Full text: Hessenland (27.1913)

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dieses Projekt durch die Person des Vermittlers, 
des berühmten Möbelsabrikanten, „KabinetmacherS" 
und „Ehernsten", David Roentgen von Neuwied, 
der im eigenen Geschäftsinteresse den Plan betrieb, 
nachdem schon vor einigen Jahren ein Versuch, eine 
Filiale seiner eigenen Fabrik nach Kassel zu ver 
legen, gescheitert war. Er vermittelte eine Korre 
spondenz des Landgrafen mit dem Bischof der 
Brüdergemeinde. Gottlieb August Spangenberg in 
Barby, die indessen resultatlos blieb und auch dem 
eifrigen Geschäftsmann nicht einmal den ersehnten 
Kommerzienratstitel eintrug. Die Brüderunität, 
damals auch von anderen Dynasten umworben, 
lehnte das Anerbieten des Landgrafen ab, weil 
dieser, dem im merkantilistischen Interesse allein 
daran gelegen war, in den Brüdern geschickte Pro- 
sessionisten und steißige Gewerbetreibende ins Land 
zu ziehen, sich in seinen Versprechungen kirchlicher 
und bürgerlicher Freiheiten doch nicht zu sehr 
binden wollte. 
Marburger Hochschulnachrichten. Unser 
Privatdozent der Astronomie und Meteorologie, 
vr. Alfred Wegener hat nach einem hier ein 
gelaufenen Telegramm Grönland von Osten nach 
Westen glücklich durchquert. Die Expedition, die er 
zusammen mit dem dänischen Hauptmann Koch aus 
geführt hat, hat die Nachricht ihrer Ankunft in 
Tröwen an der Westküste Grönlands an das Komitee 
zu Kopenhagen gelangen lassen, von dem die Nachricht 
dann weitergegeben worden ist. (Die Expedition 
verließ am 20. April das Winterquartier aus d.em 
Inlandeis mit fünf Schlitten und fünf Pferden, 
um den 1200 Irin langen Marsch nach der West- 
lüste Grönlands anzutreten. Die Expedition hatte 
sehr viele Schwierigkeiten zu überwinden, am 2. Juli 
mußte das letzte Pferd, am 15. Juli der einzige 
mitgenommene Hund geschlachtet werden. Mit dieser 
Expedition ist seit Nansen s1888j die vierte Durch 
querung Grönlands geglückt, abgesehen von den im 
höchsten Norden verlaufenen Expeditionen PearyS.) 
— Mit einer Antrittsvorlesung über „Die Realität 
des Allgemeinen" habilitierte sich vr. phil. Heinz 
HeimSoeth. 
Regimentsjubiläen. Fünf Hundertjahrfeiern ehe- 
maliger kurhesftfcher Regimenter fielen in den August. 
Am 3. August fand die feierliche Enthüllung deS Hessen- 
denkmals auf der Höhe von Elsaßhausen bei Wörth statt. 
daS dem 1. Kurhessischen Feldartillerie-Regiment 
N r. 11 von ehemaligen Angehörigen gestiftet war. An 
dem in Form eines achteckigen Aussichtsturms errichteten 
imposanten Bau. bei dem die Eäulenträger der hohen 
Fensteröffnungen aus den letzten noch im Berliner Zeughaus 
vorhandenen 4- und 6pfündigen Geschützrohren gebildet 
werden, hielt General E i s e n t r a u t die Festrede, der An 
sprachen des Oberstleutnants z. D. Henrici des Obersten 
deS Regiments, Freiherrn v o n P r e u s ch e n des Professors 
vr. Fennel, des Stadtrats Kühnemann und des Haupt 
manns der Landwehr Scheel folgten. Am 5.- 7. August 
fand dann die eigentliche Hunderjahrfeier des Regiments 
in Kassel statt, zu der die Sonderzüge außerordentlich viele 
Elfer aus allen Gauen Deutschlands in ihre alte Garnison- 
stadt brachten. Glänzende Reiterfestspiele auf dem Kasernen 
hof leiteten daS Fest ein, ein großer Festkommers, an dem 
