Full text: Hessenland (33.1919)

139 
Die neue Sonne steigt herauf und wandelt leuchtend 
ihren Kreis, 
Glanzsterne nehmen neuen Lauf und künden ihres 
Schöpfers Preis, 
Zu alten Ufern kehr'n die Wogen, zum blaugewölbten 
Himmelsbogen 
Ein rein Geschlecht blickt selig auf. 
Kassel. 
Ein Widar wird auch uns erblühn und deutsche Größe 
wieder schaffen, 
zum Leben bringen Hoffnungsgrün, ausmerzen, was 
uns ließ erschlaffen, 
Die Zügel frisch und kraftvoll fassen und stolz uns 
wieder heben lassen 
das Haupt als Männer frei und kühn! 
Dr. A. Puckel. 
Louis v. Efchwege. 
Am 24. Juli 1919 jährt sich zum hundertsten 
Male der Geburtstag eines- treuen Kurhessen, dessen 
Andenken vielleicht noch in manchem alten Hessen- 
herzen lebt, des Majors und Flügeladjutanten des 
Kurfürsten Friedrich Wilhelm I. von Hessen, des 
Freiherrn Friedrich Louis Cäsar v. Eschwege. 
1819 als dritter Sohn des damaligen kurhessischen 
Rittmeisters Ferdinand v. Esch 
wege und seiner Gemahlin 
Louise, geb. Treusch v. Buttlar- 
Brandenfels, zu Reichensachsen 
bei Eschwege geboren, trat er 
mit 13 Jahren in das Ka 
dettenkorps zu Kassel ein und 
wurde 1837 mit 18 Jahren 
Offizier im Leib-Garde-Regi- 
ment. Dank seinen Fähigkeiten 
und seiner Führung erwarb er 
sich schnell Vertrauen und Liebe 
seiner Vorgesetzten und seiner 
Umgebung. Als im Jahre 
1842 eine außerordentliche Ge 
sandtschaft nach Petersburg 
ausgerüstet wurde, um dem 
damaligen Zaren Nikolaus I. 
die erfolgte Thronbesteigung 
des Kurfürsten Friedrich 'Wil 
helm feierlich zu melden, be 
stimmte man den Leutnant 
Louis v. Eschwege zum per- » - 
sönlichen Begleiter und Adju 
tanten des Gesandten Generals v. Amelunxen. 
Diese russische Reise, die dem jungen Ofsizier eine 
ganz neue Welt erschloß, machte einen tiefen Eindruck 
auf ihn und übermittelte ihm eine Fülle fesselnder 
Begebenheiten. Der Zar verlieh ihm den St. An 
nenorden 2. Klasse. In den Jahren 1845—51 stand 
Louis v. Eschwege abwechselnd in den Garnisonen 
Hanau und Fulda. 1849 machte er einen Teil 
des Feldzuges in Schleswig-Holstein gegen die 
Dänen mit. 1854 war er Divisionsadjutant in 
Kassel. Das ganz besondere Vertrauen seines kur 
fürstlichen Herrn bestimmte ihn bald zum Flügel 
adjutanten des Kurfürsten, einer Stellung, die der 
ältere Bruder, Hermann v. Eschwege, schon einige 
Jahre innehatte. Als Flügel 
adjutant ist Louis v. Eschwege, 
der inzwischen zum Major 
befördert und zum Komman 
deur der Schweizer Leib-Garde 
ernannt war, bis zum Zu 
sammenbruch des Kurstaates 
in unverbrüchlicher Treue bei 
seinem Kurfürsten verblieben. 
Zu den wenigen Getreuen, die 
den angestammten Herrn auch 
im Unglück nicht verließen, 
zählte in erster Linie Louis 
v. Eschwege. Er begleitete 
den gebeugten Fürsten in 
die Gefangenschaft nach Stet 
tin. Nach erfolgter Auflösung 
des Kurstaates Hessen zog sich 
der Kurfürst auf seine Besitzung 
Horschowitz in Böhmen zurück. 
Major v. Eschwege begleitete 
ihn dorthin, erbat aber dann 
Esckweae seinen Abschied. Fortan lebte 
0 ’ er mit seiner Familie in seinem 
Hause zu Kassel oder auf seinem Gute Jestädt 
bei Eschwege. Dort ist er am 24. August 1904 
im hohen Alter von '85 Jahren verschieden. 
Seine vornehme, ritterliche Erscheinung und sein 
liebenswürdiges, echt edelmännisches Wesen werden 
noch vielen, die ihn kannten, im Gedächtnis 
leben. A. H. 
Figaros Tagebuch. 
Die Aufzeichnungen des Johann Peter Mülot. 
Von vr. Alfred F. Mayer. 
Unter den kuriosen Jahrgängen seiner Samm 
lung von Kalendern des 18. und beginnenden 
19. Jahrhunderts bewahrt das Offenbacher Heimat 
museum einen seltsamen Schatz: die handschriftlichen 
Aufzeichnungen des Landgräflich Hessischen Kam 
merdieners Johann Peter Mülot, über die hier 
zum ersten Male berichtet werden soll. Zwei Jahr 
gänge nur sind es, in denen die eigenartig gezierten
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.