Full text: Hessenland (29.1915)

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Heinrich Giebel. Am 1. November feiert unser 
bekannter hessischer Künstler .Heinrich Giebel seinen 
50. Geburtstag. Wie er persönlich ein echter Hesse vom 
Scheitel bis zur Sohle ist, so wurzelt auch seine Kunst 
durchaus im Heimatboden und Heimatvolk. Die Aus 
stellung, die er vor wenigen Monaten gemeinsam mit 
seinem Willingshäuser Freunde und Kunstgenossen Her 
mann Kätelhön in Kassel veranstaltete, hat uns Gelegen 
heit gegeben, uns davon zu überzeugen. Heinrich Giebel 
ist am 1. November 1865 in Kassel geboren. Er 
studierte an der dortigen Akademie unter Kolitz, Knack 
fuß und Wünnenberg. Bon 1808 ab lebte er behufs 
weiterer Ausbildung in München, seit 1904 ist er in 
Marburg tätig, schaffend und lehrend. Im Nebenamt 
macht er sich als Konservator der Sammlung des Mar- 
burger Geschichtsvereins höchst verdient und seit einigen 
Jahren wirkt er auch als Lehrer für Zeichnen und 
Malen an der Universität. — Bon seinen Bildern, in 
denen er unser Hessenland — Landschaft wie Menschen — 
so gemütvoll darstellt, haben mehrere Galerien, z. B. 
Essen, Kassel bereits Stücke erworben. Besonders hervor 
zuheben ist, daß sich Giebel auch als Porträtmaler großer 
Wertschätzung erfreut. — Möge es dem tüchtigen Künst 
ler und biederen Landsmann, auf den unser Heimatland 
mit Recht stolz ist, noch lange Jahre vergönnt sein, in 
frischer Kraft zu wirken und zu schaffen! 
Todesfälle. Am. 3. Oktober starb zu Eschwege 
an den Folgen eines Schlaganfalls im 60. Lebensjahre 
der in weiteren Kreisen bekannte und geschätzte Leder 
fabrikant und Stadtrat Rudolf Döhle. Lange Jahre 
Mitinhaber der Firma Carl Döhle, gründete er vor 
Jahren eine eigene Lederfabrik. Durch das Vertrauen 
seiner Mitbürger wurde er in die Stadtverordneten 
versammlung und später in den Magistrat, dem er jetzt 
noch angehörte, gewählt. Seine reiche Erfahrung und 
seine große Arbeitskraft stellte er nicht allein in den 
Dienst der Stadtverwaltung, sondern auch für die Ge 
schichte der Stadt Eschwege und des Hessenlandes hatte 
er das lebhafteste Interesse. Um die Errichtung und die 
Erweiterung des hiesigen Heimatmuseums machte 
er sich sehr verdient. Auf den Jahresversammlungen 
des „Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde" 
war er eine gern gesehene und wohlbekannte Persönlich 
keit. Für alle gemeinnützigen Bestrebungen hatte er stets 
eine offene Hand. Sein früher Tod wird darum in der 
ganzen Bürgerschaft aufs lebhafteste bedauert. 
B i e r w i r t h. 
Am 12. Oktober verschied zu Kassel der Großkaufmann 
Wilhelm Schoppach im Alter von. 67 Jahren. Er 
gehörte den städtischen Körperschaften seit 1889 an und 
ivar seit 11 Jahren Mitglied des Magistrats. Für das 
Wohl der Stadt hat er seine beste Kraft eingesetzt 
und sich namentlich als langjähriges Mitglied der Ver 
waltungskommission der städtischen Schulen dauernde 
Verdienste erworben. 
Friedrich Wilhelm Strieder. Vor hundert 
Jahren, am 13. Ocktober 1815, starb in Kassel der 
Bibliothekar Friedrich Wilhelm Strieder. 
1739 als Sohn eines Buchhändlers zu R i n t e l ge 
boren, schlug er erst die militärische Laufbahn ein, nahm 
aber 1765 seinen Abschied und erhielt die Stelle eines 
Registrators an der Bibliothek in Kassel; 1786 wurde 
er zum Rat und ersten Bibliothekar ernannt, 1788 
zum Hofrat und Hofbibliothekar und 1790 zum Geh. 
