Full text: Hessenland (27.1913)

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Aus Heimat und fremde. 
M arbnrger H o ch f ch u l n a ch r ich t e u. In 
feierlicher Weife wurde am li). Oktober der neu- 
gewählte Rektor, Geh. Justizrat Prof. Dr. Träger, 
in sein Amt eingeführt, Rach einem Vortrage des 
akademischen Konzertvereins erschienen in dem von 
einem zahlreichen Publikum besetzten Saale die 
Chargierten der studentischen Verbindungen im 
Schmuck ihrer Waffen und Fahnen. Dann er 
stattete der letztjährige Rektor Prof. vr.Trö lisch 
den Bericht über sein Amtsjahr, aus dem zu ent 
nehmen ist, daß das neue physikalische Institut und 
die psychiatrische Klinik in diesem Jahre noch fertig 
gestellt, sowie daß im nächstjährigen Landesetat die 
Mittel für ein neues VerwaltungS- und Hörsaal 
gebäude gefordert wurden. Alsdann überreichte der 
Redner dem neuen Rektor die Insignien seiner 
Würde Szepter, Purpurmantel, Hut und Schlüssel. 
Geheimrat Träger ergriff nun das Wort zu seiner 
Antrittsrede, in der er, anknüpfend an die Jubiläums 
feier der Schlacht bei Leipzig, über den Freiheits- 
begrifs sprach. Mit einem abermaligen Vortrag des 
akademischen Gesangvereins fand der Festakt sodann 
sein Ende. Professor vr. Karl Kalbfleisch 
wurde vom Großherzog von Hessen zum ordent 
lichen Professor in der philosophischen Fakultät der 
Universität Gießen ernannt. - Der frühere lang 
jährige Direktor der Marburger Frauenklinik Geh. 
Medizinalrat Professor vr. Friedrich Ahlfeld be 
ging am 16. Oktober seinen 70. Geburtstag. 
Aus K affe l. Anläßlich der Tausendjahrfeier st i f - 
tote n u. a.. Geheimrat vr. Hcnschel weitere 250 (XX) 
M. zur Errichtung eines Schwimmbades, der Große 
Kasseler Bürgerverein 31000 50?. zur Unterstützung armer, 
pflegebedürftiger Kinder, daS Bankgeschäft L. Pfeiffer 
10 (XX) M. zur Verschönerung der Altstadt, der Kasseler 
VerschönerungSverein einen Wandbrunnen an der Stadt 
balle von den weiteren Stiftungen seien noch eine 
Anzahl Gemälde und Handzeichnungen für die neu zu 
begründende städtische Gemäldegalerie sowie 2000 Bände 
und eine Handschriftcnsammlung für die Murhardsche 
Bibliothek erwähnt. — Die Stadtverordneten bewillig- 
ten 20 (XX) M. für einen botanischen Schulgarten in 
Schönfeld. - Schon wieder konnte Kassel, „die Stadt 
der Schulen", ein neues Schulgebäude eimveihen, und 
zwar die in der Psenburgstraße zwischen Möncheberg 
und Weserstraße gelegene Oberrealschnle II. Der dem 
Barock entlehnte stattliche und zweckmäßige Bau ivurde 
am 14. Oktober feierlich seiner Bestimmung übergeben. 
- Tie weltbekannte Schmidtsche Heißdamvsgeiellschaft 
konnte in diesen Tagen die 25 000. Bestellung eurer 
Heißdampflokoinotive begehen. 
