Full text: Hessenland (29.1915)

für 22 Klafter Hausforst wurden nur 5 Gulden 
16 Albus entrichtet, für das übrige Breun- und 
Werkholz das übliche Forstgeld, das mit etwas 
mehr als 12 Albus für die Klafter nicht hoch 
bemessen war. (Ein Gulden = 26 Albus, ein 
Taler = 32.) Außerdem lag auf jedem Haus 
mit Garten ein Grundzins von 16 Albus, auch 
waren auf die eingeräumte Hute, auf das Brau 
recht, das sonst den Dörfern nicht zustand, und auf 
die Schankgerechtigkeit mäßige Auflagen gemacht. 
Die Geldabgaben beliefen sich insgesamt auf rund 
105 Gulden jährlich, wobei indes zu berücksichtigen 
ist, daß der Kaufwert des Geldes etwa dreimal 
so. hoch war als heute, die Fruchtabgaben auf 26 
Viertel Roggen und Hafers) Dazu trat dann noch 
eine Vermögens- und Einkommensteuer, Kontri- 
butiou genannt, während jene Abgaben gewisser 
maßen nur einen Gegenwert für das den Kolonisten 
eingeräumte Gut darstellten. Diese im dreißig 
jährigen Krieg eingeführte Kriegssteuer, die später 
zur Unterhaltung stehender Truppen verwandt 
wurde, war verhältnismäßig hoch, wurde auch 
6) Saalbuch Carlsdorff. 13. Okt. 1700. Staatsarchiv 
Marburg. 
mehrmals in kurzen Fristen heraufgesetzt. Als sie 
im Jahre 1703 angefordert wurde, beschwerten sich 
die Kolonisten, daß für sie ein zu hoher Steuer 
satz angenommen sei, und führten bewegliche Klage 
über die schlechten Umstände, in denen sie sich 
befänden. Die Sache wurde durch den französischen 
Amtmann Daubigny und den Rentmeister Löffler 
in Hofgeismar untersucht, beide mußten zugeben, 
daß viele Feldlagen kalt, wenig fruchtbar, zudem 
auch dem Wildschaden sehr ausgesetzt seien, und 
schlugen vor, die Kontribution auf die Hälfte herab 
zusetzen, was bis auf weiteres genehmigt wurde. 
Rach einer alten gesetzlichen Bestimmung hätte 
auch jeder Kolonist, der seine Stelle veräußerte und 
außer Landes ging, als übliche Steuer den zehnten 
Teil des Kaufgeldes entrichten müssen; die Re 
gierung sah indes bald davon ab, diese harte Steuer 
in Karlsdorf und in den anderen Kolonien zu er 
heben, wodurch der Wechsel unter den Stellen 
inhabern sehr erleichtert wurde. Auch ging man 
bald dazu über, Deutschen den Erwerb der Stellen 
mit allen Vorrechten zu gestatten, was ursprünglich 
nicht beabsichtigt war. 
(Schluß folgt.) 
Feldpostbriefe eines Kasfelaners, 
der als leitender Arzt eines Feldlazaretts in Feindesland steht. 
(Fortsetzung.) 
6. 0. Ballay, 15. 10. Wenn wir bisher in Mon- 
thois geglaubt hatten, es besonders gut zu haben, 
so sind wir hier noch weit, weit besser daran. Man 
merkt gar nichts mehr vom Krieg, nicht einmal 
das Schießen hört man mehr. Gerade als ich Dir 
am 13. noch ein paar Zeilen schrieb, kam der 
Befehl, daß am andern Morgen um 7 Uhr M. ge 
räumt sein müsse, daß lvir Ortsunterkunft in Ballay 
beziehen sollten und, daß um 11 Uhr in Falaise, 
dem Stabsquartier, die Meldung von der erfolgten 
Unterbringung eintreffen müsse. Außerdem solle 
dort in Falaise ständig ein Befehlsempsänger des 
Lazaretts anwesend sein, der dort untergebracht 
und verpflegt würde, damit uns jederzeit Befehle 
zugesandt werden könnten. Wir müssen daher wohl 
dauernd in Marschbereitschaft sein, d. h. stets alles 
solveit eingepackt haben unb parat sein, daß wir 
in einer Stunde abrücken können. Beim Befehls 
empfang hatte der Radfahrer noch gehört, daß die 
Kolonnen, die mit zur 2. Staffel eingeteilt waren 
(lvir haben einen andern Kolonnenkommandeur er 
halten), gesagt bekamen, der Hafer, den sie emp 
fangen, würde ihre eiserne Ration sein für die 
Bahllfahrt. Wir schließen daraus, daß wir viel 
leicht uach Belgien zur Okkupationsarmee kommen 
(das wäre übel!) oder aus den rechten Flügel ge 
worfen werden, wo die Entscheidung fallen muß 
(das wäre sein!). Der Befehl machte mir dann 
noch alle mögliche Arbeit, ich mußte Anordnungen 
für bett nächsten Tag treffen, Futtermeister, Feld 
webel, die eiitzelnen Herren noch benachrichtigen, 
Quartiermeister bestimmen usw. Packte dann noch 
bis 2 Uhr meine Sachen, schlief aber erst gegen 
1/2 4 Uhr ein, um um 4 Uhr schon wieder auf 
zustehn. Um 5 Uhr schickte ich die Quartier 
macher nach Ballay, damit diese sofort bei Tages 
anbruch dort seien, denn da außer uns noch ein 
Feldlazarett mit eiirem lveit jüngeren Stabsarzt 
und eine Fuhrparkkolonne hierher kamen, hatte 
ich als Ältester Anspruch auf das beste Quartier. 
Da lvir auf dein Herruarsch hier im Ort einen halb- 
stündigeit Aufenthalt gentacht hatten, um zu früh 
stückelt und mein Pferd treu beschlagen zu lassen, 
so kannte ich die Gelegenheit und wußte, wo das 
beste Quartier war. Im Kriege wird man schttell 
findisch und merksch. Es klappte dann auch alles 
tadellos. — Als die andern Quartiermacher bei 
Tagesgrauen ankamen, waren unsere gerade fertig 
und hatten die besten Quartiere und Ställe weg- 
geuoinmen. Wir rückten um 6 Uhr ab, die uns
	        

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