Full text: Hessenland (30.1916)

226 §«5^ 
Gem. Haubern, der Biegenkern Gem. Schiffelbach, 
die Bügen Gem. Anzefahr, desgl. Gem. Betzies 
dorf, der Biegen Gem. Elnhausen, die Biegen 
Gem. Kirchvers, die Bugen Gem. Lohra, der Bücken 
Gem. Münchhausen, roter Bügel (?) Gem. Unter 
rosphe, in der Biegellache ebenda, im Biegen, 
am Biegenbaum, über der Büche Gem. Göttingen, 
im Biegh Gem. Warzenbach, in der Biegerswiese 
und in der Büchmerswiese (< Büchenbergs 
wiese) Gem. Wollmar, die Biege Gem. Meisen 
bach (Kr. Hünfeld), in den Büchen Gem. Rüdig 
heim; aus der Grafschaft Schlitz 6 ): underm 
Biegenberge (1584), heute Biegenberg, ma. 
Bejebääk, am Biegenrain (1584), heute am 
Biegenrain, ma. Bejerai“, Gem. Hartershausen, 
im Biegen (1584), heute in den Bögen, ma. 
in de Bäije, der Bögenrain, ma. Bäijerai, Gem. 
Oueck, in Biegenn (1584), heute auf den Bögen, 
ma. in Bäije, Wiesen an der Fuldakrümmung, 
das Bäijeliidche, ein Hang an den Wiesen, Gem. 
Sandlofs, underm Biegenrain (1584), heute am 
Biegenrain 6 ), ma. am Bäjerai, Gem. Ullershausen, 
im Biegen (1584), heute am Beeche, ma. om 
Bäiche Gem. Willofs, Biegenberg, ma Bijebääk, 
Gräflich Görtzischer Wald usw.; aus Nassau'): 
Biege, Biegei, Biegelhohl, Biegeis, Beug, Beugen, 
Beugwies; aus Thüringen 8 ): das Bögenfeld, 
1641 die Biegen, ma. d’s Beinfalld Gem.Großen- 
behringen, im Bügen, 1346 uf der Byge, ma. 
em Bejen Gem. Remstädt, in der byge (1648) 
Gem. Uelleben, die Beigen, ma. d’Bei’n, Flur 
Wangenheim, in der Biegen, ma. in Bein Gem. 
Hohenkirchen, die Biegen, der stark gekrümmte 
Teil der Lauchaer Straße unter der Lauchaer Höhe, 
Gem. Waltershausen, die Biegau Gem. Grafen- 
tonna, Biegen, ma. i der Biägen Gem. Wernings 
hausen usw. 
Ferner muß auffallen, daß die älteren Belege 
den Flurnamen vorwiegend in der weiblichen Form 
wiedergeben: uf der Byge (1346), in der Biegen, 
i der Biägen, die grosse und kleine Biechen, 
die Biegen, die Bügen, während ahd. der piugo, 
mhd. der biuc (neben seltnerem die hinge) vor 
herrscht. Auch die Schreibung Bügen, die von 
Vilmar als unrichtig hingestellt wird, will nicht 
recht zu piugo passen, ebensowenig wie die Schrei 
bung Bögen. 
Da es sich um einen älteren Flurnamen (677 
Byege, 1051 Byge, 1323 in den bigen, 1305 
°) Hotz, Die Flurnamen der Grafschaft Schlitz S. 17, 
29, 37, 41, 43, 50, 63. 64. 
°) An einer starken Straßenkrvmmung gelegen. 
’) Kehrein a. a. O. S. 334. 344 
G e r b i n g, Die Flurnamen des Herzogtums Gotha 
(Jena 1910) S. 13. 32, 142, 184, 223, 311. 403. 
locus dicfus bygen) handelt- fehlt ihm die kon 
krete Sinnlichkeit, die sonst diesen Namen anhaftet, 
denn es ist unwahrscheinlich, daß man in alter 
Zeit ein Grundstück nach einer zufälligen Eigen 
schaft benannt hat. Es ist vielmehr die Annahme 
berechtigt, daß in diesem Namen ein Appellativum 
enthalten ist, das früh unverständlich und volks 
etymologisch umgedeutet worden ist. 
Den Schlüssel ;u des Rätsels Lösung liefern 
uns die mundartlichen Überlieferungen d'Bei'n, 
in BÄn, d's Beinfalld, die, weil von Mund zu 
Mmld fortgepflanzt, imnier das sicherste Kriterium 
der Ursprünglichkeit in sich schließen. Wie hoch 
deutsch Spiegel in der rheinfränkischen Mundart 
sbii»l lautet, wie der Ortsname Hermannspiegel 
bei Hersfeld im Volksmund Harrnssbiisl heißt, 
ähnlich wird ma. biisn schriftsprachlich zu Biegen, 
ma. dein zu Bogen, ma. büsn zu Bügen, ma. 
bösn oder dosn zu Bögen oder Bogen (ahd. böge, 
mhd. böge „Bogen, Biegung"). Ähnliches läßt sich 
auch auf niederdeutschem Sprachboden beobachten. 
So finden wir in lippischen Flurnamen 9 ) Spiegel 
brink neben Spielbrink, Büggel neben Bühl 10 ), 
Wiggenhagen (1721) neben Wienhagen, Wig- 
gengründe neben Wiengründe, d.h. Weidegründe, 
Biggenberg neben Bienberg. So ist auch der 
Bieberg östlich von Lemgo, 1322 Byberg, identisch 
mit dem Namen des an ihm vorbeifließenden Ge 
wässers, der Bega, die von Preuß a. a. O. S. 26 
als das sich biegende Wasser gedeutet wird. 
Dieses Wort bien oder bein, das sich noch in 
Flurnamen wie Bienacker, Bienberg (auch Biede- 
berg), Biengarten, Bienstrut, Bienstück, Bien 
weg (meist Biedenweg), Bienbach (meist Biebach, 
Biedenbach, Beyebach), Bienfeld (meist Bieden- 
feld) erhalten hat, ist in Wirklichkeit ahd. biunda, 
pinnt, pennt, mhd. biunt, bünt, bünde, beunt 
„Privatgrundstück im Gegensatz zum Gemeinde 
besitz", das sich mundartlich als Beunde, Bünde, 
Bien, Bein, ßain, Beun, Boin 11 ), Böen 11 ), Bun, 
Bün, Bon, meist entsprechend umgedeutet, in zahl 
losen Flurnamen findet 19 ), in der Regel als Gegen 
satz zu einem aus Allmend umgedeuteten Namen. 
Da die mit bien bezeichneten Grundstücke ojt 
Uferwiefen waren, die sich an der Biegung eines 
Gewässers hinzogen, führte der Gleichklang des 
'1 Preuß, Lippische Flurnamen (Detmold 1893) S. 27. 
28, 158. 159. 
'*) Vgl. dazu hochd. bühl (ahd. bnhil), ma. BiM und 
Bi(j)»l. 
") z. B. die Beunde, Anhöhe bei Nidda, die Beine 
Gem. Roßdorf, der Boineacker Gem. Holzhausen (Kr. 
Kirchhain), das Böen Gem. Großentaft, im Bö an einer 
Biegung der Hanne in der Gemarkung Rothenkirchen, das 
Böe, eine Haune > Halbinsel in der Gemarkung Rückers. 
"1 Vgl. dazu .Hessenlaud" 1916 S. 85 f.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.