Full text: Hessenland (28.1914)

mtu. 196 
Der „Eiern von Brabant". 
Von Stabsarzt Has- Oranienstein. 
In sinniger und hochherziger Weise das An 
denken des Begründers des hessischen Gesamt- 
Fürstenhauses ehrend, hat der Großherzog von 
Hessen einen neuen Orden gestiftet. Er hat ihn 
den „Stern von Brabant" genannt nach Heinrich 
dem Kinde, dem Sohn Heinrichs des Großmütigen 
von Brabant und Enkel der heiligen Elisabeth, der 
als erster Landgraf aus dem Hause Brabant in 
Hessen herrschte, sich seine Residenz in Kassel 
gründend. 
In der vom 24. Juni datierten Stiftungsur 
kunde heißt es: „Um das Band, das Fürst und 
Volk innig verbindet, mit einem sichtbaren Zeichen 
zu bekräftigen, das wir aus besonderer Huld und 
Gnade Männern und Frauen verleihen wollen, 
die sich in unserm Dienste oder durch Werke der 
Nächstenliebe oder durch dem allgemeinen Besten 
dienende Bestrebungen zur Wohlfahrt des Landes 
auszeichnen, finden wir uns bewogen, einen Orden 
zu stiften. Im Angedenken an unsern erlauchten 
Ahnherrn, der heiligen Elisabeth Enkel, den ersten 
Landgrafen von Hessen und Begründer unseres 
fürstlichen Hauses, Heinrich, aus dem Herzogs 
stamme von Brabant, benennen wir den Orden 
Stern von Brabant und bestimmen den 
24. Juni zum Stiftungstag. Der Orden Stern von 
Brabant steht unserem Verdienstorden Philipps des 
Großmütigen gleich." 
Der Orden hat folgende Klassen. Großkreuz, 
Großkomtur mit Türkisen, Großkomtur 1. Klasse, 
Komtur 1. und 2. Klasse, Ehrenkreuz 1. und 
2. Klasse, Ritterkreuz 1. und 2. Klasse und Sil 
bernes Kreuz in zwei Klassen. Zu dem Groß- 
komturkreuz 2. Klasse, dem Komturkreuz, Ehren 
kreuz, Ritterkreuz und Silbernen Kreuz kann auch 
die Krone verliehen werden. Außerdem werden noch 
Medaillen des „Sterns von Brabant" verteilt. 
Der Damenorden des „Sterns von Brabant" zer 
fällt in 5 Klassen, nämlich in Ehrenkreuz, Dame 
des Sterns von Brabant 1. und 2. Nasse, Dame 
des Silbemen Kreuzes und Dame der Medaille. 
Das Ordenszeichen besteht in einem Kreuz aus 
schwarz-grauepi Schmelzwerk mit goldener Um 
rahmung und aufgelegtem achtspitzigen goldenen 
Stern, dessen Mittelschild ein goldenes lateinisches 
8 mit darüher befindlicher Krone ohne Bügel 
trägt. Die einzelnen Klassm haben besondere Aus 
stattung. Der Ordm wird an einem schwarz 
seidenen moirierten Ordensband getragen, das am 
Rande je einen breiteren und einen schmäleren 
goldgelbm Streifen besitzt. Auf dem Großkreuz 
befinden sich vier schwarze Buchstaben 8 V N. .W 
(Fürst, Volk, Nächstenliebe, Wohlfahrt). 
In dem oben erwähnten „Philippsorden" besitzt 
Hessen bereits einen Orden, der dem Andenken an 
einen großen Fürsten gewidmet ist, an Philipp den 
Großmütigen, der bei seinem Tode (1567) die ge- 
trennten Linien Hessen-Kassel und Hessen-Darm 
stadt stiftete. Hessen-Darmstadt hatte ursprünglich 
beabsichtigt, diesen 1440 gestifteten Orden mit Nrr- 
hessen als gemeinsamen Hausorden zu gründen, 
erfuhr aber bei diesem Vorschlag von seiten Kur- 
hessens — die beiden „Bettem" standen sich ja 
nie sonderlich — eine glatte Ablehnung. 
Daß Hessen-Darmstadt seit 1875, bzw. dem Tod 
des letzten Kurfürsten, den von Landgraf Fried 
rich II. von Hessen-Kassel gestifteten „Hausorden 
vom goldenen Löwen" übemommen hat, ist wenig 
bekannt, noch weniger aber, daß es schon vor fast 
150 Jahren einen weiteren Orden besessen hat, 
der dem Andenkm eines gemeinsamen Mitgliedes 
des Gesamthauses Hessen geweiht war, den 1766 
gestifteten „Orden der heiligen Elisabeth", der 
jedoch bald wieder einging. 
Kassel in Dingelstedlscher Beleuchtung. 
Bon JoachimKühn. 
(Schluß.) 
Die Erinnerung an Johannes v. Müller führt 
mich auf die natürlichste Weise von der Welt auf 
die hiesige Geschichtsschreibung, an der allerdings 
erfreulichere Früchte als auf dem Felde der Poesie 
gedeihen. Rommel ist fortwährend für vater 
ländische Historie tätig und steht an der Spitze 
eines historischen Vereins, der jetzt ein eigenes 
Blatt herausgibt. Man hätte damit nicht so eilen 
sollen. Ein historischer Verein braucht nicht, wie 
ein Kunstverein, alljährlich oder in noch kürzeren 
Zwischenräumen ausdrückliche Zeugnisse seiner 
Wirksamkeit abzulegen; er schafft langsam, beschleu 
nigte Tätigkeit, vor der Zeit gewonnene Ernte sind 
auf dem Felde historischer Forschung immer ein 
mißlich Ding. Auch für Rechtswissenschaft und 
Stattstik geschieht bei uns immer mehr, wie für
	        

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