Full text: Hessenland (30.1916)

schrift Im Jahr 1816 u. 1817. | war die Theurung | 
so gros das in Cassel | ein Viert: Weitz: 14 Rh 
Kost: | Korn 12 drei Röschen | Gerste 8 drei 
Röschen | Hafer 5 1/2 zwei Röschen | eine Metze 
Kartfl: 8 alb | ein Pf. Brod 1 alb 8 hlr | ein 
Pf. Butter 12 = Außerhalb des Rings 24 Rös 
chen ringsum. 
Rückseite: Auf einer Kugel steht die Figur der 
Fortuna mit einem fliegenden Mantel. Oben 
darüber Nach Regen folgt Sonnenschein. Im 
Durchmesser in zwei Reihen durch Fortuna unter 
brochen Beiden — u Freuden | Alles körnt — 
vom Herrn 
Es ist gewiß für uns von Wert, die hier an 
gegebenen damaligen Teuernngspreise in heutige 
Münzen, Maße und Gewichte umzurechnen. Nach 
dem Nelkenbrecherschcn Taschenbuch von 1817 hielt 
ein Kasseler Viertel 160,476 Liter, und da nach 
einer noch zu erwähnenden Angabe ein Liter 
Weizen oder Korn 0,672 Kilograinm wiegt, so 
hat also ein Viertel Weizen oder Korn 107,840 
Kilogramm Gewicht. — Da damals in Kassel 16 
Reichstaler auf die feine Mark von 233,855 Gramin 
gingen, so enthielt der Reichstaler 14,616 Gramm 
Silber, was einem heutigen Münzwcrt von 2,92 
Mark entspricht. Danach waren 14 Taler = 
40,88 Mark, 12 Taler = 35,04 Mark. Somit 
kosteten 107,840 Kilogramm Weizen 40,88 Mark, 
Korn 35,04 Mark, d. h. die Tonne Weizen 
379,08 Mark, Korn 324,93 M a r k. Das wäre 
etwa das 11/2 fache der heutigen Höchstpreise! 
Da ein Liter Gerste 0,649 Kilogramm wiegt, 
so hat ein Viertel Gerste 104,149 Kilogramm 
Gewicht und kostete 8 Taler = 23,36 Mark, also 
die Tonne G er st e 224,29 Mark. 
Für Hafer ergibt sich entsprechend: ein Liter 
0,455 Kilogramm, ein Viertel 73,017 Kilogramm, 
Preis 51/2 Taler — 16,06 Mark, die Tonne 
Hafer 219,95 Mark. 
Für weitere Kreise noch wertvoller ist eine 
Vergleichung der damaligen Preise von Kartoffeln, 
Brot und Butter mit den heutigen. Die Kasseler 
Metze hatte als 16. Teil des Viertels 10,030 Liter, 
was etwa 11 Kilogramm Kartoffeln betragen mag, 
und diese kosteten 8 Albus = 0,73 Mark. Danach 
kostete der Zentner Kartoffeln 3,32 
Mark, fast soviel wie heute. 
Das Kasseler Pfund hatte 484,244 Gramm, und 
ein Pfund Brot kostete 12/3 Albus, das ergibt für 
das heutige Pfund Brot 15,7 Pfennig, 
wiederum fast den heutigen Preis. 
Das Pfund Butter endlich zu 12 Albus ergibt 
für das heutige Pfund Butter 1,13 Mark, 
was nach heutigen Begriffen ein sehr niedriger 
Preis wäre. 
Eine zweite Denkmünze gibt die Preise von 
Fulda an, sie betreffen aber nur Getreide und 
Kartoffeln. Die Hoffmeistersche Beschreibung (Nr. 
2820) dieser ebenso großen Zinnmünzc lautet: 
Vorderseite: In einem Ringe ein unten und 
oben zugespitzter bannerartiger, der Länge nach 
geteilter Schild mit dem fuldischen Pfahlkreuz im 
rechten und mit den sogenannten Snlpiciuszwcigen 
im linken Felde. Inschrift über diesem Schilde 
und zu dessen Seiten DER | GROSSEN | THEUE 
RUNG | IN FULDA VOM IAHE 11816 — 1817. 
Umschrift innerhalb des Ringes 1. MAS. KAR 
TOFFEL 1 FL 24 X Umschrift außerhalb des 
Ringes l.M. GERSTEN 29 FL. 1. M. HAFER 
16 FL 1 MLTR KORN 34 FL. 1 M. WAITZEN 
45 FL. Am Rande geperlt. 
Rückseite: In einen: Ringe steht eine weibliche 
Figur und hält in der Linken ein hohes ausgerich 
tetes Kreuz, in der Rechten einen Palm- und einen 
Ölzweig, während vor ihr auf einem Altar ein 
Laib Brot liegt. Der Altar trägt an seiner vor 
deren Fläche die vertiefte Inschrift BROD | UND | 
FRIED Unten int Abschnitt der Münzfläche I. D. 
(Joseph Templer, Stempelschneider zu Fulda.) 
Umschrift außerhalb des Ringes HERR! WEND 
AB DIE HUNGERSNOTH GIB UNS UNSER 
TÄGLICH BROD Am Rande geperlt. 
Es ist wohl anzunehmen, daß nicht nur Mltr., 
sondern auch M. bei den Getreideangaben eine 
Abkürzung für Malter ist. Nach Nelkenbrecher ist 
ein Fuldaischcr Malter soviel wie 176,178 Liter, 
das wäre also 10°/o mehr als ein Kasseler Viertel, 
und es soll ein Malter bei Weizen und Korn, 
gestrichen, 232 (Nürnberger) Pfund (zu 510,340 
Gramm), bei Gerste 224 Pfund und bei Hafer 
157 Pfund wiegen. Nach diesen Angaben habe ich 
die oben angegebenen Gewichtszahlen für je ein 
Liter der vier Getreidesorten berechnet. — In 
Fulda gingen 24 Gulden (zu 60 Kreuzern) auf 
die feine Mark, daher war der Gulden nach 
heutigem Gelde 1,95 Mark. Sind diese Angaben 
richtig, so findet man bei Umrechnung obiger Preise 
erheblich höhere Werte für Fulda als für Kassel, 
nämlich als Tonnenpreis für Weizen 741,13 Mark, 
für Korn 559,96 Mark, für Gerste 494,68 Mark, 
für Hafer 389,40 Mark. Sie sind fast doppelt 
so hoch als jene. 
1 Maß ist i/s Malter oder 22,022 Liter, etwas 
mehr als 2 Kasseler Metzen. 1 Maß Kartoffeln 
dürfte also etwa 25 Kilogramm wiegen. Als Preis 
ist I2/5 Gulden = 2,73 Mark angegeben. Danach 
hätte der Zentner Kartoffeln 5,46 Mark gekostet! 
Alle diese Fulda betreffenden Preise sind so 
auffällig hoch im Vergleich zu den gleichzeitigen 
von Kassel, daß man an irgend einen Irrtum,
	        

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