Full text: Hessenland (35.1921)

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Verwechslung mit dem Namen Leine ein, die 
urkundlich als Lagina, Legine, Lagne, Logne 
auftritt rnid die wohl auch mit der Langona 
gemeint ist. Über die Volksaussprache, die uns 
neben den urkundlichen Formen zur Lösung des 
Rätsels unentbehrlich ist, berichtet Friedemann 
a. a. O. S. 430: „Dieser Name wird noch jetzt 
im Munde des Volkes so dumpf und gedehnt 
gesprochen, daß man ihn mit Buchstaben nicht 
sowohl durch Laen, La'in als durch Loen, Loi'n 
oder Loän darstellen kann. Es hört sich auch in 
der Mitte ein leiser Hauch durch wie g und h, 
wodurch das ganze Wort fast zweisilbig 
wird. So sind die lateinischen Formen des 
Mittelalters hinreichend gerechtfertigt: Logana, 
Logena, Logina, Logona, nur mit stets kurzer 
Mittelsilbe." 
(Schluß folgt) 
Entwurf einer Krieger-Gedächtnisstätte 
für die Stadt Allendorf a. d. W. 
Von Martin Otto Johannes. 
Vor den Toren unseres Städtchens erhebt sich 
ein anmutiger Hügel, der Klausberg. So bescheiden 
er vor den ragenden Felswänden der Gobert zurück 
tritt, so bedeutungsvoll ist er doch, indem er uns 
über die liebliche nähere Umgebung erhebt und 
Ausblick ans weitere und erhabenere Ferne gewährt, 
ohne uns doch aus der traulichen Nähe des Tales 
allzuweit zu entrücken. Greifbar sehen wir die 
Zugehörigkeit des Klausbergs zur Stadt durch eine 
beide verbindende Pappelreihe verdeutlicht, oie in 
sanfter Steigung vom Gartenkranze vor den Toren 
bis zur Kuppe hinauszieht und eine weithin sichtbare 
Landmarke bildet. Der Klausberg hat seit ältesten 
Zeiten seine Bedeutung gehabt, vielleicht war er 
eine geweihte Stätte. Wir können seine Geschichte 
nur bis ins Mittelalter zurückverfolgen, aus dem 
der kleine, festgefügte Wartturm innerhalb eines 
beschränkten Ringwalles stammt, der einst wohl, 
einer Landwehr eingegliedert, auch als Ausguck 
talaus und tatab, der Sicherheit der Stadt diente. 
Noch heute steht er trutzig und nur durch unnütze 
Bubenhände ein wenig versehrt, ans seinem Posten 
und erlaubt uns etwas freieren Umblick ans den 
Kronen des mannigfaltigen, prachtvollen Baum 
bestandes heraus, mit dem man schon vor alters 
die Bergknppe in einen kleinen Ehrenhain der 
Heimat verwandelt hat. Überhaupt machte man 
sich in einer Zeit, als in Bürgarkreisen noch an 
spruchsloses Behagen und Verständnis für die schlich 
ten Freuden der heimischen Natur lebendig war, 
durch mancherlei Anlagen um den Klausberg ver 
dient. Man wölbte in den anstehenden Felsen 
.unter dem Türmchen eine Grotte, man baute das 
früher an der Werrabrücke befindliche Wachthüus- 
chen, das sich hier oben so gut einfügte, wieder 
ans, man richtete einen runden Tanzplatz ein und 
sorgte für Wege und Laichen und Bänke, was 
alles ganzen Geschlechtern Erquickung bot. Seitdem 
freilich mit dem Jndustriezeitalter das große Sterben 
der deutschen Seele begann, seitdem hur noch Ver 
dienen, Jagd nach dem Golde und flaches Austoben 
Trumps war, vereinsamte die freundliche Stätte 
mehr und mehr. Nur der kundige Heimatfreund 
fand sich noch dahin und >vußte zu schätzen, was 
sich ihm bot. Und die Sonntags-Tobsucht der 
Halbwüchsigen zerstörte viel von den Anlagen. Erst 
jüngst, im Zeichen der Wohnungsnot, kam wieder 
etwas Leben hinaus, indem eine Familie in dem 
Berghünschen einquartiert wurde. 
Soviel davon, um die Örtlichkeit deutlich vor 
Augen zu stellen, um die es sich handelt. Ähnlich 
mag auch der Klausberg mit seiner buschigen Kuppe, 
den Obsthainen seiner Terrassenabhänge und der 
stolzen Pappelallee manchen von der Heimat Ent 
fernten vor der Seele stehen und gestanden haben, 
besonders auch unseren Kriegern im Felde. Sicher 
lich haben sie iin Gedanken an die Vaterstadt auch 
dieses lieblichen Hügels gedacht, der sich unver- 
nwidlich von allen Seiten her an das Stadtbild 
angliedert, mag inan nun talaus oder talab, am 
Flusse, auf den Landstraßen, mit der Bahn oder 
über die umliegenden Höhen herkommen. Und im 
Geiste haben sie auch hinabgeschaut auf das heim 
liche, rote Dächergedräng der Nachbarorte um den 
stolzen Turm zu Sankt Crucis, auf das blitzende 
Werraband zwischen den Fruchtauen des Tales 
und ans alle die Berge im Rund, von der Hörne 
über den breit gelagerten Meißner bis zur Tenfels- 
kanzel. Ja, wer weiß, ob nicht einmal der oder 
jener, der, seine deutsche Treue mit dein Tode be 
siegelnd, in der Unendlichkeit des russischen Flach 
landes, in Flanderns Sümpfen oder im Dickicht 
der Argonnen verblutete, mit seinem letzten Hauche 
gerade um dieses Fleckchen Heimaterde schwebte? 
Sollte eine solche Stätte nicht vorzugsweise dazu 
berufen sein, dem Ehrengedächtnis unserer gesallenen 
Brüder zu dienen? Sie liegt nicht so weit von 
der Stadt entfern-t, daß sie nicht jeder, der Be 
dürfnis danach hätte, ohne Mühe besuchen könnte. 
Sie ist aber auch nicht so nahe, daß sie alltäglich 
werden und übersehen werden könnte. Es ist damit 
die Gewähr gegeben, daß die Nnr-Gleichgültigen 
wegbleiben. Sie ist aber auch nicht dem Lärm zu 
nahe und der geschäftigen Hast, die an stiller Ver 
senkung hindern würden. Sie steht über dem ge 
wöhnlichen Treiben des Werktags lind nennt schon 
den Zauber der Natur ihr eigen, den man ander 
wärts durch Anpflanzung von Heldenhainen erst
	        
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