Full text: Hessenland (35.1921)

31 M8L- 
der Privatdozent der Hygiene Pros. Dr. Hermann 
Griesbach ernannt. 
P e r s o n a l ch r o n i k. Der bekannte Kastellan des 
Wilhelmsthaler Schlosses Friedrich Engelbrecht, der 
lange Jahre im Dienst wes letzten Kurfürsten stand, diesen 
auch nach Prag begleitete und seit 1898 die Kunstschätze 
des Wilhelmsthaler Schlosses getreulich verwaltet, beging 
am 13. Februar seinen 75. Geburtstag. — Ihren 70. Ge 
burtstag feierten Pfarrer H a a's (11. Februar), der seit 
41 Jahren an der lutherischen Gemeinde in Kassel wirkt, 
ferner Fräulein Emilie Z i ck l e r (13. Februar), die 
seit fast 4 Jahrzehnten in der öffentlichen Wohlfahrts 
pflege und seit etwa 20 Jahren als erste Frau in der 
Verwaltung der Stadt tätig ist, und der Inhaber der 
bekannten Seifenfabrik Friedrich R e u l (22. Januar), 
der sich namentlich auch um die Förderung der zeit 
genössischen hessischen Kunst Verdienste erwarb und eine 
der wertvollsten Gemäldesammlungen einheimischer Künst 
ler besitzt. 
Hessische Bücherschau. 
E n t ge g n u n g. 
Die Besprechung meiner „Besiedelung des Thürin 
gischen Eichsfeldes auf Grund der Ortsnamen und der 
Mundart" (Duderstadt 1919, Verlag A. Mecke) durch 
A. Fuckel in Heft 1, Seite 15, Jahrg. 1921 dieser Zeit 
schrift känn ich nicht unerwidert lassen, einmal, weil 
sie meinen Standpunkt nicht klar erkennen läßt und 
Unrichtigkeiten enthält, und zum andern im Interesse 
der Sache selbst. 
1. A. a. O. § 3 Anm. 4 sage ich: „Wie sehr ich 
mir auch des- Problematischen der Namendeutung, ganz 
allgemein, bewußt bin, so habe ich mich doch zuweilen 
auf ihren schwanken Boden begeben zu müssen geglaubt, 
dann vor allem, wenn sie zum Beweise von Thesen ein 
ob auch nur geringes Moment beitragen oder selbst von 
andern Erwägungen gewinnen konnte. Methodisch halte 
ich es geradezu für geboten, und wenn es auch zuweilen 
allzu kühn erscheinen sollte, selbst bei nur geringer 
Wahrscheinlichkeit ihrer richtigen Deutung doch auch 
diese schwache Stütze für die Lösung von siedlungs 
geschichtlichen und ähnlichen Fragen auszunutzen." Wie 
demgegenüber der Rezensent sagen kann, ich Hütte der 
Unsicherheit der Grundlagen meiner Untersuchung nicht 
genügend Rechnung getragen, verstehe ich. nicht. 
2. In 8 4 zitiere ich Virchow. Dieser sagt, daß der 
brünette Typus „im Herzen von Deutschland, von 
Sachsen-Koburg-Gotha und den anstoßenden Teilen von 
Thüringen beginnend ... sich die Weser heraus und durch 
das östliche Hessen bis in die Provinz Hannover und 
Westfalen (erstreckt). Daß in diesen Gebieten die Durch 
dringung der blonden germanischen Rasse mit brünetten 
keltischen Elementen am vollständigsten war", wird mit 
Recht gefolgert. — Der Rezensent legt mir auf Grund 
dieser Worte die Behauptung unter, der brünette Typus 
träte im Eichsfeld stärker hervor als im übrigen Mittel 
deutschland! Er hat offensichtlich „in diesen Gebieten" 
falsch bezogen! 
3. Ebenso bedenklich ist es, wenn der Rezensent be 
hauptet- ich führe den brünetten Typus auf die Slaven 
zurück. Ich lasse ihn 8 4 von den Kelten herkommen 
und sage ebenda und 8 48, daß der neben dem brünetten 
vorkommende schwarze Typ auf die Slaven zurück 
weisen könnte. Etwas mehr Genauigkeit hätte man von 
dem Rezensenten erwarten dürfen. 
