Full text: Hessenland (29.1915)

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ist selbstverständlich. Als erste benutzten die ... er z 
die Branseanstalt und waren begeistert über diesen 
ungewohnten Genuß. Nachmittags eine sehr feier 
liche Beerdigung eines sächsischen Hauptmanns, 
mit Musik, während rings herum um das liebliche 
Nest die Granaten einschlugen. 
8. 2. Morgens mit Rittmeister K., M. usw. 
nach A. geritten, alle Räume angesehen und Quar 
tier gemacht. Schön war's nicht, was wir vor- > 
fanden, da die abgehende Kompagnie ... alles, 
was nicht niet- und nagelfest ist, mitgenommen ! 
hat. Da gibt's noch viel zu tun. Mittags ritt 
ich wieder mit den Herren zurück. Gegen 5 Uhr 
war Platzmusik vor der Brigade von der Kapelle 
der Sachsen. Eigenartig diese Kontraste im sol- | 
Aus Heimat 
datischen Leben. Unten im Dorf die lustige Musik, 
droben in der Stellung verbluten sich die Kame 
raden und französische Granaten akkompagniereu 
die deutschen Weisen! Abends war Abschiedssest 
für Professor H. im Kasino. H. war köstlich. Zwei 
ganz ausgezeichnete feine Komiker von den Sachsen 
sangen uns prächtige Couplets, improvisierten auch 
auf H. köstliche Verse. Die letzte Nacht in R. war 
daher nicht allzu lang. Fest wurde heute wieder 
hineingeschossen, auch Gr. wurde wieder beschossen 
und mußte mehrfach geräumt werden. Daher wird 
jetzt in einem geschützten Grunde ein Baracken 
lager aufgeschlagen, in das die Truppen von Gr. 
verlegt werden. Trotz all des vielen Feuers kamen 
nur 7 Verwundete heute nacht. 
fremde. 
Karl Kohlhepp f. Kaum vierzigjährig, auf des 
Lebens Mittagshöhe stehend und als Lyriker auch außer 
halb seiner Vaterstadt Hanau rühmlichst bekannt, ist 
der hessische Dichter Karl Kohlhepp jetzt als Unteroffizier 
eines Landsturmbataillons auf dem Felde der Ehre ge 
fallen. Als Sohn eines Bijoirteriefabrikanten hatte er 
sich dem Kaufmannsberuf gewidmet und schon in jungen 
Jahren außergewöhnliche dichterische Begabung gezeigt. 
Seine Lieder sind voll dunkler Schönheit und iveher 
Süße, und auch seine Prosa ist voller Melodie. Auch 
dem „Hessenland" war der Lyriker Kohlhepp ein will 
kommener Mitarbeiter, und in zahlreichen Zeitschriften 
waren seine Novellen anzutreffen. Sein Bändchen, 
„Wenn das Blut erwacht" erlebte mehrere Auflagen. 
Der große Roman des römischen Dichters Zuccarini 
„Das Brandmal Roms", von ihm ins Deutsche über 
setzt, erschien 1908. Seine hessischen Landsleute werden 
diesen gefallenen Dichter nicht vergessen. 
Die hi st arische Kommission für Hessen und 
Waldeck hat schon zu Beginn des Krieges mit dem 
Tode Dr. Walther Sohms, des Bearbeiters der 
„Urkundlichen Quellen zur hessischen Reformations 
geschichte", deren Einleitungsband er gerade noch hatte 
fertigstellen können, einen schweren Verlust erlitten. Nun 
ist am 13. Juli im Osten wieder einer ihrer Mitarbeiter 
gefallen, Dr. Adolf L i ch t n e r aus Northeim, ein junger 
tüchtiger Gelehrter, der erst wenige Monate vor Aus 
bruch des Krieges die Weiterbearbeitung der „Hessischen 
Landtagsakten" übernommen hatte. Er hat das Werk 
nicht vollenden dürfen; daß er der Mann dafür geivesen 
wäre, zeigt sein 1913 erschienenes wertvolles Buch 
„Landesherr und Stände in Hessen-Kassel 1797—1821". 
