Full text: Hessenland (29.1915)

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fahrt zu Lavater nach Zürich, hielt sich dann eine 
Zeit lang am Hof des Großherzogs Leopold von 
Toskana auf und kehrte 1776 nach der Heimat 
zurück, wo er sich mit einer Gräfin Tanentzien 
vermählte. Bereits am 18. April 1774 war er 
in die Loge Minerva zu den drei Palmen in Leip 
zig eingetreten, am 13. Mai 1775 hatte er in 
Frankfurt a. M. den 2. und 3. Johannisgrad er 
worben. Nun ließ er sich in Görlitz für das 
Tempelherrensystem gewinnen, ging dann zu der 
Zinnendorffschen Lehrart über und stiftete 1777 
eine eigene Brüderschaft, die unter Herrnhuter 
Einfluß Zinnendorffsche mit Rosenkreuze rischen Ge 
danken zu verquicken suchte und den Namen Kreuz 
brüder oder Kreuzfromme führte. Zwei Jahre 
später trat er aber bereits zu dem in Lyon be 
schlossenen, rektifizierten Tempelherrnsystem von 
Hunds, dem sogenannten Système des Chevaliers 
bienfaisants de la Sainte Cité über. Im selben 
Jahr schloß sich auch Karl diesem Lyoner System 
an. Der Landgraf war im Frühjahr 1774, also 
zur, selben Zeit wie Haugwitz, in die Loge in 
Schleswig eingetreten 2 ), hatte sich am 25. Juli 
1775 zur strikten Observanz Karl v. Hunds be 
kannt, war gleichzeitig zum Protector et Superior 
Ordinis der Präfekturen Binin (Kopenhagen) und 
Eydendorf (Schleswig) ernannt worden, hatte 1778 
die Wahl der Präfektur Jvenak (Hamburg) zum 
Protector Domorum Ordinis und Meister vom 
Stuhl der vier Vereinigten Logen in Hamburg 
angenommen und nannte sich seit demselben Jahr 
Protector et Superior Ordinis in Dania. Ob Karl 
und Haugwitz am selben Tage Chevaliers bien 
faisants de la Sainte Cité wurden, ist nicht be 
kannt, doch scheinen sie sich schon vorher nahe 
getreten zu sein, als Haugwitz in Schlesien seine 
Kreuzfrommengemeinde stiftete. Die pietistische 
Färbung dieser Brüderschaft mochte Karl sym 
pathisch berühren und seinem Bedürfnis nach reli 
giöser Vertiefung, die all seinen maurerischen Ar 
beiten zugrunde lag, besonders entgegenkommen. 
Jedenfalls finden wir beide Brüder bereits im 
März 1780 im Briefwechsel. Wenn sich Karl bei 
dieser Gelegenheit nach den „Obern" des Grafen 
erkundigt, so huldigt er damit dem damals all 
gemein verbreiteten Glauben an geheime Obere; 
ein Glaube, in dem ihn sein maurerischer Rat 
geber, der famose Herr von Wächter 3 ) bestärkte, 
2 ) Soweit der Landgraf selbst in seinen Mémoire de 
temps, Copenhague 1861, S. 77. Weitere Quellen ver 
sichern, daß er am 4. März 1775 in die Loge Josua 
zum Korallenbaum in Rendsburg aufgenommen wurde. 
3 ) Karl Eberhard Wächter, der Kanzler der 8. Ordens 
provinz, wurde auf Karls Empfehlung 1779 vom König 
von Dänemark geadelt, zum Kammerherrn ernannt und 
als dänischer Gesandter am Württembergischen und pfalz- 
der 1777 in Italien nach dem angeblichen General 
großmeister geforscht und diesen in dem letzten 
Stuart, dem Grasen von Albany, zu erkennen 
geglaubt hatte. 
Anr 21. März 1780 schreibt der Landgraf nus 
Gottorp an Haugwitz: 
„Die schwedische maurerische Grade 4 ) habe ich 
längstens; die nämliche, welche die große Landes □ 
(Loge) in Berlin gebraucht. Auf dieser Seite bleibt 
also nichts zu verlangen übrig, um Ihres Unter 
richts und so wichtiger Auslegung fähig zu sein, 
der ich mit wahrem Verlangen entgegensehe. 
„.. . Eine Frage erlauben Sie mir: Ihre Obern 
sind im Archipelago, ein Bruder und Freund, ich 
weiß daß er jetzt mit und bei Ihnen ist, gab 
Ihnen hiervon authentische Nachrichten. Sind diese 
Obern die nämlichen, wovon in Deutschland und 
Frankreich anjetzo vielfältig unter unsern Brüdern 
die Rede ist; haben solche Untergeordnete in Eu 
ropa, in Deutschland, in Frankreich? Ich wünsche 
es, und daß nur Eine Herde und Ein Hirte bald 
sein möge. 
„Ihr König stellt sich allerhand'von Ihnen vor, 
und hat einmal bei Tafel gesagt, daß Sie Ihren 
Schutzgeist öfters sähen; woher ihm solche Nach 
richten gekommen, weiß ich nicht." 
Was Haugwitz antwortete, ist unbekannt; sicher 
ist, daß er im August 1780, als er zum Grafen 
Christian Stolberg nach Holstein reiste, um dort 
den Winter zu verleben, einen Besuch in Gottorp 
machte. Er scheint bei dieser Gelegenheit Saint- 
Germain persönlich kennen gelernt und ihn durch 
Verabfolgung irgend eines Hausmittels verpflichtet 
zu haben. Jedenfalls gestattete der greise Adept 
dem Landgrafen, seinem Freunde anderthalb Jahre 
später das Rezept seines geheimnisvollen Lebens 
elixirs zu senden. 
^ „Luisenlund, den 9. Oktober 1781. 
Der Graf Saint - Germain hat mir folgendes, 
mit vielen Komplimenten und Freundschaftsver 
sicherungen au eher petit doeteur, für Ihnen 
mitgeteilt, doch werden Sie, geliebtester Bruder, 
sehr ersucht, es äußerst geheim zu halten, für alle 
und einen jeden. 
„20 livres de chaux vive jettées (!) dans 60 livres 
d’eau bouillante qui continuera de bouillir encore 
une heure; alors laisser refroidir et y jetter (!) de la 
croûte de pain blanc bien cuit, 2 livres. Mêler bien 
et laisser reposer 24 heures. On tire alors, en écartant 
bayrischen Hof wie beim fränkischen Kreis beglaubigt: 
doch hatte sich der Landgraf in ihm getäuscht: Wächter 
wurde am 10. Juni 1810 in Paris „wegen ehrloser 
Handlungen" zu infamierenden Strafen verurteilt und 
floh nach England, wo er starb; alle Würden und 
Ehrenzeichen — darunter der Danebrogorden — mußten 
ihm aberkannt werden. 
Z Die drei Johannisgrade, zwei Andreasgrade und 
5 Hochgrade, übrigens besaß der Landgraf damals nur 
die Grade 1—7.
	        

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