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biunde, biende vielfach neben Beune, Baune,
Peun, Pein noch die altere Form mit erhaltenem
Dental im Auslaut: Bi(e)nde, Bünde, Beunde.
Vgl. nbb. Bünte (Siedlung in Westfalen), Bunte
(meist umgedeutet zu bunt wie in bunter Bock
und andern Flur- und Straßenbezeichnnngen).
So heißt es im Saalbuch des Amtes Blankenstein
von 1586 noch: der katzenzeil im Biendscbeidt,
Gemarkung Rachelshaufen (Kr. Biedenkopf) und
so erklären sich eine Reihe von Ortsnamen, die
bisher allen DeutungsversncheiP) widerstrebt haben :
Biedebach an dem gleichnamigen Bache bei Hers-
feld, im Volksmund Biirebüch. »rk. 1196 Biden-
bacb, 1570, 1596 Biedenbach, ferner Bieden-
bach, Wüstung bei Ziegenhain, und Biedenfeld,
Wüstung bei Corbach, urk. 1263 Pydinfett, Biden-
veld, Beidenfelt, Bidenvelt, sowie Biedenkopf,
Kreisstadt im hessischen Hinterland, ma. Birekop
und Bidekop, urk. 1293 Bidencap, 1304 Byden-
cap, 1531 Biedenkopp, 1432 Biedenkopf, 1526
Bydencapff aus einer älteren, urkundlich nicht mehr
bezeugten Namensform Biendenbaeh, Biendenfelt,
Biendencap, woraus nach Analogie von Biebaoh.
Bieberg, Biegarten, später Biedenbach, Bieden-
feld, Biedenkopf bzw. Biedebach, Biedefeld,Biede-
kopf geworden ist, wie das Volk noch heute spricht
neben dem rein mundartlichen Biirebäch, Birekop
(Übergang von intervokalischem d > r vgl. fedar
> feder > ferer). Zur Schreibung Biedenkopf
(aus Biendenkopf) vgl. noch Biehausköpperche,
Waldname in der Nähe von Biedenkopf, Bien-
triesch, Waldgegend (heute Pflanzgarten) zwischen
Biedenkopf und Buchenau, und die nassauischen
Flurnamen^) Bienkopf. Bienhau«, Bienhäuschen
(die mit dem Namen der Biene zweifellos nichts
gemein haben), Biedergarten, im Volksmund
Biedengarten, lippisch'") das Bienbrok, 1721
urk. Beggenbrncb und Biddenbrok usw.
Zu Biedenbach vgl. den Ortsnamen Ober-
und Unterbimbach bei Fulda, urk. Biunbach,
Bienbach, Biembach 11 ), der inhaltlich dasselbe
bedeutet.
Die Spuren, die der längst verschollene Feld
name piunda bzw. biunda in der Flurnamengebnng
zurückgelassen hat, lassen sich noch nach einer andern
Seite hin verfolgen. Der fränkische Ort Biber-
bach bei Eglofsstein lautet heute im Volksmund
Berboch, und Beerbach bei Hersbruck in Franken,
im Volksmund Berhs, heißt urkundlich 1109
8 ) So z B. Biedenkopf als der Ort di dein Kopf !),
eine Deutung, die ganz unwahrscheinlich ist.
9 ) Kehrein a. a. O. S. 344.
") P r e u & a. a. O. S. 28.
") Arnold, Ansiedlungen S. 321 und Fuld. Gesch.-
Blät'er i909. S. 9 u. 21.
Berebach. 1225 und 1295 aber Biberbach, im
14 und 15. Jh. wieder Berbacb.^)
Es muß daher angenommen werden, daß ähn-
(ich wie Bienkopf, Birnbach ans Bie(n)denkopf,
Bie(n)denbach in manchen Gegenden Bieber bzw.
Beber. Beiber zu Bier, Beer, Bär, Beier (Beuer,
Bauer) zusammengezogen worden ist infolge von
Synkope des b und daß die Häufig vorkommenden
Gemarkungsnamen Bieracker, Bierbach, Bier
berg, Biergarten. Biergraben, Bierhaus, Bier
weg, Bierwies oder Berbach, Berberg, Berget,
Birgel (Bürget), Berntiof, Bernberg, Bernhard,
Bernhardsberg bzw. Bärenacker, Bärbach, Bär
berg, Bärgarten, Bärhard, Bärheck, Bärstatt
(neben Bierstatt), Bärstück. Bärwies auf altes
biunda und nicht, wie man oft annimmt, auf
berg mons, bär ursus oder gar bier (ahd. bior)
„Bier" zurückzuführen sind.
Da neben der mundartlichen Form Bind, Bünde,
Bend sich auch Boint, Beund, Baint, Bund für
altes biunda findet (vgl. Buck a. a. O. S. 25). so
können infolge von Synkope auch mundartliche
Namensormen wie Beuer, Beuern'^), Beuerbach,
Beuergraben, Beuerheck, Beuerwatd, Beuer-
wies, Beiei- (Name eines Vorbergs der Rhön im
Kreis Hünfeld), Beiersgraben, Beiershausen
(Dorf im Kreis Hersseld), Beierbach, Bauer
bach 13 ), Bauerscheid, Bauerwatd, Bauerwies,
Bauernberg, Bauerntal, Bauersheck u.. ä. hier
her gehören und brauchen nicht, wie meist an
genommen wird, appellativisch oder von ahd. bür
habitatio erklärt zu werden.
Buck a. a. O. S. 18 betont, daß Baier.als Flur
name überall auffallend oft vorkommt, und das
würde gerade für die Ableitung von dem Flur
namen piunda sprechen, der überall ungemein
häufig wiederkehrt entsprechend seiner Wichtigkeit
für die rechtliche Benutzung des Bodens. Auch
der Name der Ortschaft Beuern bei Felsberg, der
feinen Ursprung einem fremden Herrn verdanken soll
(Arnold a. a. O. S. 364). weil er sich namentlich
auf alemannischem Sprachboden finde, und der Name
des in der Nähe liegenden Markwaldes das Beuer-
holz steht zweifellos int Zusammenhang mit dem
alten Flurnamen biunda „für einzelne bestimmtes,
der Nutzung der Allgemeinheit verschlossenes Gebiet",
wie der Aufsatz von Dr. Fenge: „Das Beuerholz.
Ein Beitrag zur hessischen Markgenossenschaft"
(„Hessenland" 1902, S. 61 ff.) zweifelsfrei be
zeugt. Denn das Beuerholz oder der Beuerwald
ist noch heute ein aus der Allgemeinheit (Staats
eigentum) los gelöstes Gebiet an Wald und Weide * IS
I8 ) z. B. Dorf bei Felsberg (13. 14. Jh. Kuren, Barn).
IS ) Der au - Diphtong ähnlich in Baunsberg, Bauna
tal u. a.