Full text: Hessenland (32.1918)

Hessisches Heimaisblatt 
Zeitschrift für hessische Geschichte. Volks- und Heimatkunde, Literatur und Kunst 
Nr. 21/22. 
32. Jahrgang. November-Doppelheft 1918. 
Der Zwergmythus in Hessen. 
I. 
Von Heinrich Franz. 
1 . 
Die Zwerge, von 'denen hier gehandelt werden 
soll, gehören zu den Elben x . Unter dieser Bezeich 
nung befassen wir eine große Klasse von dämoni- 
schen Wesen, die, zusammen mit den seelischen 
Geistern, überall in der Natur hausen und im all 
gemeinen deren, still treibende, fast unmerklich 
wirkende und Itueöertb'e Kräfte verkörpern. Die 
Phantasie des Volkes gibt ihnen dahier auch — int 
Gegensatz zu den Riesen, die die übermächtigen 
Naturgewalten darstellen — eine nur kleine, das 
menschliche Maß nicht erreichende Gestalt. Schon 
die Tatsache, daß die Elben mit bat seelischen 
Geistern ohne Einschränkung den Aufenthalt in 
den Elementen teilen, legt die Vermutung nahe, 
1 Das Wort Elf oder Elb — letzteres ist die 
eigentliche hochdeutsche Form — erscheint im Mittel 
hochdeutschen als alp (Mehrzahl elbe, elber, weiblich 
elbinne). Als „Alp" bezeichnet es bekanntlich noch 
heute in verengter Bedeutung den seelischen Druckgeist. 
Für das Gotische und Althochdeutsche ist sein Vorhanden 
sein wenigstens aus Zusammensetzungen mit Alp- nach 
weisbar (s. Grafs, Althochdeutscher Sprachschatz I, 244). 
Gedeutet wird das Wort als „glänzend, strahlend". (Vgl. 
Mogk, Germanische Mythologie 2 3 § 39; Grimm, Deut 
sche Mythologie I±, 366 und 367.) 
daß hier mehr als bloßes örtliches Nebeneinander 
vorliegt. In der Tat wird denn auch von hervor 
ragenden Forschern ein genetischer Zusammenhang 
zwischen beiden Klassen von Geistern mit Nach 
druck verfochten. Auch die Elben sind nach ihnen 
ursprünglich seelische Geistert Mit der Zeit erst 
ist die seelische Herkunft dieser in der Natur fort 
lebenden und zu immer größeren Massen an 
schwellenden Wesen vergessen worden. Mit der 
Loslösung von ihrem Ursprung aber wurden sie 
Gegenstände der subjektiven Phantasie und von 
dieser nunmehr zu reicher Mannigfaltigkeit ausge 
staltet. Deutlich erkennbar ist der Zusammenhang 
zwischen den seelischen Geistern und den Elben 
noch in den altisländischen Sagas, wo auch die 
Seelen der Verstorbenen als alfar, d. h. als Elben 
bezeichnet werdend Der allgemeine Begriff der 
Elben als ursprünglich seelischer, in der Natur 
wirkender Geister hat sich nach den verschiedenen 
2 Nach Mogk § 39 sind es „die Seelen der 
Menschen, die ihr Erdendasein vollbracht haben, ohne 
daß sie irgend welchen Einfluß auf das Leben ihrer 
Mitmenschen ausgeübt haben". 
3 Mogk § 39.
	        
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