Full text: Hessenland (31.1917)

H.A\8 VS R - «• A S-5 E L- 
Hessisches Heimatsblatt 
Zeitschrift für hessische Geschichte, Volks- und Heimatkunde, Literatur und Kunst 
Nr. 1/2. 31. Jahrgang. Ianuar-Doppelheft 1917. 
Hriedberg in der Welterau. 
Von Lia v. Bollensen, Wiesbaden. 
Die von altertümlichen Reizen und dem Zauber 
einer reichen geschichtlichen Vergangenheit umspon 
nene Kreisstadt Friedberg schaut in dieser Zeit 
auf ein 700jähriges Bestehen zurück. Zwar kündet 
kein siegelbehangenes Dokument genau den Tag, 
an dem hier einst der erste Spatenstich erklang, 
nach den neusten Forschungen aber läßt sich mit 
ziemlicher Sicherheit annehmen, daß 2 oder 3 
Jahre vor 1216 Kaiser Friedrich II. im Herzen 
der goldenen Wetterau, auf uraltem, prähistori 
schem Siedlungsboden und ehemaliger hervor 
ragender römischer Fortifikationsstätte neues Le 
ben und Werden schuf. 
Noch ragt von jähem Basaltfelsen Friedbergs 
Stolz und Zier, die mächtige .Hohenstaufenschöp 
fung, empor, allerlei Träume von verklungener 
Ritterromantik, schimmernder Wehr, von Kampf 
und Fehden, sieghaftem Herrentum und trotzigem, 
gebrochenen Bürgersinn erweckend. 
Überhaupt webt um Friedbergs Namen eige 
ner Klang! Seine Geschichte verliert sich in jene 
nebelgrauen Fernen der Vorzeit, da noch tiefes 
Dunkel über allen Geschehnissen gebreitet, allein 
der Erdboden durch seinen Inhalt von mensch 
lichem Dasein kündet. 
Denn uüc voll jeher die fruchtbaren, von zahl 
reichen Flüssen und Bächen durchpulsten Löß 
flächen der weiten hügeligen Wetterau, die gleich 
einem Kranze die verblauenden .Höhen von Tau 
nus, Vogelsberg und Spessart umspannen lind 
über die zur Tertiärzeit die Wogen eines gewal 
tigen Binnenmeeres brausten, dessen Ablage 
rungeil sie ihren Namen: „die goldene" dankt, 
starke Anziehung auf Nomadelr und Ansiedler 
ausgeübt, so war dies in besonderem Maße mit 
Friedberg der FalU 
Zumal die Periode der Neolithik oder jüngeren 
Steinzeit hat hier reiche Spuren damaligen 
Lebens und Treibens hinterlassen. Sowohl im 
Stadtgebiet selbst wie auch in seiner nächsteil Um 
gebung sind eine große Anzahl neolithische Ein- 
zelwohngruben: priulitivste Trichter- und geräu- 
inigere, rechteckig angelegte Wohngruben, sowie 
ganze dorfartige Ansiedlungen zutage gefördert 
worden. Die in den Boden vertieften Teile jener 
Hütten mit ihren noch tieferen Herd- und Vor 
ratsgruben hüteten eine Fülle steinzeitlicher Erzeug 
nisse, wie Werkzeuge, Waffen, Messer, Mühl 
steine, Becher, vor allem aber Scherben von 
Töpfen, unverzierte wie verzierte, band- wie 
schnurkeramischer Ornamentik.
	        
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