Full text: Hessenland (29.1915)

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Acht junge Burschen hoben den kahlen Sarg 
auf ihre Schultern. Auch das Bahrtuch war nicht 
zugestanden worden. 
Als das Trauerhaus die verwaiste Kinderschar 
hinter dem Sarge her ausschüttete, bekam jedes 
Herz einen Riß. Die Mutter blieb daheim, weil 
das so Sitte im Grte war. Aber auch der Hankurt 
fehlte. Aller Augen spähten nach ihm, keiner 
wußte, was ihn fernhielt. 
Abseits von den ehrlich Gestorbenen, nahe der 
dichten Taxushecke hatte man das Grab bereitet. 
Der Pfarrer rührte nicht an seinen Tod. Er 
sprach nur von Geheimnissen, die ein Menschen 
herz hütet, die nur Gott kennt. Und vom Leben 
des Verblichenen sprach er, vom Leben. Von 
seinem Dienste, den er dem Vaterlande geleistet, 
von seinem Fleiß und seiner Arbeitskraft, damit 
er den Seinen gedient. 
Das war für viele, die auf eine Verdammung 
gewartet, eine große Enttäuschung. Dann hob 
der Pfarrer die Hände zum Gebet. Die Bretter 
unter dem Sarge schwanden, der Schoß der Erde 
nahm ihn hin. 
Da — in den heiligen Augenblick knallte aus 
unmittelbarer Nähe ein Schuß, der die Menge 
erbeben ließ. Und noch einer. Und ein dritter. 
Ehe man sich Rechenschaft geben konnte, woher 
das gekommen, schwebte über der Hecke wie von 
unsichtbarer Hand gehalten eine Fahne, die Krieger- 
fahne. Dreimal schwang sie sich über der Gruft 
hin und her und schwand. 
Der ungeahnten feierlichen Handlung folgte lautes 
Schluchzen, das auch den Härtesten mitriß. 
„Der Hankurt, der Hankurt", ging's flüsternd 
von Mund zu Mund, obwohl ihn keiner gesehn. 
Als Karl Witts Kleinen heimkamen, erzählten 
sie der Mutter mit leuchtenden Augen von dem 
lauten Knall, der sie am Grabe ihres Vaters 
durchbebt, und von der Fahne, die über die Hecke 
gekommen, und lächelten dabei. — 
45=-«' 
Kriegsminister Wild von Hohenborn. 
Generalleutnant Adolf Wild von Hohenborn. 
Die durch die Jahrhunderte bewährte militärische 
Tüchtigkeit der Hessen, die auch im gegenwärtigen 
Kriege wieder unvergleichbare Lorbeeren an die 
Fahnen der einstigen kurhessischen Stammregimenter 
hefteten, bekundet sich auch darin, daß immer 
wieder geborene Hessen in bevorzugte militärische 
Stellungen gelangen. Wie der vorletzte preußische 
Kriegsminister Josias v. Heeringen, entstammt 
auch der neue Kriegsminister W i l d v o n H o h c n- 
b o r n einer Kasseler Familie. 
Adolf Wild von Hohenborn wurde in Kassel als 
Sohn des Obermedizinalassessors vr. Wild, des 
Besitzers der damals noch in der Marktgasse 21 
(zweites Haus unter der Schützenhalle) gelegenen 
Sonnenapotheke, geboren. 1883 trat er als Fahnen 
junker in das Infanterieregiment Nr. 83 ein, be 
suchte die Kriegsakademie und wurde 1898 als 
Generalstabsoffizier der ersten Garde-Jnfanterie- 
Division dem Generalstab der Armee überwiesen, 
war auch Gouverneur des Prinzen Eitel Friedrich 
von Preußen während dessen Bonner Studienzeit. 
Er war dann Abteilungschef im Großen General 
stab und später Chef des Generalstabs des 13. 
Armeekorps. Sodann wurde er Kommandeur des 
badischen Grenadierregiments Kaiser Wilhelm I. 
und 1910 des 3. Garde - Grenadier - Regiments 
Königin Elisabeth. 1912 erhielt er als General 
major die dritte Garde-Jnfanterie-Brigade. Im 
gegenwärtigen Krieg führte er eine Zeitlang eine 
in Flandern kämpfende Division. Seit dem 27. No 
vember 1914 stand er als Generalquartiermeister 
im Felde und wurde am 21. Januar 1915, nach 
dem Kriegsminister und Chef des Generalstabes 
des Feldheeres von Falkenhayn auf sein Ansuchen 
von der Stellung als Kriegsminister enthoben war,
        

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