Die Jahrhundertfeier der B ö l k e r - 
s ch l a ch t bei Leipzig ivurde, tvie vor 50 Jahren, 
auch diesmal in ganz Hessen feierlich begangen. Am 
Abend des IN. Oktober flammten auf allen Höben 
Frrudenfeuer auf - vom Herkules sah man allein in 
westlicher Richtung 18 Feuer zu gleicher Zeit. Festzüge, 
Festgottesdienste und andere Veranstaltungen fanden selbst 
in den kleinsten Orten statt. Wir müssen uns deshalb 
daraus beschränken, nur die Hauptveranstaltungen in 
der Residenz Kassel kurz aufzuzählen. Schon in der Frühe 
des 10. Oktober hatte der Verband vaterländischer Ver 
eine eine erhebende Feier am Hessendenkmal auf dem 
Forst veranstaltet, ivo u. a. Generalleutnant Fritsch, Exz., 
Eisenbahnsekretär Henning, Redakteur Schwarz und Oberst 
Hellwig sprachen. Eine ähnliche Feier fand am Hessen 
löwen in der Karlsaue statt. Im Mittelpunkt der Ver 
anstaltungen stand neben den Festgottesdiensten und der 
ParoleauSgabe auf dem Friedrichsplatz die Feier auf dem 
Bowlinggreen, wohin sich nachmittags drei Festzüge 
bewegten, die sich auS fast allen Kasseler Vereinen, 
den Schulen und Innungen zusammen setzten und wohl 
15 000 Teilnehmer umfaßt haben mögen. Redner waren 
hier General z. D. von der Boeck, Pfarrer Stein und 
General Berndt, während der Kurhessische Sängerbund 
die imvosante Feier durch weihevolle Liedervorträge er 
gänzte. Der Abend brachte neben patriotischen Veran 
staltungen in den Kirchen zwei stark besuchte Kommerse 
im Stadtpark und der Stadt Stockholm. Erwähnt sei noch, 
daß der so glänzend verlaufene Eilbotenlauf zum Völker 
schlachtdenkmal mit der Etappe IX (Waterloo — Leipzig) 
auch Hessen (am 17. Oktober 6 Uhr 34 nachmittags 
Kassel) berührte. 
Auszeichnungen. Es erhielten: auf der Inter 
nationalen Baufach-Ausstellung in Leipzig die Stadt 
Kassel sowie das Institut für geodätische Instrumente 
von W. Stiegel, Kassel die goldene Medaille, die 
Farbenfabrik Rosenzweig & Baumann, Kassel 
als einzige Farbenfabrik die höchste Auszeichnung, den 
Königlich Sächsischen Staatspreis, die R. G. E l w e r t - 
sche Verlagsbuchhandlung in Marburg für ihre Aus 
stellung, besonders von Werken über hessische Baukunst, 
die silberne Medaille, ferner auf der Wiener inter 
nationalen Ausstellung anläßlich des Naturforscher 
und Ärztekongresses die Firma W. Braun, Melsungen 
für ihre pharmazeutischen Präparate und chirurgischen 
Nähmaterialien die höchste Auszeichnung für Ausländer, 
die goldene Medaille und das Ehrenkreuz zur goldenen 
Medaille. 
P e r s o n a l ch r o n i k. Zahnarzt Scheele in Kassel 
wurde zum Vorsitzenden der preußischen Zahnärztekammer 
gewählt. 
Todesfall. Am 9. Oktober verschied plötzlich im 
64. Lebensjahr am Herzschlag der Stadtrat und Rech 
nungsrat Nikolaus S tippich zu Kassel, dessen 
Tod einen schmerzlichen Verlust für das Kasseler Ge 
meinwesen bedeutet. Seit 1894 gehörte er dem früheren 
Bürgerausschuß an, seit 1898 war er Mitglied der 
Stadtverordnetenversammlung, wo er zehn Jahre als 
stellvertretender Schriftführer dem Büro angehörte, dann 
wurde er in den Magistrat gewählt. Er war Mitglied 
zahlreicher Kommissionen und hat sich namentlich in der 
Verkehrskommission mit größter Hingabe betätigt, wie 
er sich denn auch um die Hebung des Kasseler Verkehrs- 
wesens wirkliche Verdienste erworben hat. Die Kasseler 
Bürgerschaft hat durch das Hinscheiden dieses Magistrats 
mitgliedes viel verloren. 
Der 100. G e b u r t s t a g W eorg B ü ch n e r s, 
des mit 24 Jahren jäh dahin gerafften Dichters von 
„DantonS Tod", fiel auf den 17. Oktober. Eben dieses 
geniale, aber unfertige Erstlingsdrama war längst all 
gemein bekannt, während seine viel bedeutenderen Dich 
tungen nur von wenigen in ihren hohen dichterischen 
Schönheiten genossen wurden. Die letzte, von Karl Emil
	        

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