Full text: Hessenland (28.1914)

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2 siebenpfündigen Haubitzen bestand. Dazu traten 
noch die Regimentsgeschütze der hessischen Infanterie, 
6 Dreipfünder, so daß das gesamte Artillerie 
material aus 15 Geschützen bestand, die sich aber 
zum Teil in schlechter Beschaffenheit befanden. 
Munition war nur für einen Tag vorhanden. Ar 
tilleristen fehlten , bis auf die zu den 6 Regiments- 
geschützen gehörigen wenigen Mannschaften gänz 
lich. Artillerie- und Ingenienroffiziere waren über 
haupt nicht in der Festung vorhanden, bis aus dev 
kranken österreichischen Artillerieleutnant Schabitz, 
der zufällig in Nieuport zurückgeblieben war. Die 
Vorräte an Lebensmitteln waren unbedeutend. 
v. Wurmb scheint unter diesen Umständen eine 
nachhaltige Verteidigung des Platzes nicht beab 
sichtigt zu haben, obwohl eine solche bei der Wich 
tigkeit der Festung als Stützpunkt des rechten 
Flügels der Verbündeten sehr notwendig war. Er 
hätte sonst wohl in den vier Wochen, die ihm bis 
zum Angriff der Franzosen verblieben, versucht, 
die Festungswerke in einen besseren Stand zu 
setzen. Allerdings wird es ihm auch an Mitteln 
dazu gefehlt haben und die Engländer hätten sich 
in ihrem Dünkel auch zu derartigen Arbeiten wohl 
nicht verwenden lassen, denn im übrigen tat er 
nach der Einnahme von Furnes durch die Fran 
zosen, die ihm einen baldigen Angriff der letzteren 
in Aussicht stellte, alles, was sich mit seinen be 
scheidenen Mitteln tun ließ. Er besetzte die Schleusen 
schanze mit 1 Kapitän und 100 Mann, sowie mit 
2 Sechs- und 2 Dreipfündern und stellte vor dem 
Dünkircher Tore (Südseite der Stadt) in einer 
schnell aufgeworfenen Feldbefestigung 3 Dreipfünder 
unter einer Bedeckung von 1 Offizier und 40 
Mann auf. Die übrige Garnison verteilte er auf 
dem Walle. Den Befehl über die Artillerie über 
nahm der Leutnant Schabitz, der sich trotz seines 
kranken Zustandes dem Kommandanten zur Ver 
fügung stellte. Zur Bedienung der Geschütze mel 
deten sich die ja damit vertrauten Seeleute und 
Fischer der Stadt. Die Schleusen wurden so gut 
wie möglich verdämmt. 
In der Nacht vom 22. zum 23. Oktober trafen 
die Vortruppen des Feindes vor der Festung ein 
und begannen alsbald an der Landstraße und dem 
Kanal nach Furnes, die nebeneinander herliefen, 
südlich der Stadt beim Wirtshause „zum Pelikan" 
zwei Batterien zu bauen, in deren eine 2 zwölf- 
pfündige Kanonen und 2 zehnpfündige Haubitzen 
eingefahren wurden, während die andere mit 2 vier- 
undzwanzigpfündigen Kanonen und einem zwölf 
zölligen Mörser besetzt wurde. Sobald diese Batte 
rien von den Verteidigern entdeckt waren, wurden 
sie unter lebhaftes, aber, soweit sich erkennen ließ, 
erfolgloses Artilleriefeuer genommen. Am nächsten 
Tage, morgens 10 Uhr, überbrachte ein fran 
zösischer Trompeter eine an den Magistrat der 
Stadt gerichtete Aufforderung des Generals Hoche^), 
augenblicklich zu kapitulieren, sonst „werde ec die 
Stadt zerstören und über die rauchenden Trümmer 
der Häuser und die zuckenden Glieder der Körper 
der Bürger seinen Einzug halten". Der Magistrat 
antwortete, daß nicht er, sondern der Kommandant 
über derartige Fragen zu entscheiden habe. Darauf 
begann um 1 Uhr mittags das Feuer der fran 
zösischen Batterien auf die Stadt, das sich haupt 
sächlich auf die Wohnhäuser der Bürger richtete, 
welche letztere dadurch veranlaßt werden sollten, 
den Kommandanten zur Übergabe zu veranlassen. 
Wenn auch mehrere Häuser in Flammen auf 
gingen, so wurde doch diese Absicht der Belagerer 
nicht erreicht. Die Belagerten setzten das Feuer 
ihrer Geschütze gegen die französischen Batterien 
fort, wohl nur, um den Franzosen ein Zeichen 
ihres Widerstandes zu geben. Denn von irgend 
einem Erfolg konnte bei der geringen Tragweite 
der vorhandenen Geschütze gar keine Rede sein. 
Vielmehr wurde dadurch unnötigerweise eine solche 
Menge Munition verbraucht, daß gegen 4 Uhr 
nachmittags der vorhandene Vorrat aufgebraucht 
war. Der Kommandant von Ostende, der um Zu 
sendung weiterer Munition gebeten worden war, 
hatte diesem Wunsche, der sich erfüllen ließ, weil 
die Festung Nieuport im Norden nicht eingeschlossen 
war, nicht entsprochen. Oberst v. Wurmb beschloß 
deshalb, den Platz zu räumen, da er sich einen Er 
folg von einer weiteren Verteidigung nicht ver 
sprechen konnte. Er ließ sich aber durch die Vor 
stellungen der Kapitäne von Bardeleben«) und 
v. Zoppe vom Regiment v. Kospoth bewegen, vor 
läufig noch auszuharren. Im Laufe des Nach 
mittags stieg nun auch die Überschwemmung so 
hoch, daß die Franzosen ihre Batterien räumen 
mußten und nach Furnes zurückgingen. Am Abend 
rückte das hessische Grenadierbätaillon v. Esch- 
wege?) in Stärke von 13 Offizieren, 354 Mann 
zur Verstärkung der Besatzung in die Festung ein. 
Ein erneuter, kräftiger Angriff der Franzosen 
ließ nicht lange auf sich warten. In der Nacht 6 7 
6 ) Lazare Hache, geb. 25. 6. 1768 zu Montreuil bei 
Versailles, gest. 18. 9. 1797 in Wetzlar, einer der vor 
züglichsten Generale der französischen Revolutionsarmee. 
«) Johann Henrich von Bardeleben, machte als 
Leutnant im Rgt. v. Donop die Feldzüge in Amerika 
mit, war 1806 Major im Rgt. Landgraf Karl, west 
fälischer Pensionär, wurde 1814 Oberstleutnant h la 
suite, 1831 pensioniert, starb am 26. 3. 1835 auf seinem 
Gute Kattenbruch im Schaumburgischen. 
7 ) Dieses Bataillon bestand aus den 2 Grenadier 
kompagnien des Regiments Erbprinz und den 2 Grenadier 
kompagnien des Regiments v. Kospoth.
	        

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