Volltext: Hessenland (26.1912)

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Öffentlichkeit trat. Da ist es kein Wunder, daß man sich 
mühte, dieser bereits in ungezählten Ausgaben und Aus 
lagen verbreiteten, noch immer unübertroffenen Sammlung 
zu ihrem Jubiläum ein besonders schmuckes Gewand zu 
geben. Daß der Turmverlag sich entschloffen hat, seiner 
dreibändigen, von Ubbelohde meisterhaft illustrierten Aus 
gabe eine illustrierte Auswahl in einem Bande folgen zu 
lassen, wurde schon an dieser Stelle erwähnt. Eine schlichte, 
für wenige Groschen erhältliche Auswahlsammlung bietet 
der bekannte Hendelsche Verlag, während Cotta die 
gesamten 200 Märchen (mit Einschluß der Kinderlegenden), 
von Reinhold Steig besorgt, im Jubiläumsjahr in 33. Auf 
lage herausbringt. Und dieser Auslage werden jetzt, wo 
das gesamte deutsche Volk aus freiem Willen da« liebe alte 
Bnch in Pflege und Obhut genommen hat, weitere folgen. 
Die Steigfche Ausgabe bringt außer dem Vorwort des 
Herausgebers die Widmung der Brüder an Bettina von 
Arnim, die wertvollen. für uns Kaffelaner und Hessen 
besonders wertvollen Erinnerungen Herman Grimms an 
die Brüder und die selten zu sehenden Zeichnungen ihres 
jüngsten Bruders Ludwig Emil Grimm. Sie wird auch 
weiterhin besonders eine beliebte Geschenkgabe für Erwachsene 
bleiben. 
Ein großangelegtes Unternehmen bereitet sich im Eugen 
Diederichfchen Verlage zu Jena vor. Jetzt, wo die 
Gesamtheit immer mehr anfängt, sich auf die Grundlagen 
ihrer Kultur zu besinnen. haben eS die beiden obengenannten 
Herausgeber unternommen, das zerstreute und in der Fach 
literatur aufgespeicherte Märchengut zu sichten und-zu 
sammeln, um eS wieder für alle fruchtbar zu machen. Die 
Märchenschätze der Welt sollen, aus alten Sammlungen 
oder neuen Quellen geschöpft, bunt und reich aneinander 
gefügt werden. VolkSmärchenbände wie Kunstmärchenbände. 
Eingeleitet wurde diese ^Sammlung bereits in zwei Bänden 
durch die von vr. Paul Zaunert-Marburg mit den Holz- 
fchnittm Ludwig Richters und einem kritischen Apparat 
herausgegebenen »Volksmärchen der Deutschen" von MusäuS. 
Etwas ganz Neues brachte derselbe Herausgeber sodann 
durch eine Fortsetzung der Grimmschen Arbeit, indem er 
in einem Bande vereinigte, waS an deutschen Volksmärchen 
nach der Sammlung der Brüder Grimm zutage trat, deren 
Grundstock ja zumeist Heffen und Westfalen geliefert hatte, 
während hier in emsigem Sammeleifer alle deutschen Land 
schaften herangezogen wurden. Neu in ihrer Art ist auch 
die von Friedrich von der Leyen-München besorgte, mit 
Initialen nach Art der Holzschnitte in den alten Volks 
büchern geschmückte zweibändige unverkürzte Ausgabe der 
Grimmschen Märchen. Neu in ihr ist die organische An 
ordnung. Sie führt, wie der Herausgeber in einer ge 
diegenen Einleitung zufammenfaffend sagt, die Märchen 
von ihren dunklen und triebhaften Anfängen herauf über 
die germanische Heldenzeit und über die Fülle und die 
Wunder und die Gläubigkeit des Rittertums und mitten 
in das derbe, geschäftige und frohe Leben deS deutschen 
Bürgers und Bauern und wieder zurück zu Wundern und 
Feen und zu den Herzen der Kinder. So will sie anschau 
lich machen, wie die Entwicklung der deutschen Literatur 
sich im Märchen spiegelt und zeigt in allem Wechsel auch 
die Kräfte, die immer in ihr wirksam waren. Damit 
bringt diese Sammlung also zum Ausdruck, was die 
Grimmsche Sammlung bisher der Wiffenfchaft bot. Einer 
späteren Forschung wird «8 vorbehalten bleiben, auch die 
Anfänge, die Verbreitung und die Schicksale jedes Märchens 
immer genauer zu bestimmen, das deutsche Gut fester gegen 
das fremde abzugrenzen und so die Art der Volks 
tümlichkeit der deutschen Märchens immer reiner aufzufassen? 
