Wesensart nicht zu trennen war und 
der seinen Abglanz auch auf seine Schöpfungen 
übertrug. Von dieser seiner ureigensten Gabe 
wird, so hoffe ich, an dieser Stelle noch die Rede 
sein. Wir aber wollen uns durch die Klage 
um seinen allzufrühen Tod nicht die Genug 
tuung darüber trüben lassen, daß er ein reich 
ausgeschöpftes, vom harten Ringen zum un 
bestrittenen Erfolg aufsteigendes Leben schmerz 
los beschloß und daß uns seine Kunst ein Ver 
mächtnis überreichte, das noch späte Zeiten in 
dankbarer Ehrfurcht hüten werden. 
Paul Heidelbach. 
Der Aufruhr in Borken und die Erschießung des Kanoniers Kaufmann 
im Januar 1807. 
Im 47. Bande der Zeitschrift für hessische 
Geschichte und Landeskunde hat Wilhelm Lange 
eine Liste der in der Franzosenzeit anläßlich 
der Insurrektionen erschossenen Personen auf 
gestellt, die für den Soldatenaufstand von 
Von Or. Philipp Losch. 
1806/7 acht Todesopfer namhaft macht, näm 
lich die Unteroffiziere Schumann und Trieb 
fürst, den Wirt Wenzel, den Jäger Pfannkuch, 
den Dragoner Hupseld und die Musketiere 
Schäfer, Bachmann und Sommermann vom
        

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