Full text: Hessenland (32.1918)

MSSkL- 154 §«ks- 
Sogenannte Klangreinir wie aus der Raus- 
bachcr Glocke finden sich auch sonst noch, z. B. auf 
der kleinsten Glocke von Niederjossa aus dem 
Jahre 1887: 
Bin ich auch klein, mein Singen 
Soll doch Freude bringen 
Zum richtigen Accord 
Bitt ich nur diesen Ort. 
Außer den bereits erwähnten Glockengießern 
sind noch 4 Namen tzus den Glocken des Kreises 
vertreten: G. Schüler aus Apolda, der 1882 die 
größte der 3 Glocken von ver 
fertigt hat, Georg Otto aus Gießen, der 1875 die 
größte Glocke der Gemeinde Mengshausen ge 
gossen hat, und I. Teutschmann und F. Bar 
tholomaei aus Holzhausen bei Homberg. Die bei 
den letztgenannten haben 1830 gemeinsam die 
kleinere Glocke von Rohrbach, ferner 1831 zwei 
Glocken für Wichdorf, 1833 eine Glocke für Gilsa, 
1838 eine Glocke für Kerstenhausen, 1847 eine 
Glocke für Jesberg gegossen. Insgesamt sind 15 
uns mit Namen bekannte Glockengießerfamilien 
an der Herstellung der Glocken des Kreises betei 
ligt gewesen, darunter 11, vielleicht 12 hessische. 
Unter diesen ist die altberühmte Hersselder Familie 
Ulrich (heute Schilling und Söhne in Apolda) 
allein mit dem vierten Teil der vorhandenen 
Glocken des Kreises vertreten. Neben Ambrosius 
Ulrich ragen Johannes, Johann Georg und Kon 
stantin Ulrich im 17. und 18. Jahrhundert be 
sonders hervor. 
Amor vincit. 
Erzählung von Marg. Maier-Hüser. 
(Fortsetzung) 
In Reihen von dreien und vieren verließen 
die Arbeiterinnen die Hofbleiche. Die meisten 
wohnten in den umliegenden Dörfern, doch waren 
unter den Büglerinnen auch Bürgerstöchter der 
Stadt. Es galt als eine Bevorzugung, wenigstens 
eine Zeitlang dort beschäftigt gewesen zu sein, seil 
jede Anwärterin auf einen Platz in der Bügelstube 
der Fürstin selbst präsentiert werden mußte. Sie 
legte Gewicht darauf, nur Mädchen von bestem 
Leumund und anmutiger Erscheinung dort ange 
stellt zu wissen. 
Nanny hatte sich in den Arm einer Gefährtin 
eingehängt, und beide gingen, ohne sich viel an 
die Zurufe der jungen Burschen zu kehren, die 
allabendlich den Mädchen auflauerten und Anknüp 
fung suchten, bis ans Stadttor. Das zuvor so 
muntere Mädchen ging mit gesenktem Kopf neben 
der Freundin her, die lustig schwatzte. 
„Was hast du, was ist dir?" fragte diese, nach 
dem sie bemerkte, daß die Freundin kaum hinhörte. 
„Unerträglich ist's, unerträglich!" fuhr es dem 
Mädchen heraus. Dann schaute sie erschrocken 
um sich, aber niemand war hier in dem einsamen 
Heckenweg in der Nähe, der etwas hätte hören 
können. 
„Gott, Nanny, was hast du denn? Wie kannst 
du nur so reden, warst doch eben noch so lustig!" 
besänftigte Margret. 
„Ja, lustig! weil ich's mit der Gewalt zwingen 
will. Weil jeder Tag, der hinlauft, ohne mir 
was gebracht zu haben, und wär's nur ein ganz 
klein's Freudlein, mir wie verloren däucht. Da 
spiel ich euch und mir halt eine Komödie vor, 
daß ich mir einbild', das Leben wär' in Wahrheit 
so lustig. Und dabei ist's für eins wie mich doch 
wahrlich zum Weinen. Morgen ist Sonntag. Ihr 
geht zum Tanz aufs Dorf, geht auch mit euren 
Burschen und lacht und schwatzt zusammen. Was 
hab' denn ich? Wenn ich jetzt nach Hause komme, 
sitzt der Vater in einer Ecke und ist wie tot, an 
nichts hat er ein Anteil. Gder er läuft im Hause 
herum treppauf, treppab und spürt in allen Ecken, 
ob's nicht brandig riecht. Das ist mal grauslich, 
wenn man mitten in der Nacht aufwacht und hört's 
vor der Tür vorbeischlurfen und dann auf der 
Treppe knacken und stille stehen. Dann muß ich 
mir allemal ein Herz fassen und mich recht expreß 
daran erinnern, daß es nur der Herr Vater ist. 
Und die Jungfer Tante macht einem gar erst bange, 
wenn sie vom Boden kommt oder aus dem Keller 
und hat da allerhand Geistervolk gesehen. Aber 
wenn ich dann einmal heraus möchte zum Tanz 
oder zum jungen Volk, dann heißt's: „Das ziemt 
einer Hansegrebentochter nicht." Dabei liegt unser 
Haus am Markt in der Asche, und hier, in unserm 
alten Gartenhaus, bricht uns das Dach über dem 
Kopf zusammen. Arm wie die Kirchenmäuse sind 
wir, aber stolz — wie eben Bettelvolk ist." 
„Komm doch morgen zu uns aufs Dorf", 
begütigte Margret. „Die Jungfer Tante wird's 
schon erlauben, wenn sie auch erst ein wenig 
lamentiert. Da gehen wir mit den andern Mädchen 
ins Feld und sehen, wie die Frucht steht. Ich weiß 
einen Rain ganz voll Kornblumen und Klatschrosen, 
da nimmst du dir einen Strauß mit heim, bist doch 
sonst so närrisch auf die Blumen. Und abends
	        
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