Full text: Hessenland (37.1925)

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zur Stadt erhobene Ort Geismar, wie er in der 
Regel genannt wurde und im Volksmunde 
heute noch heißt, wuchs binnen zwei Menschen 
altern durch Angliederung der Neustadt und 
der Peterstadt um mehr als das Doppelte und 
erreichte den Umfang, der erst neuerdings über 
schritten worden ist. Der Grundriß der Stadt 
schließt jeden Gedanken an eine planmäßige 
Anlage aus. Zuerst wurde längs der Verkehrs 
wege gebaut, dann der Raum innerhalb der 
Ringmauer regellos ausgefüllt, so daß ein an 
der Ostseite flaches Oval entstand. Das Mauer 
werk der Befestigungen bestand großenteils ans 
Kalkstein, und die Türme konnten nicht hoch 
aufgeführt werden. Dagegen hatte die Stadt 
eine breite und starke Erdbefestigung, den späte 
ren Hagen, die ans zwei Gräben und einem 
Mittelwall bestand. 
Das alte große Siegel der Stadt stellt einen 
Bischof dar, der mit Stab und Evangelienbuch 
im Portal einer romanischen Kirche steht, am 
oberen Rand ist das Mainzer Rad doppelt an 
gebracht, am unteren befinden sich Mauer 
zinnen. Die Umschrift lautet: Ligillurn dur- 
gensium in Geismaria. Man geht vielleicht 
nicht fehl, wenn man in dem Siegelbild den 
heiligen Bonifatius und den Mainzer Dom 
erblickt. Dies Siegel blieb, abwechselnd mit 
dem kleineren, nur das Rad zeigenden Sekret 
siegel, bis zum Anfang des 16. Jahrhunderts 
im Gebrauch, damals verbannte es wohl der 
reformatorische Eifer. Das neue Siegel, das 
jetzige Stadtwappen, zeigt einen runden Tor 
turm, neben dem rechts und links je zwei 
schlanke Spitztürme stehen und unter dem das 
Mainzer Rad angebracht ist. Die Stadt war 
bis zum Jahre 1583 nur in hessischem Pfand 
besitz, und die Angabe, daß der Löwe die Stelle 
des Rades eingenommen habe, ist irrig. 
Die Münze, Regal des Landesherrn, scheint 
im 14. Jahrhundert durch Kauf, Pfandschaft 
oder Pacht in den Besitz der Stadt gelangt zu 
sein. Der Rat erklärte wenigstens in seinem 
amtlichen Bericht vom Jahre 1554, die Stadt 
habe von alters her die Freiheit zu münzen 
gehabt, jedoch ihrer Unvermöglichkeit halber 
es eine Zeitlang unterlassen müssen. Die Wäh 
rung war dieselbe wie in den übrigen Präge 
stätten an der unteren Diemel, sie ging auf 
Corvey zurück, dessen Münze in die Zeit der 
Karolinger zurückreichte. Von den erhaltenen, 
ziemlich seltenen Denaren (Silberpfennigen) 
der. Stadt tragen einige das Bild fremder 
Landesherrn wie der Bischöfe Simon und Otto 
von Paderborn und der Erzbischöfe Konrad 
und Siegfried von Köln. Man nennt solche 
auch anderwärts vorkommende Denare Tutoren- 
münzen, da sie angeblich ein Schutzverhältnis 
bezeichnen. In der Tat waren dem Bischöfe 
Simon zeitweise alle nutzbaren Rechte in der 
Stadt verpfändet, und der Erzbischof Sieg-' 
fried legte im Jahre 1277 die Verwaltung der 
mainzischen Ämter in Hessen nieder, darunter 
auch die von Hofgeismar? In anderen Fällen 
mögen die Münzmeister eigenmächtig und 
eigennützig gehandelt haben, um die Münzen 
kursfähiger zu machen. Aus dem 15. Jahr 
hundert ist noch ein einzelner Pfennig bekannt 
geworden, er trägt auf der Vorderseite das 
Bild eines Bischofs, auf der Kehrseite ein 
dreitürmiges Gebäude mit dem Rad im Portal. 
Helmarshansen an der Diemel wurde etwa 
gleichzeitig mit .Hofgeismar Stadt. In dem 
schon im Jahre 944 als Fronhof erwähnten 
Ort wurde 997 ein Benediktinerkloster gestiftet, 
das nach dem Vorbild von Corvey als Reichs 
abtei mit großen Vorrechten ausgestattet, je 
doch schon von Heinrich II. der Oberherrschaft 
des Paderborner Bischofs Meinwerk unterstellt 
wurde. Gestützt auf wechselnde kaiserliche und 
päpstliche Entscheidungen, suchte das reich und 
angesehen gewordene Stift seine Unabhängig 
keit wieder zu gewinnen, und als endlich der 
Papst gegen seine Ansprüche entschied, wies der 
Abt Ditmar von Stockhausen mit gewaffneter 
Hand den Bischof zurück, der seine Rechte als 
Oberherr wahrnehmen wollte. Er legte auch 
auf dem nahen Valenberge eine Feste, die un 
vollendet gebliebene Neustadt, an, und einer 
seiner Nachfolger erbaute auf der den Ort be 
herrschenden Höhe die starke Burg Krukenberg. 
Aber auf die Dauer war die Abtei dem Gegner 
nicht gewachsen. Sie zog es deshalb vor, sich 
in den Schutz eines Mächtigeren zu begeben, 
des Erzbischofs Engelbert des Heiligen von 
Köln. Die Erzbischöfe führten seit dem Jahre 
1180 den Titel eines Herzogs von Westfalen 
und Engern und waren gerade damals eifrig 
bemüht, ihm Inhalt und Geltung zu ver 
schaffen. 
Die Abtei überließ demnach im Jahre 1220 
dem Erzstifte die Hoheitsrechte zur Hälfte, und 
unmittelbar darauf wurde Helmarshausen 
Stadt und erhielt kölnisches Recht. Landau 
vermutet planmäßige Erbauung^, wofür die 
gleichmäßige Führung der beiden Hauptstraßen 
3 O. Grotefend, Regesten der Landgrafen von Hessen I. 
Nr. 212. 
4 G. Landau, Die Geschichte der Burg Krukenberg, 
S. 57. '
        

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