stch gegen 9000 Personen beteiligten, schloß sich an. Der 
nächste Tag brachte große Parade auf dem Friedrich-platz, 
bei der 150 ehemalige kurhesfische Artilleristen die kur- 
hessische Erinnerungsmedaille erhielten. Bon den ehemaligen 
kurhesfischen Offizieren des Regiments sind noch am Leben 
Franz A l f e r m a n n, Generalarzt a. D. in Kassel, Sieg 
mund Breithaupt Oberstleutnant a. D. in Kaffel, 
Georg Burkhardt v o n K i e tz e l l. Major z. D. in Darm 
stadt . Oskar v. Normann. Oberstleutnant a. D. auf 
Schloß Miltenberg bei Afchaffenburg, Rudolf Wilhelm 
v. Pfister, Generalmajor a. D. in Kassel, Hermann 
Paul Scheffer, Major a. D. in Kaffel Wilhelm 
V o l m a r, Major a. D. in Kassel. An Geschenken erhielt 
das Regiment u. a. von der Stadt Kaffel wertvolles Tafel 
silber. Wein aus ihrer Kellerei und 1500 M. Beisteuer 
zum UnterstützungsfondS, von Senator Polizeidirektor Otto 
Grrland-Hildesheim das Bild des früheren Obersten und 
Regimentskommandeurs, des ehemaligen Generalmajors 
Gerland. der das Regiment 1826—52 führte, und von 
anderer Seite das Bild des Obersten Koeler, der das Re 
giment 1814—15 geführt hat. 
Gleichfalls in den Anfang August fiel die Hundertjahr- 
frier des 2. Kurh. Jnf.-Regts. Nr. 82 in Göttingen. 
in deren Mittelpunkt eine Festvorstellung im Stadttheater 
und ein großer Festzug mit 22 Gruppen stand. 
Gegen 5000 ehemalige Angehörige beteiligten sich an dem 
im überaus festlich geschmückten Marburg vom 9.—11. August 
begangenen Jubiläum des Kurh. Jäger-Bataillons 
Nr. 11. Konzert. Kommers. Vorführung der aktiven 
Mannschaft. Festgottesdienst, Parade, Bataillonsappell und 
Preisschikßen bildeten das wohlverlaufene Programm. Der 
älteste Jägerveteran war der Marburger Kratz vom Jahr 
gang 1846. 
Zu der in den Tagen vom 16. und 17. August ab 
gehaltenen Hundertjahrfeier des Infanterie-Regiments 
von Wittich (3. Kurhess.) Nr. 83 schließlich trafen 
über 22 000 ehemalige Angehörige des Regiments, dar 
unter 165 aus kurhessischer Zeit, in Kassel ein. daS in 
allen Stadtteilen mit Fahnen und Girlanden reich ge 
schmückt war und damit bezeigte, wie regen Anteil es an 
diesem Fest seiner 83er nahm. Die Feier wurde durch 
Zapfenstreich und Feiern der einzelnen Kompagnien ein 
geleitet. Am Sonntag war großes Wecken, dann Regi 
mentsappell und religiöse Feier auf dem Kasernenhof. 
Der Parade auf dem Friedrichsplatz, die leider vom Regen 
beeinträchtigt wurde, wohnte außer dem kommandierenden 
General Sr. Exzellenz von Scheffer-Bohadel auch der Ehef 
des Regiment«, der Fürst von Waldeck nebst Gemahlin 
bei. Turnspiele der Mannschaften und Festessen der Offi 
ziere, Mannschaften und ehemaligen Regimentsangehörigen 
bildeten auch hier den Beschluß der Gedenkfeier, die zahl 
reiche Ordensauszeichnungen brachte. 
In dieselbe Zeit fiel auch das Jubiläum des 1. K u r h e s s. 
Husarenregiments Nr. 13 in Diedenhofen. bei dem 
sich dessen Chef, der König von Italien, vertreten ließ. 
Kasseler Dichterbuch. Auch die Kasseler Dichter 
und Dichterinnen rüsten sich, das JubiliäumSjahr würdig 
zu begehen. Sie tun dies durch Herausgabe eines Kaffeler 
Dichterbuches lVerlag A. Frryschmidt. Kassel). Das Buch 
wird, soweit es der Raum zuläßt, einen Überblick über die
	        

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