Full text: Hessenland (37.1925)

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Hans Thoma, Thomas Geburtshaus. Mit Erlaubnis von Frau Thekla Kerler. 
am „Sonlltagnachmittag", die Kitt- 
dergruppe im „März", die „Wald 
wiese mit Knaben" ist sinnig er 
lauschte Augenblickspoesie aus dem 
Alltag In den „Anfängen der 
Kunst" llingt Romantisch-Spitzwegi- 
sches nach. Französischem Realis 
mus nähert sich das derbe dunkel- 
tonige „Im Albanergebirge". Feines 
Lichterspiel eines intimen Interieurs 
bietet die ,-Frau bei geschlossenem 
Fenster", und über die berühmte 
„Kahnfahrt im Mondschein" ergießt 
sich die stimmungshaft-ahnungsvolle 
visionäre Schönheit eines gemalten 
Volksliedes. 
Untrennbar von Thoma sind seine 
Phantasie- und Märchen- 
m a l e r e i, in der er zur Sage und 
allerhand Fabelwesen flüchtete. Da 
hin gehört der längst volkstümlich 
gewordene „Putto auf dem Vogel" 
und das „Meerlveib bei Sonnen 
aufgang", all das Mythologische 
und Seltsame der Engel, Nymphen, 
Faune, Elfen und Zaubertiere. Er 
liebt die geharnischten Ritter, wie 
sie uns im „Morgenritt" begegnen. 
An alte Minneabenteuer rührt der 
„Wächter vor dem Liebesgarten". 
In der „Gralsburg" aber, diesem 
letzten Ziel mittelalterlichen Ritter 
tums, erreicht seine epische Kraft 
ihre gewaltige Höhe und farbig 
geistige Vollendung. 
Thomas religiöse Bilder ent 
sprangen einer festen, offenen, treu 
herzigen Gläubigkeit, die mit naiven 
Augen das Gottmenschentum des 
christlichen Erlösers umspannte und 
demütig verehrte. Die friedvolle, 
von Engeln umhegte „Ruhe auf der 
Flucht" ist so wirklichkeitsnah und 
himmelsfern zugleich, wie's eben 
nur unbiblische starke Frömmigkeit 
deuten konnte. Das herrliche Weih 
nachts-Triptychon ist als Transparent weithin verbreitet 
worden. Von einer farbig-mystischen Inbrunst durchglüht 
ist die „Kreuzigung". Seine letzten Werke wie „Madonna 
über Bernau", „Taufe Christi" und „Petrus und Christus 
auf dem Meer" streben einer einfachen, großzügigen, ge 
lassenen Monumentalität zu, die aller Problematik und 
Ekstase ausweicht. 
Eine knappe Auswahl aus Thomas Aquarellen, 
seinen in Wasser-, Ol- oder Temperafarben bemalten, 
mit Wachstechnik behandelten Steindrucken und seiner 
umfangreichen Griffelkunst in Schwarz-Weiß rundet das 
Bild des Meisters organisch ab und gewährt einen Ein 
blick und Aufschluß über die Buntheit der Figural- 
darstellungen, Landschaften, Szenen, Gestalten, Still 
leben, Blumen, Vignetten, Kalenderzierstücke und mannig 
fachen Einfälle, die durch unendlich viele Einzelzüge und 
eme Durchseelung und Überwindung des Technischen im 
mer wieder überraschen, aber bei aller irdischen und kos 
mischen Vielseitigkeit doch nur die eine unerschöpfliche, 
freie, leuchtende und harmonisch abgeklärte dents ch e 
Kunst Hans Thomas offenbaren können. 
Aus der Geschichte der Weserschiffahrt. Von Bruno Jacob. 
(Schluß.) 
Nur sehr langsam kam es zu einer all 
gemeineren und gleichmäßigeren Behandlung 
des Stromes und der User. Es fehlten die 
Leinpfadbrücken, die Leinpfade waren bei 
hohem, also günstigem Wasserstande, oft un 
benutzbar, aber es ist ein, wenn auch trauriger, 
Trost, daß nach dieser Hinsicht eben sowohl lute 
auch in Betracht des Fahrwassers die Verhält 
nisse der anderen Ströme ähnlich lagen. So 
erfahren wir aus dem „beispiellos trockenen
        

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