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itn; namentlich waren es die Dichtungen Shake
speares, die ihn immer wieder anzogen. Ein
knappes. Jahr hindurch weilte Trömner dann zur
Erweiterung seiner beruflichen Kenntnisse im Rhein
land, nach der Rückkehr begründete er — sein
Vater war inzwischen aus der Firma Trömner
& Dietrich ausgetreten — in Kassel die Buch
druckerei, die seinen Namen trägt (1875) und die
er persönlich bis zum Jahre 1907 geleitet hat.
Neben einigen kleineren Büchern, die bei ihm er
schienen, und deren Verlagnahme aus seiner ursprüng
lichen Neigung zum Buchhändlerberufe entsprang,
veröffentlichte er. unter dem Pseudonym Ferdi
nand Alexander in eigenem Verlag seine „Lieder
und Balladen"; als Erscheinungsjahr ist 1878 zu
betrachten, wie aus einer Widmung und einer An
zeige auf dem Umschlage erhellt. Im gleichen
Jahre begann er auch die Herausgabe der zweimal
monatlich erscheinenden Zeitschrift :„Neuer Musen
hain, belletristisches Publikationsorgan für junge
Dichter und Schriftsteller sowie alle Freunde der
Literatur". Das Blatt erschien seit dem 1. April
1878, mit der ausgesprochenen Bestimmung: „allen
jungen Dichtern, Dichterinnen und Schriftstellern"
Gelegenheit zu geben, „die Produktionen ihrer Feder
durch den Druck zu verbreiten, wozu sich bekannter
maßen außerdem nur selten Gelegenheit findet.
Der „Neue Musenhain" bringt in seinen Spalten
alle Beiträge von Abonnenten, sofern sie sich zum
Abdruck eignen, und bietet das Mittel zu gegen
seitigem schriftlichen Verkehr der jungen Talente."
Unter dem veränderten Titel „Deutscher Dichter
freund, Journal zur Unterhaltung und Belehrung
sowie Publikationsorgan für junge Dichter und-
Schriftsteller" erschien das Blatt noch weiter in
den Jahren 1879 und 1880, mußte dann aber
eingehen, und auch Versuche, durch Begründung
des „Vereins zur Hebung deutscher Dichtung",
um die namentlich Chr. Bertram in Bückeburg
und Ludwig Lohauß in Friedenau-Berlin sich be
mühten, dem Blatte zu helfen, konnten es nicht
erhalten. — Die Redaktionsführung, die nach dem
eigenartigen Charakter des Organs gewiß keine
leichte war, da sie zwischen der Veröffentlichung
des häufig eingesandten Minderwertigen und der
Gefahr, dessen Verfasser zu verschnupfen, nur die
Wahl ließ, ist mit großem Geschick und Feinheit
durchgehalten, seiner Neigung zu feinem, aber
harmlosen Spotte, die eigentlich nur der ihm
Nahestehende kennen lernte, ließ Richard Trömner
in den Briefkastennotizen gern einmal die Zügel
schießen.
Eine zweite, besonders um die dem hessischen
Sagenkreise entnommenen Stoffe bereicherte Aus
gabe der „Lieder und Balladen" erschien
unter des Verfassers Namen zu Anfang der acht
ziger Jahre im Berlage von Baier L Co. in
Kassel, ebenso 1886 bei A. Freyschmidt „Wilhelms
höhe. Eine Schilderung in Hexametern", die vor
einigen Jahren nochmals eine ergänzte und durch
gesehene Auflage (Verlag Buchdruckerei Rich.
Trömner) erlebt, hat. In leichtem Plaudertone,
Ernstes und Heiteres, Naturschilderung und Ge
schichte mischend, so wandert er mit dem Leser
durch den Wilhelmshöher Park. Daß dabei keine
abwägende Geschichtsdarstellung geboten wird, ver
schlägt ja nichts, ein Kritiker der „Wilhelmshöhe"
hatte s. Zt. dies gerade, namentlich in Hinblick
auf die Worte über das Klosterleben auf Weißen
stein zu sprechen für nötig gefunden. Wer die
entsprechenden Zeilen, die allerdings nicht gerecht
sein wollen, verfolgt, wird sich den Dichter dazu
denken müssen, wenn er mit fröhlichem Behagen
bald seine Sarkasmen glitzern ließ, bald mit dem
vollen Zorne seiner Weltauffassung allen ihm un
sympathischen Kultusformen zu Leibe ging. Auch
Ntchar» Zrimtte« f.
hier stand er so ganz im Banne der Zeit, in
der er erwachsen, die kritisierten Zeilen zeigen,
daß Kulturkampfluft den Werdenden umwehte. —
Es ist diese Stelle aber auch die einzige, ab
gesehen von einigen Worten über Hessens ver
lorene Freiheit und Selbständigkeit, wo er gewollt
aggressiv wird. —
In den „Liedern und Balladen" kommt die
Seite seines Wesens noch mehr zum Vorschein, die
Richard Trömner völlw in der oben schon skiz
zierten Weise als den Spätling einer längeren, in
sich eng verknüpften Epoche deutscher Dichtung
zeigt. Dichtungen wie „Der Fund", ,, Kahnfahrt"
und „Wieder beim Liebchen" klingen wie die letzten
Sänge der Anakreontiker, „In der Fremde", „Im
Hafen von Funchal auf Madeira" oder „Meer
fahrt" möchte man, fast um so mehr, als auch
sie nur aus der romantischen Sehnsucht
geboren sind, neben ähnliche Gedichte Freiligraths
stellen, ebenso wie in jener Romantik auch die
Balladen die ähnlichsten Töne finden. Schade ist,
daß der zweiten Auflage der „Lieder und Bal
laden" einige kleine Gedichtchen fehlen, wie „Das