Full text: Hessenland (32.1918)

dem Neueinziehen von Decken und- Abfangen der 
darüber ruhenden Konstruktionen war wohl das 
Heben und Geraderichten des Fachwerkes am 
schwierigsten. Der gesamte Erkeranbau wurde um 
mindestens 0,75 m gehoben, das Holzwerk ausge 
wechselt und die Lehmfächer beseitigt und ersetzt. 
Das Hochheben des Flügelbaues wurde mit Eisen 
schrauben auf Läufern bewerkstelligt, die einzu 
ziehenden lneuen Konstruktionen vorbereitet und, 
nachdem die lichte Höhe hoch-getrieben war, einge 
setzt. Hierbei kam mir die Verwendung des alten 
guten Eichenholzes gut zustatten, weil es einen un 
schätzbaren Druck auszuhalten vermag. Bei der 
Vornahme dieser Arbeit blieben keine Über 
raschungen .eines Umbaues erspart, die Handwerker 
wurden -ungeduldig, und nur dem absolut gesunden 
Zustand des schweren alten Eichenholzes war es 
zu danken, daß diese Arbeiten ausgeführt werden 
konnten. Der Flügelanbau ist heute durchaus 
wagerecht. 
Weiter bezog sich der Umbau auf die Verbesse 
rung der Fundamente, die Neuherstellung der ge 
samten Dacheindeckung, Ergänzung der Steinmetz 
arbeiten, Entfernung des falschen Putzes am 
Äußern und gänzlichen Innenausbau für neuzeitige 
Wohnungszwecke in drei Geschossen. Hierbei traten 
wesentliche -Veränderungen im Innern des Grund 
risses ein, dagegen wurde seine besonders charak 
teristische Eigenart beibehalten. Die Umfassungs 
wände wurden unverändert erhalten und- der 
an dem linken Teil erforderliche Eingang neu 
angebaut. Im Innern wurden elektrisches Licht, 
Wasserspülung sowie Kachelofenfeuerung eingerich 
tet. Die Rentabilität der früheren „alten Ruine" 
stieg jetzt aber gewaltig, und es wurde dem Besitzer 
möglich, auf seine Kosten zu kommen. War man 
bei Beginn des Umbaues mißmutig und ungefällig 
im Städtlein, so begannen nunmehr die Stadtväter 
mit Interesse und .Aufmerksamkeit aufzuachten. 
Wer heute nach Ziegenhain als Fremder kommt, 
erhält den Rat, ja nicht zu versäumen, sich das 
wiederhergestellte „Steinerne Haus" anzuschauen. 
Die Rohbauarbeiten wurden zum großen Teil 
von Ziegenhainer und Treysaer Handwerks 
meistern ausgeführt, die wohl handwerklich tüchtig, 
jedoch von geringer Ausdauer waren; für die 
Fertigstellung mußte ich zum Teil Marburger und 
Berliner Firmen mithinzuziehen. Trotzdem kam 
der Umbau des verhältnismäßig großen Hauses 
und Umgebung mit Nebenanlagen nicht einmal 
genau auf 60 000 Mark, einschließlich Baulei 
tung, die ich zudem noch persönlich ohne Unter 
stützung durch eine Hülfe ausgeübt habe. Der 
Rohbau währte von . Juni 1910 bis März 
1911, ging also verhältnismäßig schnell vonstatten, 
während der Innenausbau erst in jüngster Zeit 
Das »Steinerne Haus" vor dem Umbau.
	        
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