4. Dem slavischen Einfluß habe ich in den Orts 
namen nur ein Minimum konzediert. Daß Slaven, in 
welcher Form auch immer, aus dem Eichsfelde an 
gesiedelt waren, ist urkundlich bewiesen. Diese Tatsache 
läßt es zum mindesten methodisch geraten erscheinen, 
etwaige slavische Anklänge in Ortsnamen auf ihre wirk 
liche Geltung zu untersuchen; eine kategorische „völlige 
Ablehnung" slavischer Spuren ist unangebrachter Dog 
matismus. 
5. Ebenso dogmatisch ist es, wenn der Rezensent es 
als zweifellos hinstellt, daß der brünette Typ auf die 
vorindogermanische Bevölkerung, also >vohl die von 
mir erwähnten Präneolithiker, zurückgeht, und nicht auf 
die Kelten. Das eine ist Hypothese wie das andere. 
In den Präneolithikern sehen manche Gelehrte einen 
Typ, der nicht mit dem bloßen Brünettsein gegeben ist: 
sehr wesentlich für ihn ist vielmehr die Nasenform, 
und ich habe ihn in Thüringen genug gesehen. Auf 
dem Eichsfelde begegnet er auch, aber seltener, und zwar 
in dem 8 4 und Anm. 1 von. mir erwähnten schwarzen 
Typ. In der Schweiz soll seine Gesichtsform öfters 
vorkommen. 
6. Nach den Sprachtatsachen des Ursprungsgebietes der 
Leine scheint sich mir eine Verbindung des Flußnamens 
mit ahd. lob zu verbieten. 
7. Daß die moderne Mundartensorschung für die 
Besiedelungs- und Stammesfragen noch manche wertvolle 
Aufschlüsse liefern kann und wird, steht außer Frage. 
Hertels Annahmen waren zu äußerlich, sowohl nach der 
sprachlichen wie der geschichtlichen Seite. Aber die 
blühende Soziallinguistik wird bei der Auflösung der 
Verschmelzungen und bei der Verfolgung der Einflüsse, 
die Phonetik insbesondere bei der Betrachtung der Sprach- 
phänomene in ihrem ganzen Umfange, von der Laut 
qualität bis zu den verschiedenen Akzenten, nicht zum 
letzten dem musikalischen, wertvolle Spuren und Be 
ziehungen aufdecken, die, mit wissenschaftlicher Vorsicht, 
aber methodisch alle Möglichkeiten erwägend, in sich schon 
weit über Arnold hinausgehend, allerdings im Zu 
sammenhang mit den andern Hilfswissenschaften' der 
Siedlungs- und Stammesforschung zu betrachten sind, 
wie umgekehrt Leipziger zünftige siedlungsgeschichtliche 
Arbeit auch die Mundarten helfen!) zu Rate zieht. 
Und hierfür habe ich in meiner „Besiedlung" einen 
methodischen Versuch vorgelegt, der hoffentlich noch 
manchen Nachfolger finden wird. Denn nur eine syste 
matische Reihe von derartigen Untersuchungen wird 
imstande sein, uns aus diesem Wege erheblich vorwärts 
zu bringen, und für deren Inangriffnahme auch hier zu 
werben, war der Nebenzweck dieser Entgegnung auf des 
Rezensenten Negation. 
. Köln a. Rh. Or. K o n r a d H e n t r i ch. 
Hierzu habe ich-zu bemerken: 
Zu 1.: Die theoretische Mahnung zur Vorsicht bei 
Ortsnamendeutungen, die der Verfasser 8 3 Anm. 4 
gibt, ist mir nicht entgangen.- Um so verwunderlicher 
ist es, daß er sie praktisch nicht befolgt. Wenn er 8 8 
sagt „Spuren keltischer Siedelung auf dem zur Behand 
lung stehenden und angrenzenden Gebiete zeigen sich in 
Orts- und Flußnamen", so erkläre ich nochmals auf das 
bestimmteste, daß keine einzige der hier angegebenen 
Ableitungen mit Sicherheit als keltisch angesehen werden 
kann. Die Gleichung walah — wolkisch (im Sinne 
völkischer Siedelung) kann ich nicht anerkennen und 
halte „walah" in Ortsnamen mit Jakob (Meininger
	        

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