Full text: Hessenland (32.1918)

Hessisches Heimaisblatt 
Zeitschrift sür hessische Geschichte, Volks- und Heimatkunde, Literatur und Kunst 
Nr. 23/24. 32. Jahrgang. Dezember-Doppelheft 1918. 
Auf dem Grebensteiner Burgberge. 
Wo Treu' und Glaube mit zu Felde zogen. 
Blüht nun als Mal der Liebe Rosenbogen. 
Verschlungenem Kranzgewinde grüner Gärten 
entsteigt der Pfad, der zur Burg Grebenstein, der 
Herrin des Essegrundes, emporführt. Quelle des 
Flüßchens am Brand und Mündung am Deisel 
berg in die Diemel verbindet ein Blick. Bon der 
Rückseite des Fuldabeckens hinabgleitend, ist die 
Esse das lebendige Band zwischen dem Franken- 
und Sachsengau. In alter Zeit wies sie waldlang 
deutschen Königen und ihren Heeren den Weg ins 
Wesertal. Die Chronik Jmmenhauseus weist von 
einer Pfingstrast Heinrichs II. m dieser Stadt. 
Als man im Straßenbau des Wassers zerstörende 
Kraft zu bändigen verstand, nahm die Bremer 
straße im Tale den Verkehr mit Niederdeutsiüland 
auf. Ihr gesellte sich im Zeitalter des Dampfes 
die Westfälische Bahn zu, die ursprünglich als Hes 
sische^ Nordbahn Kassel mit Karlshafen verband. 
Wie sich hier oben einstmals in dem noch so 
trotzig aufragMden Mauerviereck Bergfried, Saal- 
bau und Kemenate zu einer eigenartigen Anlage 
vereinigten, so drängt sich einem hier oben in der 
Erinnerung das hessische Geschick von seinem Auf 
gang bis zu seinem Niedergang zusammen. Man 
schaut wie über den Esselauf mit einem Blick 
darüberhin. Stark und eigenwillig quillt es auf 
wie der Bach im Steingeröll, fromm und leben 
spendend schwillt es hinein ins deutsche Tal, um 
an eigener Kraft erschöpft, sich im Größeren zu 
Yollenden. 
In dieser Burg, die Kampf ins Dasein rief, 
stand die Wiege Hermanns des Gelehrten. Ihm 
fiel das harte Los, sein Hessenerbe gleich seiner 
Ahnfrau Sophie gegen habgierige Feinde bis aufs 
Blut zu verteidigen. Grebensteiner und Jmmen- 
häuser Bürgertreue bewährte sich ihm. Die am 
Rande des Reinhardswaldes liegende Mainzer Feste 
Haldesseu. hatte bereits der Eiserne Landgraf gründ 
lich zerstört, und endlose Fehden löschten die zahl 
reichen Siedlungen aus, deren Namen noch die 
Feldmark nennt. Ihre Bewohner bevölkerten das 
jungq Grebenstein. Jener Maitag 1385, an dem 
Mainz im Bunde mit Braunschweig die Stadt ver 
geblich berannte, schien der Sage wichtig genug, 
den Lindwurmtöter St. Georg im Stadtwappen 
aus die tapfere Haltung der Bürgerschaft zu 
deuten. Viel schwerer traf es die Schwesterstadt, 
die ivor den Augen des Erzbischofs Adolf bis auf 
beit Grund niederbrannte. Noch ist die Inschrift 
an der wiedererrichteten Kirche zu lesen, und der 
Chronist konnte es sich nicht versagen, dem Be 
richte über den Tod des Anstifters jenes trau 
rigen Ereignisses die Bemerkung beizufügen: „Wo 
er jetzund ist, bedarf er keines Pelzes, wie ihm 
dessen die Einwohner der Stadt Jmmenhausen 
gute Zeugschaft geben." 
Trotz größtem Mißgeschicke behauptete Her 
mann seinen Platz wie ein Fisch in strömender 
Flut. Nachdem sich unter seinen Nachfolgern die 
Machtverhältnisse des jungen Staates gefestet hat 
ten, brach unter Philipp jener gewaltige Kampf
	        
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