Hochschulnachrichten. Marburg: Als Nach 
folger des Geheimrats Prof. Dr. Korschelt wurde der 
Direktor des germanistischen Seminars Professor Dr. 
E r n st E l st e r zum Rektor der Universität ernannt. — 
Geheimrat Professor Dr. E r n st Schmidt, Direktor 
des pharmazeutisch-chemischen Instituts, wurde anläß 
lich seines 70. Geburtstages (am 13. Juli) in Anerken 
nung seiner hervorragenden Verdienste um den Ausbau 
der pharmazeutischen Chemie von der braunschweigischen 
Hochschule zum Doktor-Ingenieur ehrenhalber ernannt.— 
Am 18. Juli verschied im Alter von 80 Jahren der 
frühere Kurator der Universität Wirkt. Geh. Regierungs 
rat Dr. Heinrich Stet n m e tz. Während seiner 
Amtstätigkeit (1889—1905) nahm die Hochschule einen 
gewaltigen Aufschwung und erhielt eine Menge dem 
Studium förderlicher Einrichtungen. Steinmetz war Ehren 
doktor der medizinischen Fakultät. — Hier wurde ein 
Ortsausschuß des für die Unterstützung kriegsbeschädigtcr 
Akademiker bestimmten Akademischen Hilfsbundes ge 
gründet. — Gießen: Zum Rektor der Laudes 
universität wurde der ordentliche Professor der philo 
sophischen Fakultät Dr. Wilhelm Sievcrs er 
nannt. — Der Privatdozent für Chirurgie und Oberarzt 
an der chirurgischen Klinik Dr. Anton T h i e s wurde 
zum außerordentlichen Professor ernannt. — Dr. Ern st 
Günther habilitierte sich für das Fach der National 
ökonomie mit einer Vorlesung über „Die volkswirtschaft- 
liche Bilanz des Krieges". 
Aus Kassel. Am 17. Juli wurde im Landes 
museum in Anwesenheit der Prinzessin Heinrich Neuß 33. 
und der Gattin des Kriegsministers, Frau Exz. Wild 
von Hohenborn, durch eine Festrede des Oberpräsidcnten 
Exz. Hengstenberg die Ausstellung für Verwundeten- und 
Krankenfürsorge im Kriege eröffnet. 
Die F ü r st a b t e i Fulda. Am 27. Juli sind 
100 Jahre verflossen, seit das Gebiet der ehemaligen 
Fürstabtei Fulda zum ersten Male, wenn auch nur vor 
erst für drei Monate, preußisch wurde. Die Geschichte 
der Abtei Fulda ist sehr wechselvoll. Nach der großen 
Säkularisation 1803 kam die Fürstabtei nach mehr als 
1000 jährigem Bestehen an das Haus Oranicn-Nassau. 
1806 bis 1810 stand das Land unter französischer Vcr- 
tvaltung, 1810 schlug man es dem Großherzogtum 
Frankfurt zu. Bon 1813 bis 1815 stand es dann unter- 
österreichischer, dann 1815 auf die Dauer von drei 
Monaten unter Preußens Vertvaltung. Im Herbst wurde 
die Abtei mit Ausnahme der Bayern zugesprochenen 
Ämter Hammelburg, Brückenau und Weyhers und des 
Geisaer Bezirks dem Kurfürstentum Hessen einverleibt. 
1866 kam das Fuldaer Land endgültig unter Preußens 
Herrschaft. 
Aus Eschweg e. Zum Ankauf des Schloßgarteus 
durch die Stadt für 75 000 Mark ist nunmehr die mini 
sterielle Erlaubnis eingegangen. Das im Schloßgarten 
stehende Warttürmchen aus dem fünfzehnten Jahrhundert
        

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