Full text: Hessenland (27.1913)

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Aus Heimat und fremde. 
Fuldaer Geschichtsverein. Auf der 
diesjährigen Generalversammlung am 1. Dezem 
ber erstattete der Vorsitzende Oberbürgermeister 
vr. A n t o n i den Jahresbericht. Die Mitglieder 
zahl beträgt jetzt 155, gegen das Vorjahr 21 mehr. 
Auch die Zahl der mit dem Verein im Schriften 
austausche stehenden wissenschaftlichen Vereine, In 
stitute usw. ist um 4 auf 95 gestiegen. Zwei 
wissenschaftliche Arbeiten sind vom Verein heraus 
gegeben worden, vr. Richter, Die Schriften Georg 
Witzels bibliographisch bearbeitet. Nebst einigen 
bisher ungedruckten Reformationsgutachten und 
Briefen Witzels. Ferner vr. Glöckner, Die Mund 
arten in der Rhön. Im Berichtsjahre fanden 
mehrere geschichtliche Borträge statt. Nach der 
vom Vereinskassierer vorgetragenen Jahresrech 
nung 1912/13 betrugen die Einnahmen 2144,05 M. 
und die Ausgaben 1721,08 M. Rüstig vorgeschritten 
ist die vom Geschichtsverein vor einigen Jahren 
in Angriff genommene Flurnamensammlung des 
Kreises Fulda. Bis auf geringe Ausnahmen haben 
sich in entgegenkommender Weise die Lehrer in 
den Dienst der Sache gestellt und die Sammlung 
der Flurnamen übernommen. Hierfür gebührt 
ihnen die wärmste Anerkennung. Der seitherige 
Vorstand wurde wiederbewählt. Nach Abwickelung 
dieses geschäftlichen Teiles hielt der Konservator 
des städtischen Museums zu Fulda Professor Van 
der a u einen Vortrag über die von ihm geleite 
ten Ausgrabungen am hiesigen Domplatze. Wie 
so viele andere alte Kirchen, hatte auch die alte 
Stiftskirche zu Fulda an ihrer Ostseite einen statt 
lichen Vorbau mit Irmenhof, ein sog. Paradies. 
Diese Anlage wurde beim Bau des jetzigen Domes 
zu Beginn des 18. Jahrhunderts beseitigt. Um 
die Lage dieses Paradieses festzustellen wurden 
unter Vonderaus Leitung mit finanzieller Unter 
stützung von verschiedenen Seiten, auch des Ful 
daer Geschichtsvereins, im Laufe des Sommers 
auf dem Domplatze Ausgrabungen vorgenommen. 
Hierbei wurde ein Teil der Grundmauern jener 
Anlage und ein auf der Mauer stehender Sarko 
phag freigelegt. Daß der in dem Sarkophag Bei 
gesetzte König Konrad I. war (verschiedene Blätter 
meldeten dies), wird als ausgeschlossen bezeichnet, 
so sicher es auch ist, daß dieser in Fulda beerdigt 
liegt. Die Inschrift der bei dem Skelett gefun 
denen Bronzetafel deute auf einen vom Heiden 
tum zum Christentum übergetretenen Sachsen. 
Weiter wurde in der Diskussion die Ansicht aus 
gesprochen, es handle sich bei dem Fund um einen 
Sachsen aus der Zeit Karls des Großen oder aus 
etwas späterer Zeit. Die Ausgrabungen wurden 
in Fulda mit lebhaftem Interesse verfolgt. Auch 
Professor Vonderau, der seine hochinteressanten 
Ausführungen durch Pläne, Skizzen und Fund 
stücke erläuterte, und die Diskussionsredner fanden 
dankbare Zuhörer, die sehr zahlreich erschienen 
waren. In einer der nächsten Nummern der Ful 
daer Geschichtsblätter (Zeitschrift des Fuldaer Ge 
schichtsvereins) soll eine Abhandlung über die Aus 
grabungen am Domplatze aus der Feder Professor 
Vonderaus erschein en. 
Die Ortsgruppe H ü n f e l d des hessische n 
Geschichts Vereins brachte an ihrem zweiten 
Geschichtsabend in diesem Winterhalbjahre einen 
Vortrag des Vorsitzenden über die Kämpfe der 
Verbündeten gegen Napoleon in Frankreich 1814 
bis 1815 und den ersten und zweiten Pariser 
Frieden. Hierauf sprach k Superior vr.Pietsch 
über die Rüc^abe der von Napoleon geraubten 
Kunst- und Bibliothekschätze. Im Anschluß an 
diesen Vortrag wies der Vorsitzende darauf hin, 
daß auch der französische General Thiöbault, 1805 
bis 1807 Gouverneur der Provinz Fulda, mancher 
lei von Fulda nach Paris sandte, so z. B. einen 
wertvollen Handschriftensatz, etnia 3000 Flaschen 
Johannisberger aus 1779, einem der besten Wein 
fahre des 18. Jahrhunderts usw. Landrat v. I e r i n 
berichtete einiges von der Breslauer Jahrhundert- 
Ausstellung und empfahl eindringlich die Unter 
stützung unseres Heimatmuseums. 
P h o t o g r a p h i s ch e r W e t t b e w e r b. Vom Ver- 
kehrsverband für Hessen und Waldeck wurde in Ver 
bindung mit dem Bund deutscher Berkehrsvereine ein 
Wettbewerb für Photographien veranstaltet. Das Preis 
gericht in Leipzig hat beschlossen, drei gleiche Preise für 
die eingereichten photographischen Aufnahmen aus Hessen 
und Waldeck zu verteilen, und die Aufnahmen der nach 
folgenden Bewerber preiszukrönen Hofphotoaraph F. 
B i n g e l in Hersseld für eine Sammlung hessischer Auf 
nahmen, Hofphotograph ft. E b e r t h - Kassel für Städte- 
und Landschaftsbilder, Sport- und Trachtenaufnahmen 
aus Hessen, Frau Professor E g e in Arolsen für Auf 
nahmen aus Waldeck. 
Aus ft st H e l. Gegenwärtig wird der Fürstenhos 
in der ftönigsstraße, der bekanntlich auch dem deutschen 
Kaiser und dem Prinzen Heinrich während ihrer Kasseler 
Schulzeit zum Aufenthalt diente, einer Herstellung unter 
zogen, da des Kaisers Sohn Prinz Joachim zur Dienst 
leistung in das .Kasseler Husarenregiment kommandiert 
wurde. — Bei der vom Magistrat vorgenommenen Prä 
sentationswahl des Vertreters der Stadt Kassel im 
Herrenhause wurde Oberbürgermeister ft o ch mit 21 
von 22 abgegebenen Stimmen gewählt. 
-»Hfr 
Hessische Bücherschau. 
Hessischer Kunstkalender 1914 von Hans 
M e y e r k a s s e l. (12 Steinzeichnungen.) 
Preis 2,80 M. 
Den Freunden der hessischen Heimatkunst ist der seit 
Jahren von Hans Meyerkassel herausgegebene 
„Hessische Kunstkalender" ein lieber Bekannter und eine 
willkommene Gabe. Auch heuer wiederum bietet das 
Werk prächtige Darstellungen hessischer Landschaften und 
Ortschaften, die dem reichen künstlerischen Können des 
Herausgebers das beste Zeugnis ausstellen. Die Kunst
	        

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