Full text: Hessenland (30.1916)

Aus Heimat 
Hochschulnachrichten. Marburg: Der Direktor 
des Physiologischen Instituts Geh. Medizinalrat Prof. 
Dr. Friedrich S ch e n ck, der seit 1901 in Marburg lehrte 
und 1911/12 das Amt des Rektors bekleidete, ist am 
16. Februar nach längerem Kranksein gestorben. — Dem 
f rivatdozenten der theologischen Fakultät Lie. Born- 
äuser wurde das Prädikat Professor verliehen. — 
Prof. Dr. Böhmer wurde mit dem Kronenorden 3. Kl. 
ausgezeichnet. 
7 0. Geburtstag. Am 21. Februar beging der 
Kasseler Schriftsteller Louis Wolfs seinen 70. Geburts 
tag. Er war geboren in dem noch heute von ihm be 
wohnten Hause (Wolfsschlucht Nr. 7), das sein Vater, 
der Architekt und Professor an der Kasseler Kunstakademie 
Johann Heinrich Wolfs, gebaut hatte. Seine Mutter war 
eine Tochter von Louis Spohr, der auch der Pate des 
Enkels wurde. Louis Wolfs besuchte das Dzeoeum 
Driderioiauum in Kassel und das Gymnasium in Rin 
teln, von wo er Ostern 1864 zur Universität abging. 
Er studierte in Marburg und Leipzig Rechtswissenschaft, 
in München hörte er Philosophie, Literatur- und Kunst 
geschichte sowie Nationalökonomie. Ein andauerndes 
schweres Augenleiden hinderte ihn, ein Amt zu er 
streben. Seine lyrischen Dichtungen veröffentlichte er 
in mehreren Folgen, zuletzt zusammenfassend unter der 
Bezeichnung „Ich — Liedeskunst". Außerdem veröffent 
lichte er die Versdramen „Konrad von Marburg", 
„Pietro Aretino" und „Ruth" sowie die modernen 
Gesellschastsdramen „Rachegeister", „Anna Willing" und 
„Verlorene Braut". Die letztgenannte Dichtung sowie 
„Ruth", „Konrad von Marburg" und „Rachegeister" 
sind wiederholt ausgesührt worden. Ferner sind von L. 
Wolffs Büchern noch zu nennen: „Die Nation Goethes" 
und „Entstehung und Anfänge der Kolonie Friedrichsfeld 
in Hessen 1775". 
Dem Siebzigjährigen sind zahlreiche Beglückwün 
schungen zugegangen, für die er in folgender Zuschrift 
an das Kasseler Tageblatt seinen Dank ausgesprochen 
hat: 
„Beim siebzigsten Geburtstag ist es genau wie bei 
einer Leichenrede. Da werden. nur die guten Eigen 
schaften — es wäre schlimm, wenn man nicht auch solche 
hätte — hervorgesucht und herausgehoben. Alles Minder 
werte und Schattenhafte ist mit dem Mantel der christ 
lichen Liebe zugedeckt. Es ist aber schön, 70 Jahre zu 
werden — 17 freilich noch schöner. Allein man hat 
dann doch eine volle menschliche Lebensbahn zurück 
gelegt und braucht keine Unruhe zu hegen, ob man eine 
solche auch erfüllen wird. Wenn man so vom Gipfel 
-»• 
Personalien. 
Verliehen r 
Das Eiserne Krenz: 
1. Klaffe : Oberleutnant Karl Sepet, Sohn des 
Rentners Gottfr. Wegner zu Fulda, Beobachtungs 
offizier bei einer Fliegerabt. im Westen; Oberleutnant 
Walter Bruns aus Hanau (Jnf.-Rgt. 165); Unter 
ossizier Heinrich S ch m e r e r aus Seigertshausen. 
2. Klaffe: Heinrich Landsiedel aus Ransbach; 
Obergefreiter Gustav Krack aus Niederkalbach; Joh. 