Kabinetts-Archivar, als er diese Institute auf dem 
Schlosse Weißenstein (seit 1798 Wilhelmshöhe genannt) 
einrichtete. Die Entlassung aus seinen Ämtern erhielt 
er 1808. Sein Hauptwerk ist die „Grundlage zu einer 
Hessischen Gelehrten- und Schriftsteller-Geschichte" von 
der Reformationszeit bis 1806; 1776 redigierte er die 
„Casselsche Staats- und Gelehrten-Zeitung", 1766 bis 
1788 die „Casselsche Polizei- und Kommerzien-Zeitnng" 
und seit 1783 den „Staats- und Adreßkalender". 
<Kass. Tagebl) 
Aus' Gießen. In schlichter, ernster Weise feierte 
die Stadt Gießen ihre 650 jährige Zugehörigkeit zu 
Hessen durch eine besondere Festsitzung der Stadtverord 
neten im Stadtverordneten-Sitzungssaal. Im Mittel 
punkte des Festaktes stand nach einer kurzen Ansprache 
des Oberbürgermeisters ein Vortrag des Stadtarchivars 
Dr. Ebel über: „Die Erwerbung Gießens durch Land 
graf Heinrich I. von Hessen". Den Tag, da Gießen 
hessisch wurde, kann die Chronik mit Sicherheit nicht 
mehr feststellen; er hat zwischen dem August 1264 und 
dem September 1265 gelegen. Das erstemal wird Gießen 
als hessische Stadt am 29. Sept. 1265 erwähnt. Was der 
Stadtverordnetensitzung das bedeutsame Gepräge gab, war 
ein außerordentlich herzlicher Telegrammwcchsel zwischen 
dem Oberbürgermeister, dem Großherzog, dem Staats 
minister, dem Minister des Innern und dem Ehrenbürger 
der Stadt Gießen Exzellenz Dr. Gnauth, vor allem aber 
die Verleihung einer Ehrenkette an den Oberbürgermeister 
der Stadt durch den Großherzog. Gießen ist die erste 
hessische Stadt, der diese Ehrung zuteil Ivird. 
Aus Hersfeld. Infolge des Kriegszustandes 
wurde auch in diesem Jahre das Lullusfest nicht ge 
feiert. Nur das Lullusfeuer wurde in üblicher Weise 
angezündet. 
Aus Kassel. Professor E b e r l e i n hat der Stadt 
Kassel eine Büste ihres Ehrenbürgers, des General 
obersten von Heeringen, zum Geschenk gemacht. Von 
der Aschrottschen Nachlaßverwaltung sind der Stadt 
Kassel acht Gemälde hessischer Meister und zwar 5 Bilder 
von Nahl, 2 von Katzenstein und 1 von Müller-Kassel 
überwiesen worden. Die städtischen Körperschaften haben 
beide Schenkungen mit Dank angenommen. 
Aus Spangenberg. Der 69 Jahre alte Land 
wirt Albert Schonert ist als Freiwilliger des 11. 
Feldartillcrieregiments, in dessen Reihen er schon bei 
Sedan gekämpft hatte, mit ins Feld gezogen. An der 
Seite seiner Söhne hat er alle Strapazen seither mit 
großer Ausdauer ertragen und sich in mehreren Ge 
fechten ausgezeichnet. (31. d Kaff. Stadia»;) 
Aus Marburg. Am Frauenberg wurden eine 
Wohnstätte und Gräber aus der Hallstatt-Zeit bloß- 
stelegt. (N. b Kap. Tagebl.) 
Griechische Einakter. Am Düsseldorfer Schau 
spielhaus wurden zwei der von unserm hessischen Lands 
mann Ghmnasialdirektor Professor Dr. Gustav E s k u ch e 
zu Stettin übersetzten griechischen Einakter, die „Spür 
hunde" des Sophokles und „Die lustigen Weiber von 
Ephesos" des Plautus, aufgeführt und fanden sehr 
freundliche Aufnahme. 
Ein Erlaß des preußischen Kultus- 
ministers über den Unterricht in der Ge 
schichte auf den höheren L e h r a n st a l t e n. 
Der Sommer des zweiten Kriegsjahres hat eine be 
merkenswerte Verfügung der obersten Schulbehörde in
	        

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