Full text: Hessenland (30.1916)

alten, unverständlich gewordenen Flurnamens bien 
bzw. böen zur lautlichen und begrifflichen An 
lehnung an ahd. 6er piugo, mhd. der biuc „Bie 
gung, Krümmung". Daß die lautliche und begriff 
liche Umdeutung schon früh eingetreten sein muß, 
beweist neben den oben angeführten Belegen Byege, 
Byge u. a. eine Urkunde aus 1374: by dem Byegin 
und uff dem Biegen und aus 1437 13 ): alle sine 
auwen, biegen und werden, in der biege eine 
Insel oder Halbinsel, von einer Flußkrümmung 
eingeschlossenes Gelände, bezeichnet. 
Wie aus Bien über mundartliches Bijen schrift 
sprachlich Biegen wurde, so konnte aus Böen über 
Bozen jchristsprachlich Bogen (ahd. bogo, mhd. 
böge) werden, das wir wahrscheinlich in Flur 
namen wie am Bogen, am brummen Ellenbogen, 
Katzenellenbogen, der Bogenbruch, das Bogen 
stück haben. Da der Boden der mit Bien oder 
Böen benannten Fluren meist sumpfig oder naß 
ist wie z. B. bei dem sehr nassen Böen in Großen 
taft, Kr. Hünfeld, dürste sich Bogenbrück als eine 
tautologische Bildung erklären lassen im Gegensatz 
zu Haas"), der es zu ahd. bogo „Bogen, Um 
kreis" stellt. 
Ob sich auch der Marburger Lokalname am 
Krummbogen als eine tautologische Bildung deuten 
", Zeitschr. f. Hess. Gesch. u. Ldsk. 39, 182 u. 188. und 
Crecelius, Obcrhessisches Wörterbuch I. 159. 
", Fuldaer Gesch-Bl. 1914, S. 71. 
43" 
Emil c . 
Als Emil Jacob! in den siegreichen Sommer 
tagen vorigen Jahres, damals, als uilscre tapferen 
Heere die Russen vor sich her jagten, von der 
Rampe des Ehrenhofes des Rathauses herab seine 
von hoher vaterländischer Begeisterung und Sieges 
zuversicht erfüllte Ansprache an die Kasseler 
Bürgerschaft — diese mit sich fortreißend — hielt, 
da durfte er noch mit seinem „Dietmeller Gau 
grafen Eggo" sagen: „Bin ich doch in besten 
Jahren, um noch lange Spanne im Männerschritt 
zu messen". Ja, als ihn zu Pfingsten dieses 
Jahres sein „Fuß, der wanderfrohe" mit Freunden 
zur Höhe des Habichtswaldes emportrug, kam ihm 
trotz beginnender Krankheit wohl nimmer der Ge 
danke, daß er nie wieder von der Bergeshöhe aus 
das von ihm so heiß geliebte und besungene Kassel 
und aufs lachende Fuldatal hinabschauen würde. 
Nur 5 Wochen später, in der Frühe des 17. Juli 
riß der Tod Emil Jacobi infolge einer seines Gal- 
lenstcinleidens wegen nötig gewordenen Operation 
im besten Alter, im 49. Jahre, mitten aus dem 
reichen Leben heraus. 
Schlicht und einfach ist der Lauf seines äußeren 
Lebens, der nun abgeschlossen ist. In Küllstedt 
auf dem oberen Eichsseld geboren, verlor er schon 
läßt, mit andern Worten, ob das Grundwort iden 
tisch mit Biegen ist, bleibt wegen der Schreibung 
Ommewach (Marburger Urkunde vom 30. Juni 
1284) ungewiß. Denn -wach, das sich als Grund 
wort oft mundartlich für -hach findet, weist eher 
auf den Flurnamen Ommbach, Krombach, Grum- 
bach, ma. Gromich, Krommich, Kromewäck. 15 ) 
Die Deutung Vilmars als krumme wäc („ge 
krümmtes Wasser") ist jedenfalls nicht mehr haltbar. 
Es ist vielmehr daran festzuhalten, daß der Name 
Krummbogen eine vvlksetyinologifche Umdeutung 
enthält, die wahrscheinlich durch die Lokalbezeich- 
nung am Biegen beeinflußt worden ist, da Biegen 
und Bogen oft als gleichbedeutend empfunden 
werden. 
Sv führt uns der Flurname am Biegen in die 
Zeit der ersten Besiedlung der Marburger Ge 
markung zurück, in die Zeit des Aufkommens von 
sog. Herrengut oder Privatbesitz neben dem der 
Gemeinheit zustehendem Besitz (Allmende). Da 
die um Marburg gelegene Feldmark (Äcker und 
Wiesen) landgräslich hessisches Familiengnt (sog. 
Hofgut) war, werden wir vielleicht in der An 
nahme nicht fehlgehen, daß das mit am Biegen 
bezeichnete Gelände landgräsliches Eigentum bildete, 
welches der Benutzung durch andere verschlossen war. 
") Fuldaer Gesch.-Bl. 1913. S. 187. Buck, Oberd. 
Flurnamenbuch S. 147. 
icobi f. 
früh Vater und Mutter und kam dann zum Be 
suche der Präparandenschule nach Fritzlar. Seit 
dem ist er im Hessenlande, das ihm ganz zur 
zweiten Heimat wurde, geblieben. Welchen nach 
haltigen Eindruck das alte Fritzlar mit seinen 
lebendigen Erinnerungen an das Wirken des 
Apostels der Deutschen, des großen Bonifatius, 
dort und an dem umreit davon gelegenen uralten 
Mattium auf das empfängliche Jünglingsgemüi 
gemacht hat, spiegelt sich deutlich in dem Drama 
„Heimkehr" wieder. Von dort kam er auf das 
Seminar in Fulda. Hier, wo nach dem Wunsche 
des Apostels seine Gebeine ruhen, werden die in 
Fritzlar gewonnenen Eindrücke eine der wachsenden 
Reife des begabten Seminaristen entsprechende Ver 
tiefung erfahren haben. Nachdem Jacobi zuerst in 
Petersberg und später in Horas als Lehrer tätig 
geloesen war, wurde er 1892 an der Bürgerschule 9 
in Kassel angestellt. Nach Ablegung der Mittel- 
sehnllehrer- und Rektoratsprüfung wurde er zu 
nächst Hauptlehrer und dann Rektor an der Bürger 
schule 10. Das Amt hat er segensreich verwaltet, 
bis ihm der frühe Tod die Augen schloß. Viel 
zu früh für die Gattin und die beiden Töchter, 
zu früh für die zahlreichen Freunde wie für die
	        

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