Full text: Hessenland (28.1914)

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itn; namentlich waren es die Dichtungen Shake 
speares, die ihn immer wieder anzogen. Ein 
knappes. Jahr hindurch weilte Trömner dann zur 
Erweiterung seiner beruflichen Kenntnisse im Rhein 
land, nach der Rückkehr begründete er — sein 
Vater war inzwischen aus der Firma Trömner 
& Dietrich ausgetreten — in Kassel die Buch 
druckerei, die seinen Namen trägt (1875) und die 
er persönlich bis zum Jahre 1907 geleitet hat. 
Neben einigen kleineren Büchern, die bei ihm er 
schienen, und deren Verlagnahme aus seiner ursprüng 
lichen Neigung zum Buchhändlerberufe entsprang, 
veröffentlichte er. unter dem Pseudonym Ferdi 
nand Alexander in eigenem Verlag seine „Lieder 
und Balladen"; als Erscheinungsjahr ist 1878 zu 
betrachten, wie aus einer Widmung und einer An 
zeige auf dem Umschlage erhellt. Im gleichen 
Jahre begann er auch die Herausgabe der zweimal 
monatlich erscheinenden Zeitschrift :„Neuer Musen 
hain, belletristisches Publikationsorgan für junge 
Dichter und Schriftsteller sowie alle Freunde der 
Literatur". Das Blatt erschien seit dem 1. April 
1878, mit der ausgesprochenen Bestimmung: „allen 
jungen Dichtern, Dichterinnen und Schriftstellern" 
Gelegenheit zu geben, „die Produktionen ihrer Feder 
durch den Druck zu verbreiten, wozu sich bekannter 
maßen außerdem nur selten Gelegenheit findet. 
Der „Neue Musenhain" bringt in seinen Spalten 
alle Beiträge von Abonnenten, sofern sie sich zum 
Abdruck eignen, und bietet das Mittel zu gegen 
seitigem schriftlichen Verkehr der jungen Talente." 
Unter dem veränderten Titel „Deutscher Dichter 
freund, Journal zur Unterhaltung und Belehrung 
sowie Publikationsorgan für junge Dichter und- 
Schriftsteller" erschien das Blatt noch weiter in 
den Jahren 1879 und 1880, mußte dann aber 
eingehen, und auch Versuche, durch Begründung 
des „Vereins zur Hebung deutscher Dichtung", 
um die namentlich Chr. Bertram in Bückeburg 
und Ludwig Lohauß in Friedenau-Berlin sich be 
mühten, dem Blatte zu helfen, konnten es nicht 
erhalten. — Die Redaktionsführung, die nach dem 
eigenartigen Charakter des Organs gewiß keine 
leichte war, da sie zwischen der Veröffentlichung 
des häufig eingesandten Minderwertigen und der 
Gefahr, dessen Verfasser zu verschnupfen, nur die 
Wahl ließ, ist mit großem Geschick und Feinheit 
durchgehalten, seiner Neigung zu feinem, aber 
harmlosen Spotte, die eigentlich nur der ihm 
Nahestehende kennen lernte, ließ Richard Trömner 
in den Briefkastennotizen gern einmal die Zügel 
schießen. 
Eine zweite, besonders um die dem hessischen 
Sagenkreise entnommenen Stoffe bereicherte Aus 
gabe der „Lieder und Balladen" erschien 
unter des Verfassers Namen zu Anfang der acht 
ziger Jahre im Berlage von Baier L Co. in 
Kassel, ebenso 1886 bei A. Freyschmidt „Wilhelms 
höhe. Eine Schilderung in Hexametern", die vor 
einigen Jahren nochmals eine ergänzte und durch 
gesehene Auflage (Verlag Buchdruckerei Rich. 
Trömner) erlebt, hat. In leichtem Plaudertone, 
Ernstes und Heiteres, Naturschilderung und Ge 
schichte mischend, so wandert er mit dem Leser 
durch den Wilhelmshöher Park. Daß dabei keine 
abwägende Geschichtsdarstellung geboten wird, ver 
schlägt ja nichts, ein Kritiker der „Wilhelmshöhe" 
hatte s. Zt. dies gerade, namentlich in Hinblick 
auf die Worte über das Klosterleben auf Weißen 
stein zu sprechen für nötig gefunden. Wer die 
entsprechenden Zeilen, die allerdings nicht gerecht 
sein wollen, verfolgt, wird sich den Dichter dazu 
denken müssen, wenn er mit fröhlichem Behagen 
bald seine Sarkasmen glitzern ließ, bald mit dem 
vollen Zorne seiner Weltauffassung allen ihm un 
sympathischen Kultusformen zu Leibe ging. Auch 
Ntchar» Zrimtte« f. 
hier stand er so ganz im Banne der Zeit, in 
der er erwachsen, die kritisierten Zeilen zeigen, 
daß Kulturkampfluft den Werdenden umwehte. — 
Es ist diese Stelle aber auch die einzige, ab 
gesehen von einigen Worten über Hessens ver 
lorene Freiheit und Selbständigkeit, wo er gewollt 
aggressiv wird. — 
In den „Liedern und Balladen" kommt die 
Seite seines Wesens noch mehr zum Vorschein, die 
Richard Trömner völlw in der oben schon skiz 
zierten Weise als den Spätling einer längeren, in 
sich eng verknüpften Epoche deutscher Dichtung 
zeigt. Dichtungen wie „Der Fund", ,, Kahnfahrt" 
und „Wieder beim Liebchen" klingen wie die letzten 
Sänge der Anakreontiker, „In der Fremde", „Im 
Hafen von Funchal auf Madeira" oder „Meer 
fahrt" möchte man, fast um so mehr, als auch 
sie nur aus der romantischen Sehnsucht 
geboren sind, neben ähnliche Gedichte Freiligraths 
stellen, ebenso wie in jener Romantik auch die 
Balladen die ähnlichsten Töne finden. Schade ist, 
daß der zweiten Auflage der „Lieder und Bal 
laden" einige kleine Gedichtchen fehlen, wie „Das
        

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