Full text: Hessenland (30.1916)

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Herzliche zu ihrem Geburtstage zu sagen; sie 
wird aber über ihre Nähterinnen und ein Stück 
chen Grippe, das ihr zugefallen ist, heut nicht dazu 
kommen, und länger möchte ich einen ungeduldigen 
Bräutigam nicht warten lassen mit der Belehrung 
über seine Heimat. 
Noch Eins! Cübieres sind geschieden; wohin 
Bella gehen wird, weiß man noch nicht, Bischof 
hausen soll bei der Nachricht erblaßt sein. Ich 
weiß nicht, wie empfänglich sein Herz für diese 
Bella-Donna ist. — Wie immer der Alte 
H. König. 
N. S. Bei meiner ehrlichen Gesinnung für Sie 
und Theilnahme an Ihrem Geschick darf ich es 
doch nicht sich von selbst verstehen lassen, daß 
ich und meine Frau Ihnen zu Ihrer doppelten 
Fixierung — der bürgerlichen und häuslichen, 
herzlichst Glück wünschen und uns zu der einen 
wie zur andern innig freuen. Könnten wir Ihnen, 
lieber Franz und Freund, aus unserer eignen Zu 
friedenheit eine Aussteuer heraus schneiden und 
wie einen weichen warmen Teppich zwischen Tisch 
und Pult ausbreiten. — Sie sagen. Sie hätten 
es aufgegeben Zufriedenheit zu finden. Wahrlich! 
Sie sind eben auf dem Wege zu diesem Fund; 
indem Sie anfangen einzusehen, daß Ihre Un 
zufriedenheit in Ihnen selbst, nicht am Wohnort 
und an den Nebenmenschen liegt. Lassen Sie, wie 
man es auf alten einfachen Bauernhäusern sieht, 
die Hauswurz Zufriedenheit zwischen den Ziegeln 
Ihres Daches unter Sonne und Regen ivachsen, 
und brechen Sie ein Blatt, so oft es Ihnen un 
wohl werden will! 
Minchen Thomas heirathet den Landrath v. Sp** 
Der lose Vogel hat an manchen jungen Stamm 
gepickt: ob er jetzt auf einen grünen Zweig kömmt, 
weiß ich nicht. Thomas ist immer ein Namen, der 
an einen Zweifler erinnert mit Fingern, die Alles — 
begreifen wollen! H. K. 
Bezeichnend für Koenig sind in diesem Briefe 
die eingeflochtenen Mitteilungen aus der Stadt 
chronik; die Freude am Wortwitz verleitet ihn, 
selbst gegen eine von ihm hochverehrte Familie 
wie die des Marquis de Cübieres sich kleiner Bos 
heiten nicht zu enthalten. Das Pultsche Lokal ist 
dasselbe, in dem am 21. 2. 1840 Dingelstedts 
verunglückter erster dramatischer Versuch „Das Ge 
spenst der Ehre" zur Aufführung gelangte. Der 
neue Roman, dessen Sendung Koenig ankündigt, 
führt die Aufschrift „Eine Fahrt nach Ostende" 
(Ein Stillleben II, 250). 
Frei von allen Mißklängen ist der dritte Brief 
Koenigs, den Dingelstedt laut seiner eigenhändigen 
Bemerkung am 15. 6 . 1855 dankend beantwortete; 
er lautet: 
Hanau im Mai 1855. 
Sie erhalten hierbei, mein verehrter Freund, 
vorbehaltlich zweier nachfolgenden Bände, den ersten 
meines neuen Romans mit herzlichem Gruß. 
Ich bilde mir ein. Sie hätten ein dreifaches 
Interesse bei diesem neuen Versuche. Einmal inter- 
essirt Sie derStoff, mit dem Sie sich iu früheren 
kurhessischen Jahren beschäftigt haben, und können 
sehen, wieviel weniger ich vielleicht, als Sie, davon 
weiß. Zlveitens interessirt Sie die Fassung im 
Vergleich mit der Idee die Sie damals für Ihre 
Arbeit genommen hatten. Aus der Probe die 
Oetker in 1848 von dem Anfang Ihrer Arbeit 
gegeben, erinnere ich mich, daß Sie schon die 
Genesis Ihres Projects anders genommen hatten. 
Und drittens nehmen. Sie gewiß noch an dem 
Autor, dem alten Fuldaer Mitgenossen stiller 
Stunden, soviel Antheil, um zu sehen, was er in 
seiner Einsiedelei treibt und zu Stande bringt. 
Vielleicht spielt ihm die Abstinenz von allem flotten 
'Leben wozu ihn die Rücksichten auf sein körper 
liches Befinden verurtheilen, den Possen, sich auch 
in seinem poetischen Schaffen zu verrathen. 
Sie haben, seit wir uns in München gesehen, 
glänzende, rühmliche Tage gelebt. Ihrem öffent 
lichen Erscheinen bin ich aus der Ferne mit Freuden 
gefolgt und hoffe, daß Sie sich an jedem Abend 
und Morgen gleich beglückt in ihrem häuslichen 
Kreise empfunden haben. Ihre Jugend wächst wohl 
fröhlich heran, und hat sich seit Caustadt, wo wir 
sie zuerst und zuletzt gesehen, rechtschaffen gestreckt. 
Der Vater flügelmannt ihnen ja prächtig vor. 
Käme ich dazu, nächsten Sommer, wie mein Arzt 
wünscht, noch einmal Gastein zu besuchen: so würde 
es mich glücklich machen, etwas von meinen Ver 
muthungen in blühender Bestätigung zu finden. 
Seien Sie für diesmal auf's herzlichste gegrüßt, 
und bringen mich Ihrer verehrten Dame in freund 
liche Erinnerung! Meine Wohlwollenden in Mün 
chen kennen Sie. Ich rechne besonders auch Geibel, 
Carriere und sogar den hochverehrten Scheide- 
künstler dazu, der so viel Treffliche und Treff 
liches vereinigt. Meine allerbesten Grüße an 
alle. 
Und zum Schluß will meine Frau, die Ihnen 
noch von Fulda her gut und für das Gedicht 
beim Tod ihres Knaben unendlich dankbar ist, 
noch in Ihr altes Wohlwollen zurückgerufen sein. 
Mit alter treuer Gesinnung H. Koenig. 
Zur Erklärung des Inhaltes sei folgendes be 
merkt: Dingelstedt trug sich, wie uns Rodenberg 
in den „Heimatherinnerungen an Franz Dingel 
stedt und Friedrich Oetker", Seite 137, erzählt, 
bis an sein Lebensende mit derp Plane eines in 
der westfälischen Zeit spielenden Hessen-Romanes,
	        

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