Diese neue, gleichfalls für Erwachsene bestimmte Ausgabe 
wird in ihrer vornehmen Aufmachung auch dem Buch 
liebhaber Freude machen. Hbach. i 
Die deutschen Sagen derBrÜderGrimm. Eine 
Auswahl mit vielen Bildern von O t t o U b b e l o h d e. 
171 S. Verlag Abel & Müller, Leipzig. Geb. 3. M. 
BrüderGrimm. Deutsche Sagen. In Auswahl heraus 
gegeben von Oskar Lang. Mit einer Einleitung 
und den Bildniffen der Brüder Grimm. Verlag Otto 
Hendel. Halle a. S. Brosch. 1 M.. in Leinen 1,35 M 
in Geschenkband 2 M. 
Während uns im Vorjahre eine vollständige sorgfältig 
redigierte Ausgabe der „Deutschen Sagen" von Adolf 
Stoll beschieden wurde, bringt jetzt der Abel & Müllersche 
Verlag. Leipzig, eine für die Jugend bestimmte Auswahl 
von 122 Sagen, zu denen unser Landsmann Otto Ubbe 
lohde. der bereits mit seiner Illustrierung der Märchen 
eine schwerlich zu überbietende Leistung schuf, die Bilder 
zeichnete. Da er auch in diesen prächtigen Zeichnungen 
wiederholt Gelegenheit hatte. Hessisches zu bieten, wird 
diese auch sonst künstlerisch ausgestattete Ausgabe nament 
lich unserer hessischen Jugend willkommen sein. — Wer 
nach dieser Seite hin keine Ansprüche stellt, sei auf die 
206 Sagen umfassende wohlfeile Hendelsche Ausgabe ver 
wiesen. Hbach. 
Alt Hessen. Zweites Heft. Alt Cassel. Mit Stadt' 
plan, 96'Tafeln und 75 Textbildern von A.Holt- 
meyer. 104 Seiten Text. Marburg (N. G. Elwert) 
1918. Preis in Geschenkkartonage 2,80 M., geb. 4 M. 
Die glückliche Verbindung von Architektur und Landschaft 
hat in Kaffel harmonische Werte geschaffen, die dieser Residenz 
seit je ihren bevorzugten Rang unter den Städten Deutsch 
lands sicherte. Zugleich bilden ihre Häuser, Straßen und 
Plätze wie in wenigen andren Städten ein lehrreiches Bei 
spiel sowohl für die natürliche Bildung des städtebaulichen 
Organismus als Produkt eines Einzelwillens wie auch für 
besten Entstehung durch natürliches Wachstum. Gerade 
die noch viel zu wenig beachtete Schönheit der Kastrier 
Altstadt hat den Verfasser veranlaßt, ihr eine besondere 
Würdigung zuteil werden zu lasten. Aber er erstrebt dabei 
noch ein weiteres. Er will ein gutes Wort einlegen für 
die Erhaltung des schon so oft und namentlich in letzter 
Zeit bedrohten Alten, er will zeigen, daß diese alten Bauten 
nicht nur Sehenswürdigkeiten, sondern auch Kulturdenkmäler 
find. Diesen Vorsatz hat Holtmeher nun. wie das vor 
liegende zweite Heft seiner Alt-Heffen-Serie zeigt, überaus 
glücklich angefaßt und ausgeführt, ganz abgesehen von der 
überraschenden Fülle prächtiger Bilder, die dem staunendem 
Auge verraten, wieviel Schönheit noch innerhalb KaffelS 
gleichsam verborgen ist. Darauf weist neben den Abbildungen 
auch der Text hin, der daneben in wirksamster Weise 
— eS fei nur an die Gegenüberstellung des alten harmonischen 
und deS „verschönerten" OpernplatzeS hingewiesen — immer 
und immer wieder zu erweisen sucht, daß zwischen den be 
rechtigten Forderungen der Denkmalpflege und denen der 
praktischen Baukunst bei einigem guten Willen keineswegs 
Widersprüche zu bestehen brauchen. Man wird zugeben, 
daß ein solches Buch gerade in Kaffel vonnöten war. Da 
eS zudem jedem Kaffelaner eine wesentliche Bereicherung 
seiner heimatlichen Kenntnisse vermittelt, ist der Wunsch, 
eS nun auch in jedem Kaffeler Bürgerhause zu wissen, ein 
durchaus berechtigter. Hbach. 
Hopf. Wilhelm. August Vilmar. Ein Lebens-und 
Zeitbild. Bd. I. Mit einem Bilde. V, 462 Seiten. 
Marburg. M. G. Elwert). Preis geb. 7 M. 
Von der lange erwarteten großen Biographie Vilmars 
aus der Feder Wilhelm Hopfs liegt nunmehr der 1. Band 
vor. Daß das Werk eine oft empfundene Lücke in der 
hessischen Literatur ausfüllt, das wird auch derjenige an-
        

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