Full text: Hessenland (27.1913)

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aus diesen Notizen hervorgeht, die Beteiligung 
auch Wundärzten möglich gewesen sein, da 
unter den Mitgliedern gerade die Namen des 
Oberchirurgen Breidenbach und des Chirur- 
gus Altmüller erwähnt werden. Einige Jahre 
später hat Dr. Karl Neu der bald nach seiner 
Niederlassung in Kassel sich der Lesegesellschaft 
tatkräftig angenommen, wie die späteren Ver 
handlungen bei der Gründung der ärztlichen 
Gesellschaft unzweideutig beweisen. Ich habe 
versucht, mir gerade über die beiden Kollegen 
Mangold und Neuber, die ohne Zweifel die 
treibenden Kräfte bei der Gründung und Lei 
tung der Ärzte-Gesellschaft gewesen sind, einige 
biographische Notizen zu verschaffen, um durch 
ihre Festlegung auch für spätere Zeiten dem 
Andenken dieser beiden ver- 
dienteu Männer gerecht zu 
werden. Die Nachrichten über 
Karl Mangold verdanke ich 
seiner noch jetzt in Kassel leben 
den Tochter, die Nachrichten 
über Karl Neuber seinem in 
zwischen verstorbenen Sohn, 
dem hessischen Geschichtsfor 
scher Kanzleirat Neuber. Karl 
Mangold wurde am 28. Juni 
1796 als Sohn des Militär 
arztes Julius Mangold zu 
Kassel geboren. Er studierte 
in Marburg und wurde bereits 
mit 19 Jahren zum Doktor 
promoviert. Er hat zeit seines 
Lebens hier in Kassel prakti 
ziert und sich im Kreise seiner 
großen Klientel hohen Ansehens 
erfreut. Er wurde Ende der 20 er Jahre 
Medizinalrat und bereits im Jahre 1832 
Obermedizinalrat. Im Jahre 1865 feierte er 
in voller Rüstigkeit sein 50jähriges Doktor 
jubiläum, und noch mit 70 Jahren war er so 
auf der Höhe seiner Leistungsfähigkeit, daß 
er auch nachts jedem Rufe folgte, der an ihn 
erging. Erst im Jahre 1881 starb er hoch 
betagt. Seine Persönlichkeit wird einzelnen 
unserer älteren Kollegen noch deutlich in Er 
innerung sein. 
Karl Neuber wurde am 3. September 1793 
zu Kassel geboren und ging nach entsprechen 
der Schulbildung zunächst bei einem hiesigen 
praktischen Wundarzt in die Lehre. Dann 
studierte er zu Göttingen Medizin, wurde 1812 
Lousaiäo edirurAien beim westfälischen Regi 
ment der Königin und machte 1813 den Feldzug 
in Sachsen mit. Er wurde am 31. Oktober 
Dr. Karl Mangold. 
1813 von den Preußen gefangen und proviso 
risch am Militärhospital zu Halle angestellt. 
In Halle wurde er im April 1814 mit einer 
Dissertation „Do vulneribus sclopetariis“junt 
Doktor promoviert, kehrte dann nach Kassel 
zurück und übte hier die ärztliche Praxis aus. 
Im Jahre 1819 wurde er zum zweiten 
Brunnenarzt in Bad Nenndorf ernannt und 
im Jahre 1832 zum Arzt des Landkranken 
hauses, der alten Charitee. Im Jahre 1838 
wurde er Mitglied des Obermedizinalkollegi 
ums und starb nach halbjährigem Kranksein 
am 28. Oktober 1839. 
Am 31 März 1823 erließ Mangold folgen 
des Rundschreiben: 
„Der große Nutzen, welchen ärztliche Gesellschaften teils 
durch die Bereicherung an Kenntnissen, 
teils durch die Begründung eines mehr 
kollegialischen Verhältnisses unter den 
Ärzten selbst haben, ist wohl längst 
anerkannt und wird durch die in an 
deren Städten bestehenden ähnlichen 
Institute bestätigt. Auch bei uns ist 
das Bedürfnis eines solchen Vereins 
schon von vielen Ärzten gefühlt und 
ausgesprochen worden, weshalb ich den 
Wünschen der Mehrzahl zuvorzu 
kommen glaube, wenn ich meine ge 
ehrten Herren Mitärzte einlade, zu 
einer solchen Vereinigung zusammen 
zu treten. Je nach der Zahl der Teil 
nehmer könnte eine solche Gesellschaft 
entweder in einem besonders dazu 
gemieteten Lokal zusammen kommen, 
oder nach einer bestimmten Reihen 
folge in den Wohnungen der einzelnen 
Mitglieder. Mit Rücksicht auf diese 
Verschiedenheit bitte ich meine Herren 
Mitärzte, sich gefälligst darüber zu 
erklären, ob sie an einer solchen Gesell 
schaft Anteil nehmen wollen und, sollte 
die Zahl der Teilnehmer nicht hinreichend sein, die Kosten 
eines Lokals zu decken, ob sie alsdann einer solchen, in den 
Wohnungen der einzelnen Mitglieder zu haltenden Ver 
einigung beizutreten geneigt sind. 
Das Resultat dieser Abstimmung werde ich demnächst 
die Ehre haben zur Kenntnis der Herren Interessenten 
zu bringen und alsdann einen Ort zu einer allgemeinen 
Versammlung vorschlagen, wo das Nötige die allgemeine 
Einrichtung eine solche Gesellschaft betreffend verab 
redet werden kann. 
(gez.) Mangold, Dr." 
Dieses Schreiben ging an die 18 damals 
außer Mangold in Kassel praktizierenden Ärzte. 
Es waren dies die Herren Doctores Grandi- 
dier sen und jun., Waitz, Cramer, Döring, 
Harnier sen und jun., Heräus, Becker, Wehr, 
Wagner, Valentin, Schuchardt, Bauer, 
Schilde, Speyer, WaldmannundNeuber. 
Die meisten erklärten sich ohne weiteres damit 
einverstanden. Dr. C. Grandidier schlägt die 
„Ausmittlung" eines besonderen Lokals vor,
	        

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