G i s ch l e r aus Schnellrode; Schriftsetzer Friedrich 
R ü p p e l aus Kassel; Oberleutnant Gerichtsassessor 
Otto K o ch aus Eschwege; Unteroff. Heinr. Sachse 
aus Niederurf; Hesnrich K l e i m aus Gudensberg; 
und fremde. 
der „70" aus sein Leben zurückschaut, ist es merkwürdig, 
welche Umwertung aller inneren Werte und Begriffe 
da sich geltend macht. Das Leid und das Weh, was 
man alles durchgemacht hat, erscheint einem nun als 
das Köstlichste; denn es hat am meisten unseren inneren 
Besitz gemehrt! Hiergegen verblassen doch sämtliche 
Freuden, die man zu buchen hatte. Als der Weisheit 
letzte Schlüsse eines Siebzigers bin ich aber nun auf die 
beiden Binsenwahrheiten gekommen: „Dem Ganzen 
dienen" und „Sich selbst getreu bleiben". „Dem Ganzen 
dienen": es hat nie eine Zeit gegeben, die so wie die 
jetzige das als den wahren Segen des Lebens gelehrt 
hätte! „Sich selbst getreu bleiben": das ist einem ia 
nirgends so leicht gemacht, als hier in Hessen, wo alles 
um einen herum Treue atmet. — Nur wer sich selbst 
getreu bleibt, an dem wird der berühmte Ausspruch des 
„Steinklopserhans" wahr: Es kann dir nix geschehch'n! 
— Darum möchte ich mit diesen Worten den zahlreichen 
Gratulanten zur Lebensverdienstmedaille mit der Zahl 
„70", insbesondere denen aus Hessen und ganz beson 
ders aus dem lieben, alten Kassel, meinen innig emp 
fundenen Dank ausgedrückt haben als — wie mich 
gestern eine Königsberger Zeitung genannt hat — 
„herzgetreuer Kasselaner". L. Wolfs." 
Todesfälle. In Hanau verstarb am 16. Februar 
der Geh. Kommerzienrat Otto H o s s e im 73. Lebens 
jahre. Er war bis vor wenigen Jahren Inhaber der 
bekannten Rauchtabak- und Zigarrenfabrik P. C. Hoffe 
Wwe. Ein eifriger Förderer sozialer und gemeinnütziger 
Bestrebungen ist in ihm dahingegeschieden. 
In Köthen starb am 20. Februar der Bildhauer 
Professor Karl Begas, der von 1890—1896 als Lehrer 
an der König!. Kunstakademie in Kassel wirkte. Er ist 
der Schöpfer des von den Brüdern Wimmel gestifteten 
Denkmals am Wilhelmshöher Platz. 
Maire als Beinamen in Kurhessen. In 
Neustadt im Kreise Kirchhain ist dieser Tage der 70- 
jährige Landwirt Eifert gestorben, der den Beinamen 
Maire führte, mit dem sich eine hundertjährige geschicht 
liche Erinnerung verknüpft. Der Großvater des Ver 
storbenen, Peter Eifert, leitete als Bürgermeister die 
Geschicke des Städtchens in der Zeit der französischen 
Herrschaft von 1806—1813 und unterzeichnete damals 
alle Schriftstücke als „Maine de Neustadt“. Es ist bee 
merkenswert, daß auch die übrigen noch in Neustadt 
lebenden Verwandten Eiserts, die nicht dessen Familien 
namen führen, doch zur Erinnerung an den Bürger 
meister der westfälischen Zeit an dem Beinamen Maire 
sesthalten. 
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Ernst Weist aus Schwebda; Unterosf. Karl R u ck e r t 
aus Rosenthal; Leutnant H i tz e r o t h, Leutnant d. Res. 
Offenberg (Jägerbat. 11); Obergesreiter Georg 
G ü ck i n g aus Völkershausen; Heinrich Keil aus 
Unshausen; Gerichtsvollzieher Heinrich Freund aus 
Niederhülsa; Ernst Brötz aus Dohrenbach; Unter 
offizier Konrad W a l p e r, Alb. Hildebrand, Karl 
Rheinländer aus Oberrieden; Dietrich Hom 
burg aus Calden; Stabsarzt Dr. T ö l l e aus Flieden; 
Oberstabsarzt Dr. Merkel aus Schönstein; Emil 
Rommel aus Weidenbrunn; Ernst Fleischmann, 
Karl Weisheit aus Heßlar; Heinrich Grauß aus 
Neukirchen; Polizeisergeant Salomon aus Kirchhain; 
Sergeant Gustav Pohle aus Marburg; Wilhelm 
A p e l aus Wölfterode; Georg Winkel buch aus
	        

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