Full text: Hessenland (29.1915)

H.AVeySR-liASJEL 
Hessisches Heimatsblatt 
Zeitschrift sür hessische Geschichte, Volks- und Heimatkunde, Literatur und Kunst 
Nr. 2. 29. Jahrgang. Zweites Januar-Heft 1915. 
Freimaurerifche Briefe des Landgrafen Karl von Hessen 
an den Grafen Kurl Haugwitz. 
Aus dem Besitz der Königlichen Bibliothek zu Berlin herausgegeben von Joachim Kühn. 
Der zweite Bruder Kurfürst Wilhelms I., aus 
dessen Korrespondenz die folgenden Blätter schöp 
fen, bedarf kaum einer besonderen Charakteristik, 
um weitere Kreise zu fesseln. Seine Wirksamkeit 
in Dänemark, seine Verdienste als Präsident des 
Hohen Kriegsrats in Kopenhagen, als Großmeister 
der Artillerie, als Statthalter in Schleswig-Hol 
stein und Norwegen, die ihm 1774 den Feld- 
marschallstab eintrugen, seine Beziehungen zu 
Friedrich dem Großen und dem greisen Alchymisten 
Saint-Germain, seine Tätigkeit als Provinzial 
großmeister der dänischen Logen stempeln ihn zu 
einer der interessantesten Gestalten der Auf 
klärungsepoche und weisen ihm in der Geschichte 
der Freimaurerei eine Stellung an, die zur Bieder 
meierzeit in unterschiedlichen Festreden und Tafel 
liedern gefeiert worden ist?) Die vorliegenden 
Briefe werden daher kaum zur Bestimmung seiner 
längst feststehenden historischen Bedeutung beitragen. 
Aber sie werden hier und da einen Zug seines 
Charakterbildes vertiefen oder berichtigen, eine zeit- 
x ) Die große „Bibliographie der freimaurischen Lite 
ratur" von August Wolfstieg gibt Bd. I (1913), S. 
834—36 nicht weniger als 20 derartige auf Karl bezüg 
liche Schriften an. 
genössische Quelle über seine — bisher nur aus 
den 1816/17 niedergeschriebenen Nsmoirss äs mon 
temps bekannten — Beziehungen zum Grafen 
Saint-Germain erschließen und endlich im Gegen 
satz zu der bisher verbreiteten Anschauung die 
Tatsache betonen, daß der Landgraf in den Geheim 
nissen der Maurerei, im Umgang mit Scharlatanen 
und Abenteurern, in der Beschäftigung mit mar- 
tinistischer Zahlenmystik doch mehr als einen amü 
santen Zeitvertreib oder einen bequemen Vorwand 
zur Befriedigung seiner Eitelkeit suchte. Sie stam 
men aus dem Nachlaß Varnhagen von Enses und 
werden teils in abschriftlichen Auszügen, teils in 
eigenhändigen Originalen auf der Berliner König 
lichen Bibliothek aufbewahrt. 
Der Adressat ist kein geringerer als der Graf 
Christian August Heinrich Kurt von Haugwitz, der 
spätere Gesandte Friedrich Wilhelms II. in Wien, 
mit dessen Namen sich trübe Erinnerungen an die 
Vorgeschichte des Zusammenbruchs von 1806 ver 
knüpfen. Aus dem Lande Johannes Schefflers und 
Zinzendorfs gebürtig, neigte Haugwitz in seiner 
Jugend zu religiösen und mystischen Schwärme 
reien; er schloß sich in Göttingen an die Brüder 
Stolberg an, machte mit ihnen 1775 eine Wall-
	        

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