Full text: Hessenland (28.1914)

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Drei westfälische Töchter des Königs Jérôme: 
Melanie von Metersheim, Jenny von Pappenheim, Pauline von Schönfeld. 
Von Joachim Kühn. 
(Fortsetzung.) 
Daß sich die schöne Frau in ihrer Taktik nicht 
verrechnet hatte, sollte sich bald genug Heraus 
stellen. Jérôme vermochte sich nicht länger zu 
beherrschen: um sàen Qualen à Ende zu machen, 
gewährte er der Angcketeten alles, was sie wünschte. 
Am 15. Januar 1811 wurde Pappenheim Komman 
deur des Ordens von der westfälischen Krone. 
Fast genau neun Monate später, am 7. September 
1811, gab seine Frau auf Stammen einer Tochter 
das Leben.. Am 30. November wurde Pappenheim 
zum Lohn für seine Gefälligkeit in den Grafen 
stand erhoben. Wer Augen hatte zu sehen, der 
sah. Und nun erkannte auch Pappenheim, daß 
ihn sein Ehrgeiz zu weit getrieben, daß die Grafen 
krone nicht wert war, was er dafür geopfert. Er 
wurde einsilbig,'trübe, zog sich vom Hofe zurück. 
Endlich brach er zusammen. Am 30. Juni 1812 
schrieb Reinhard an Napoleon: „Der erste Kammer 
herr des Königs, Herr Graf von Pappenheim, 
ist seit einigen Wochen von einer Geistesstörung 
ergriffen worden, die nach einigen Wutanfällen 
eine an Verblödung grenzende Niedergeschlagenheit 
herbeigeführt hat. Er ist nach Paris gebracht 
worden. Seine Frau ist nach einem Gut ihres 
Vaters im Departement Niederrhein abgereist. Von 
der einen Seite wird die Erkrankung des Herrn 
von Pappenheim auf physische, von der andern 
auf moralische Ursachen zurückgeführt. Viel Geist 
hatte er nie; doch scheint er in strengen Prinzipien 
erzogen wordxn zu sein, von denen er, wie es 
heißt, nur abgewichen ist, um die Großkammerherrn 
würde zu erlangen — ein Ehrgeiz, der ihn zur 
Duldung gewisser seine Frau betreffenden Ab 
machungen bestimmt hat."*") Und am 4. Sep 
tember 1812 setzte Reinhard hinzu: „Der Graf 
von Pappenheim hat in Paris mehrere Schlag 
anfälle erlitten, die seine baldige Erlösung erhoffen 
lassen. Daß Frau von Pappenheim an den west 
fälischen Hof zurückkehrt, wird für wenig wahr 
scheinlich gehalten. Herr von Waldner, wird ver 
sichert, widersetzt sich dieser Absicht." n ) 
In der Tat scheint Diana nach der Katastrophe 
ihres Gemahls nicht mehr nach Kassel zurückgekehrt 
10 ) Du Sasse a. a. O., S. 403. 
u ) Du Sasse a. a. O., S. 423. Dadurch wird die 
von Lily Braun betonte Nottz Reinhards vom 26. August 
1812 (Du Sasse, S. 422), Diana sei nach Kassel zurück 
gekehrt und in der leerstehenden Wohnung des Groß- 
marschalls Grafen Wellingerode abgestiegen, von selbst 
widerlegt. 
zu sein? 2 ) Ob sie Pappenheim noch einmal ge 
sehen hat, ehe er am 3. Januar 1815 verschied, 
ist nicht bekannt. Fest steht nur, daß sie sich nach 
seinem Tode in Weimar niederließ; wo sich ihre 
Schwester Isabelle an den General von Egloffstein 
vermählt hatte und alte Beziehungen aus der 
Jugend lebendig geblieben waren. 1817 heiratete 
sie dort in zweiter Ehe den Wirklichen Geheimen 
Rat und Staatsminister Ernst Christian August 
von Gersdorff. In seinem Haus wurde das Kind 
groß, das sie wieder und wieder an ihre Schuld 
erinnern mußte: Jenny Katharina Rabe von 
Pappenheim. 
Wie diese Tochter Jsromes unter den Augen 
Goethes heranwuchs, wie sie mit den Prinzessinnen 
Marie und Augusta — der späteren ersten deutschen 
Kaiserin —am Stern spielte, wie sie 1822 in eine 
Straßburger Pension kam, wie sie in der Familie 
des Freiherrn Karl von Dürckheim verkehrte und 
mit dem Baron — Lilis Sohn — die Vogesen 
durchstreifte, wie sie im November 1826 nach Weimar 
zurückkehrte und im kosmopolitischen Schöngeister 
kreise Ottilie von Goethes eine Rolle zu spielen 
begann, das alles darf als bekannt vorausgesetzt 
werden. Nachgetragen und betont sei nur, daß ihr 
das Geheimnis ihrer Geburt bei ihrer Intelligenz 
kaum so lange verborgen geblieben sein kann, wie 
Lily Braun annimmt; geht doch aus Notizblättern, 
die in Barnhagen von Enses fast nie versagenden 
Kollektaneen liegen, mit aller Deutlichkeit hervor, 
daß ihre Herkunft bereits in den dreißiger Jahren 
allgemein bekannt war. „Daß Hieronymus Bona 
parte ihr Vater war, wurde von niemandem be 
zweifelt, der am westfälischen Hofe gelebt", schreibt 
der berühmte Publizist auf einem Zettel, „die 
Mutter selbst Lestand es mittelbar ein, und die 
Ähnlichkeit sprach es laut aus. In der Schule 
nannten die Mitschüler die kleine Jenny den kleinen 
westfälischen Taler, und sie fragte zu Hause ganz 
unschuldig die Mutter, warum sie das täten?" 
Jawohl, die Ähnlichkeit sprach es laut aus. Alex 
ander von Sternberg, der viel im Gersdorffschcn 
Hause verkehrte, porträtiert in seinen leider so 
wenig gelesenen — bereits 1855 erschienenen — 
„Erinnerungsblättern" Jenny mit folgenden Wor- - 12 
12 ) Reinhard nennt zwar unter den Damen, die der 
Kömgin Anfang März 1813 nach Paris folgten, auch 
Frau von Pappenheim, seine Meldung ist aber offen 
bar irrig, denn unter den in Frankreich angekommenen 
westfälischen Hofdamen wird Diana nicht aufgeführt.
        

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