Full text: Hessenland (27.1913)

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schon wieder an der Schlacht bei Breitenfeld teil 
und eroberte 1643 eine Anzahl fester Plätze in 
Mähren. Am 12. Februar 1645 wurde er, mit 
wichtigen Schriftstücken auf einer Reise nach Leipzig 
begriffen, von den Kaiserlichen bei Borna gefangen 
genommen. Bald ausgewechselt, führte er in der 
Schlacht bei Jankau das schwedische Zentrum und 
belagerte dann wieder verschiedene Plätze in Mähren. 
1646 übernahm er mit Genehmigung der Königin 
Christine von Schweden den Oberbefehl des hessischen 
Fußvolkes und trat, nachdem er im Winter 1646/7 
mit anderen Kommissaren in Ulm wegen des mit 
Bayern abzuschließenden Waffenstillstandes ver 
handelt hatte, anfangs 1647 als Generalleutnant 
völlig in hessische Dienste. Mit Übergehung zweier 
älterer Generalwachtmeister erhielt er den Ober 
befehl des hessischen Heeres. Als am 1. April 
1647 der mit Hessen-Darmstadt abgeschlossene 
Waffenstillstand abgelaufen war, nahm er in dem 
nun wieder ausbrechenden „Hessenkriege" den Darm 
städtern und ihren Verbündeten Friedberg, Reifen 
berg, Merlau, Königsberg, Blankenstein, Burg 
solms, St. Goarshausen, die Katz, Hohenstein, 
Kaub, Gutenfels, Reichenberg und die Pfalz im 
Rhein ab. Als er dann den vom Obersten von 
Koppenstein tapfer verteidigten Rheinfels angriff, 
zerschmetterte ihm am 10. Juli 1647 eine Kanonen 
kugel das linke Bein. Infolge der sehr ungeschickt 
vorgenommenen Amputation starb er am 18. Juli 
aus dem Rheinfels, dessen am 14. erfolgte Übergabe 
er also noch erlebte. Er liegt in der Großen 
Kirche zu Kassel begraben. Er war verheiratet 
mit Anna von Longchamp. Aus der Zeit des 
30jährigen Krieges ist noch der Oberstleutnant 
Ludwig von Siegen zu Sechten zu er 
wähnen, der freilich niemals zum militärischen 
Dienste verwendet worden ist. 1609 in Utrecht 
geboren, studierte er bis 1623 in Kassel, wurde 
nach einigen Reisen Kammerjunker und Oberst 
leutnant am hessischen Hofe, ging 1641 nach 
Amsterdam, dann nach Wolfenbüttel, wo er Oberst 
wachtmeister wurde. Nach einem Aufenthalt in 
Mainz soll er 1680 in Woisenbüttel gestorben 
sein. Er war ein tüchtiger Kupferstecher und 
erfand die sog. Schwarzkunst (Schabkunst)?) 
Unter Landgraf Karl dienten 6 Holländer. Ein 
Hauptmann Kuylenberg stand im April 1689 
mit seiner Kompagnie in Amöneburg, besetzte aber 
am 8. desselben Monats die Stadt Fritzlar wegen 
verweigerter Zahlung der Kriegskosten für den 
oberrheinischen Kreis. Gerhard Burghard 
Rechter», Baron von Almelo wurde 1703 
als Oberst Chef des Regiments v. Tilemann gt. 
*) Vgl. den Aufsah von F r a n z G u n d l a ch in „Hessen 
land" 1891. S. 66. 
Schenk, 26. Juni 1706 Brigadier der Kavallerie 
und nahm in demselben Jahre seinen Abschied. 
S a m u e l v o n B o e r d h wurde 1708 Rittmeister 
in der Leibgarde zu Pferd, van Nyfeld 4. April 
1708 Fähnrich im Regiment zu Fuß v. Wilcke, 
van Steendorn 16. März 1708 Kornett im 
Leibregiment zu Pferd. Otto Christoph von 
Berschuer war 1703 holländischer Oberst und 
zeichnete sich bei der Belagerung von Bonn aus; 
am 17. Juli 1704 trat er als Generalmajor in 
hessische Dienste, wurde 1706 Chef der Artillerie. 
6. Oktober 1709 Generalleutnant. Er starb 1712 
auf dem Rheinfels, dessen Gouverneur erseit 1706war. 
Zur Zeit Landgraf Friedrichs II. standen an 
Holländern im hessischen Heere Erasmus Gou- 
dover, der 1766 Fähnrich im Regiment v. 
Donop, und Johann Peter van der Lahr 
de Smeth, der 1784 Kornett im Regiment Gens- 
darmes war. 
Besondere Vorliebe für die Holländer scheint 
Kurfürst Wilhelm I. gehabt zu haben. Unter seiner 
Regierung finden wir auffallend viele Offiziere 
holländischer Abstammung, namentlich von 1804 
bis zur Auflösung des Heeres 1806. Es waren 
wohl meist reiche Leute, die der Kurfürst gern in 
seiner Residenz sah und an seinen Hof zog. B ) 
Otto Georg Jaensen, 1797 Kornett im 
Husarenregiment geworden, nahm 1800 den Ab 
schied. Christian Karl Maximilian von 
Bergh war 1800 Stabskapitän im Regiment 
Erbprinz. 1804 bis 1821 Major ä la suite der 
Armee. Abraham Calkoen van Cortenhoef, 
Christian van Singendonck, Theodor 
vanderLahrdeSmeth waren 1804 bis 1806 
Sekondleutnants, Baaker van Leuwen war 
1804 Premierleutnant, I. W. W. Graf von 
Wassenaer-Obdam 1805 bis 1806 Kapitän, 
sämtlich ä 1a suite der Armee. JakobBaaker 
von Leuwen wurde 1800 Fähnrich im Regiment 
Erbprinz, 1803 Sekondleutnant im Husarenregi 
ment, 7. April 1805 Premierleutnant darin, trat 
nach der Auflösung des hessischen Heeres 1807 in 
preußische Dienste als Rittmeister, dann in wal- 
deckische Dienste. Am 13. Februar 1812 wurde 
er Kapitän im königl. westfälischen Generalstab 
und wurde bei Borodino als Adjutant des Generals 
v. Ochs verwundet. Am 22. Juli 1813 erhielt 
er den Orden der westfälischen Krone. 1814 war 
er Major in holländischen Diensten, in denen er 
5 ) Nach einer Mitteilung des Herrn Bibliothekars vr. 
phil. Losch in Steglitz wandten sich diese holländischen 
Offiziere durch Vermittelung des Landgrafen Friedrich von 
Hessen, des Stifters der Linie Rumpenheim, nach Hesien, 
der 1784—1795 Gouverneur von Mastricht war und da 
mals vor den vordringenden Franzosen kapitulieren mußte.
	        

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