Full text: Hessenland (30.1916)

abgetreppt und aus dem Steinkörper wächst schließ 
lich ein kurzer, abgeschrägter Schaft heraus, der 
mit einem Kirauf endigt. Ohne unmittelbare äußer 
liche Beziehung zum Thema — denn das kleine 
eiserne Kreuz unten am Schriftseld ist nichts mehr 
als ein unbetonter Schlußpunkt — stellt sich das 
Werk als ein Gebilde von ungemein ernster, strafser 
und sicherer Haltung dar — zweifellos schon allein 
dadurch ein rechter Denkstein für ein Soldatengrab. 
Unter den Ankäufen befindet sich ein schöner 
„Hessenstein" der Bildhauerin Eugenie Lange- 
Melsungen, ein mehrkantiger, oben abgeschrägter 
Steinbalken, der als Bekrönung den in einem 
ovalen Rahmen gestellten eisernen Hessenlöwen 
trägt. Das Löwenmotiv kehrt wieder auf einem 
sehr ausdrucksvollen wuchtigen Stcinkreuz; wäh 
rend der ganze Längsbalkcn als Schriftfeld dient, 
schmücken den Querbalken zur Linken und zur 
Rechten zwei einem Wappen entsteigende schwert- 
tragende Löwen ans vergoldetem Gußeisen. Die 
Lösung der gestellten Aufgabe ist mehrfach auch 
mit einfachen Schrifttafeln versucht worden. Es 
waren darunter einige vorzügliche Leistungen, 
Steinplatten von ernsten, würdigen Umrissen und 
mit charaktervoller, mustergiltig auf der Fläche an- 
Die Teuerung von 1816 
Bon P. W e i n n 
Die Jahrhundertgedächtnistage, die den Befrei 
ungskriegen galten, sind vorüber, der Krieg der 
Gegenwart übertönte zuletzt die Erinnerung an 
die große Zeit voir damals, weil unsere Zeit 
noch größer ist. Aber in ruhigen Stunden ge 
denken tvir doch gelegentlich rückschauend der Tage 
vor hundert Jahren und sind dann wohl zum 
Vergleichen geneigt. Und so soll uns die jetzige 
Steigerung der Lebensmittelpreise auch zu einem 
Rückblick auf die Teuerung von 1816 Anlaß geben, 
unter der nicht bloß Hessen, sondern ganz Deutsch 
land zu leiden hatte. 
Nicht der Krieg war wie jetzt die Ursache jener 
Teuerung, er war zu Ende gegangen, und wenn 
sich auch wohl noch Folgen der schweren Zeiten 
zeigten, so hatte der Krieg doch zum Siege ge 
führt, und geordnete Verhältnisse waren wieder 
eingetreten. Eine zumal noch in Hessen vorhandene 
Notlage hätte überwunden werden können, wenn 
nicht im Jahre 1816 ein fast fortdauernder Regen 
die Ernte gänzlich oder wenigstens teilweise ver 
nichtet hätte. So rief der Mißwachs fast in ganz 
Deutschland eine Teuerung hervor. Landesfürst 
und Volk wetteiferten in Maßregeln zur Linde 
rung der allgemeinen Not. Der Kurfürst ließ Not 
geordneter Schrift. Gering an Zahl waren die ein 
gelieferten reinen Eisenarbeiten und darunter nur 
ein künstlerisch reifes Werk, dessen Stil meisterlich 
aus der Technik des Materials entwickelt war: ein 
von niedrigem Sockel aufsteigendes Schwert mit 
vergoldetem Strahlenkranz. Daß — ganz ab 
gesehen von den preisgekrönten — auch die übrigen 
guten und besten Arbeiten, die aus dem Wett 
bewerb hervorgegangen sind, unverkennbar einen 
Zusammenhang mit der nämlichen Kasseler Bild 
hauerschule aufwiesen, mag zum Schluß nicht un 
erwähnt bleiben. 
Der Gewerbehalle fällt nun die Aufgabe zu, das 
an erster Stelle gewürdigte Modell in Knrhesscn 
allgemein zu verbreiten. Auf die Ausführung des 
Denkmals behält sie einen weitgehenden Einfluß, 
indem sie den Schmuck, die eiserne Krone, her 
stellen läßt ünd Bildhauern und Steinmetzen kosten 
los die Werkzeichnung zur Versügung stellt. Un 
entgeltlich werden ferner für jeden einzelnen Stein 
von der Knnstgewerbeschule die jeweils erforder 
lichen Inschriften gezeichnet. Bei der Wichtigkeit 
einer guten Beschriftung wird mit diesem Vorgehen 
auch ein Stück kunsterzieherischer Arbeit für das 
Handwerk geleistet. 
in hessischen Denkmünzen. 
leister, Leipzig. 
speicher errichten, aus denen Frucht zu mäßigeren 
Preisen abgegeben wurde, er spendete Geld zur 
Errichtung von Suppenanstalten und ließ aus den 
getreidereichen Ländern der Ostsee Korn kommen; 
auch der Plan zum Baue der Kattenburg entsprang 
der wohlwollenden Absicht, Arbeitslosen Unter 
halt zu verschaffen. Vielfach bildeten sich überdies 
Vereine zur Unterstützung von Bedürftigen. Durch 
alles dies wurde die Not zwar gelindert, aber 
natürlich nicht ganz beseitigt; die Teuerung hielt 
an und dauerte bis in das nächste Jahr hinein, 
in dem dann ein gutes Wachstum Anlaß zu 
einem frohen Erntefest wurde. In Kassel wurde 
dieses im Herbst 1817 mit einem Einzug ge 
schmückter Erntewagen gefeiert und gestaltete sich, 
wie auch anderwärts, zu einem aufrichtigen Dankes 
fest. 
Im wahren Sinne des Wortes unvergängliche 
Erinnerungen an die Teuerung von 1816 in Hessen 
haben wir in einigen Denkmünzen. Zunächst gibt 
es einen Zinnguß von 56 mm Durchmesser, der 
sich auf Kassel bezieht. Hoffmeister beschreibt ihn 
(Nr. 2819) folgendermaßen: 
Vorderseite: In einem feinen Ring oben das 
umstrahlte Auge Gottes, darunter mit Schreib-
	        

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