Full text: Hessenland (33.1919)

h.«*v»«. W asjiu 
Hessisches Heimatsblatt 
Zeitschrift für hessische Geschichte. Volks- und Heimatkunde, Literatur und Kunst 
Nr. 5/6. 33. Jahrgang. März-Doppelheft 1919. 
Die Burg Wolfershausen und die Amsel am Lotterberg. 
Von G. Eisentraut. 
Aus dem Schienenwege von Kassel nach Wabern 
überschreitet der Zug bald nach der Abfahrt von 
Bahnhof Grifte den Edderfluß. Links auf dem 
Hange der nach Ellenberg aufsteigenden Höhe steht 
in àem Wäldchen der nur Wenigen bekannte und 
doch so sehenswerte Riesenstein; rechts, jenseits 
der Edder, über dem Steilhang des Lotterberges 
liegt im Walde versteckt ein kleines Gehöft, die 
Amsel genannt, das uns später noch besonders 
beschäftigen wird. 
Bald erreicht der Zug die Haltestelle Wolfers 
hausen. Jenseits der hier auffallend breiten Edder, 
an àem rauschenden Wehr, ein stattliches Mühlen 
gehöft, das schon seit mehreren Jahrhunderten im 
Besitz derselben Familie sich befindet; dahinter das 
Kirchdorf Wolfershaustn. Wenn auch rings von 
Höhen umschlossen, erhebt es sich doch so wenig 
über den rechts seitwärts gelegenen Wiesengrund, 
daß man in ihm nicht ohne weiteres eine Burg 
stätte vermuten würde. Tatsächlich aber hat einst 
eine Burg im Dorfe gestanden. Von ihr soll in 
Nachstehendem die Rede sà. 
'Hessen gehörte bis in die Mitte des 13. Jahr 
hunderts zur Landgrafschaft Thüringen. -Als dessen 
Landgrafen 1247. mit Heinrich Raspe IV. aus 
starben, fiel das Land Hessen und der Oberlahngau- 
an Heinrich, den minderjährigen Sohn des Herzogs 
Heinrich II. von Brabant, aus dessen zweiter Ehe 
mit Sophie, der Tochter der thüringischen Land 
gräfin Elisabeth der Heiligen. 
Nun war im Anfange des 13. Jahrhunderts in 
Wolfershausen das Rittergeschlecht von Rengs 
hausen ansässig geworden. Es stammte aus dem 
zwischen Homberg a. d. E. und Rotenburg a. d. F. 
gelegenen Dorfe Rengshausen. Die Brüder Her 
mann und Heinrich, um die es sich hier handelt, 
nannten sich bis 1275 teils nach dem alten, teils 
nach dem neuen Wohnsitz, spater aber nur noch 
„von Wolfershausen" bzw. „von Wulfeshusen" 
Sie haben mit der Zeit auch ein besonderes Wappen 
angenommen, das einen Wolf und im untern Felde 
drei Ringe zeigt. Ihre Vettern und deren Nach 
kommen haben den Namen von Rengshausen und 
den Wohnsitz in diesem Dorfe beibehalten. 
Von dem Erzstifte Mainz, das schon längst das 
Lehnrecht über verschiedene thüringisch-hessische 
Rechte und Besitzungen beanspruchte, war der Vater 
der genannten Wolfershäuser Ritter mit einer 
Reihe von Gerichten (Zenten) in und bei Kassel 
belehnt gewesen, aber durch die thüringer Land 
grafen, die das Lehnsrecht für sich in Anspruch 
nahmen, aus diesem Besitz vertrieben worden. Die
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.