Full text: Hessenland (29.1915)

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kann aus einer Kurzform Ecko, Ecke (zu Voll 
namen wie Ekkehard, Eckhard) entstanden sein 
mit doppelter Verkleinerungsform -120 und -icho: 
Ecko -f- izicho > Ekkizicho oder Eggizicho zu 
Eizicho. Dann würde Hauptschwenda die Ro 
dung eines Ekkehart oder Eckebert auf einem 
ehemaligen Weidefeld bedeuten. Dieser Name ist 
besonders in seiner Kurzform Ecks und Eksä 
noch heute in der Schwalmgegend gebräuchlich. 
Neben dieser Namensform, die sich nur im 
14. Jahrhundert nachweisen läßt, finden sich vom 
15. Jahrhundert ab urkundliche Belege, die an 
scheinend keine Berührungspunkte mit dem eben 
angeführten aufzuweisen haben. Es liegt also die 
Vermutung nahe, daß dieser Name später wieder 
aufgegeben und durch andere ersetzt wurde: Heidt- 
schwenge, Hettschwenda, Heintzsch wende, 
Heisch wedt, Heiweswenge, Hauptschwende, 
endlich noch Hengswende bzw. Hengeschwenge 
und Hietz- bzw. Hirtz-Schwenda. 
Die beiden letztgenannten Namensformen zeigen 
eine innere Verwandtschaft. Es scheint in ihnen 
der volkstümliche Name für „Ziege": Hietze 58 ), 
Hietz 59 ), Hetz 59 ), nassauisch Hetzet 60 ) eingedeutet 
zu sein, der oben bereits erwähnt worden ist. Zur 
Umdeutung Hirtz Schwenda aus Hietzschwenda 
vgl. die Flurnamen Hirtsgraben, Hirtsrain u. ä. 
Zum Übergang von tz bzw. ts zu tsch vgl. hessisch 
Hitschgrund, thür Hetschburg u. ä. Es kann 
Hettschwenda aus älterem Hetz-winde entstanden 
sein, während Hettschwenda unter volkstümlicher 
Anlehnung an dial. häd — „Haupt" zu Haupt 
schwende wurde. Heidtschwenge (wende > 
wenge wie Wendeberg > Wengeberg, Winde 
rode > Wingerode und Wincherode) ist auch 
eine mundartlich gefärbte Bildung (vgl. dial. heid 
„Haupt" neben häd), woraus mit totaler As 
similation Heischwedt und infolge von regressiver 
Dissimilation Heiweswenge 61 * * * * ) werden konnte, 
während Heintzschwende eine pseudopersonale 
Nebenform. vielleicht unter Anlehnung an den 
Personennamen Heintz (Heinrich) darstellt. So 
weift dieser Ortsname eine interessante Mischung 
von volkstümlicher und amtlicher Umdeutung 
(Hauptschwenda) auf. Aus Eizichiswinden 
hat sich infolge der veränderten Kultur des Bodens 
allmählich der Begriff „Hauptrodung, große Ro 
dung" entwickelt. 
68 ) Vilmar-Pfister, Nachtr. S. 104 
59 ) Vilmar. Idiot. S. 171. 
8 °) Vilmar-Pfister S. 104, Kehrein a. a O. 
S. 450. 
*') Wie mir von einem früheren Lehrer des Dorfes 
mitgeteilt wird, weist die Volksauffassung auf heiw (Heu) 
hin. Heiweswenge bedeutet nach dem volkstümlichen Be 
griff s. v a. den Ort. wo das Heu umgewendet wird. 
Ungeklärt bleibt noch die Frage, warum der 
Ort mehrere Namen besessen haben soll. Dieser 
Fall steht zwar nicht vereinzelt in der Geschichte 
der Ortsnamenkunde da, wte z. B. Dörnhagen 
bei Kassel im 15. Jahrhundert Gravenwerners- 
hagen oder wie z. B. die französische Kolonie 
Luisendorf früher Hammonshausen hieß, aber 
immerhin sind solche Fälle selten und müssen auf 
fallen. Es hat daher auf den ersten Blick der 
Lösungsversuch Kellners 69 ) etwas Bestechendes 
für sich, der Eizicheswynden für Siegwinden 
hält und den Beleg Landaus „Hessengau" S. 132 
aus dem Jahre 1223: capella in Eizicheswynden 
parochie nostre in Owilahe (Kuchenbecker, An. 
hass. IX p. 153) dahin auslegt, daß er unter 
parochie nostre das Stift Fulda versteht und 
Owilah für Niederaula, nicht für Oberaula hält, 
weil Siegwinden der Lage nach (!) zu Niederaula 
gehöre, „während es dem Amt Eiterfeld noch 
heute zugeteilt ist und im besonderen zum Ort 
Hermannspiegel gehört." Die Beweisführung 
vermag jedoch leider nicht, zu überzeugen, ganz 
abgesehen von der sprachlichen Begründung, auf 
die Kellner nicht weiter eingeht. 
Denn, wenn auch die Tatsache richtig ist, daß 
Siegwinden nicht, wie Vilmar annimmt, zur 
ehemaligen freien Neichsritterschaft gehörte, sondern 
zum fuldischen Stistsgebiet, so gehörte anderer 
seits, wie die Stiftskarten des Klosters Hersfeld 
und auch Hafner a a. O. S. 127 bezeugen, Nieder 
aula nicht zum Stift Fulda, sondern nach Hers- 
seld. Ferner kann mit Owilah nur Oberaula 
gemeint sein. In der Nähe von Hauptschwenda 
befand sich z. B. eine Kapelle zu 8 t. Annen, die 
öfters in Urkunden erwähnt wird, so in einer 
Originalurkunde des Klosters Kappel von 1223: 
,die kapelle in Eizicheswinden ist in der ter- 
minei der fuldischen pfarrei in Owilahe 
erbaut worden 4 , wo mit Owilah nur Oberaula 
gemeint sein kann. Und weiter heißt es in einer 
Urkunde vom 26. Mai 1419 (Ziegenhainer Re 
pertorium), daß die Wüstung Heintz Schwende 
zum Gericht Oberaula gehört, und in einem 
Weistum von 1647 wird ,Heiweswenge im 
Gericht Oberaula 4 gleichfalls als Wüstung 
aufgeführt (Kopp, Ger.-Verf. I, Beilage. Nr. 73). 
Was die sprachliche Seite Eizicheswinden — 
Siegwinden angeht, so kann zwar durch Aphärese 
aus Eizicheswinden Zicheswinden werden. Ob 
Zicheswinden zu Sieg(es)winden werden konnte, 
ist zwar nicht als unmöglich (vgl. Zikkenwinden 
— Siegwinden), aber immerhin als wenig wahr 
scheinlich anzusehen. 
") Etymologische Spaziergänge durch Hessen. Zisch f. 
Hess. Gesch 12, S. 73 ff
	        

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