Full text: Hessenland (26.1912)

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Todesfälle. Am 4. Oktober starb in Erfurt der 
1837 zu Kassel als Sohn des nachmaligen Obersten 
geborene Oberstleutnant z. D. LouisvonSturm- 
f e d e r. Aus dem kurhessischen Kadettenkorps trat er 
1856 in das Schützenbataillon und war von 1859—66 
Bataillonsadjutant. 1866 wurde er Premier- 
leutnant im Jägerbataillon Nr. 11, wurde 1868 
zum Infanterieregiment Nr. 42 versetzt und 1869 
Hauptmann. Im deutsch-französischen Krieg erwarb 
er sich'das Eiserne Kreuz 2. Klasse. 1884 wurde 
er als Oberstleutnant zpr Disposition gestellt und 
erhielt 1889 den erbetenen Abschied. 
Am 17. Oktober verschied der Ehrenbürger der 
Stadt Kassel Geheimer Kommerzienrat Bankier Karl 
Pfeiffer, der seit 1885 seine Kräfte in den Dienst 
seiner Vaterstadt gestellt hatte. 1844 geboren, wurde 
er 1885 Mitglied des ständigen Bürgerausschusses, 
1889 dessen stellvertretender und 1895 Vorsteher 
und 1898 Stadtverordnetenvorsteher. Er war Vor 
sitzender des deutschen Bankiertages und seit 1892 
erster Vorsitzender der Handelskammer für den Bezirk 
Kassel, der er seit ihrer Begründung im Jahre 1872 
angehörte. Die Leiche des Verstorbenen war in 
der Vorhalle des Rathauses aufgebahrt worden, von 
wo aus die Überführung nach dem Kasseler Friedhof 
erfolgte. Mit großer Energie wußte Pfeiffer seine 
Firma aus kleinen Anfängen auf ihre heutige Höhe 
zu bringen, und im Stadtparlament war er ein 
geschickter und versöhnlicher Leiter. 
Am 18. Oktober verschied zu Bremen der Architekt 
Professor HeinrichMänz. 1861 zu Kassel geboren, 
wurde er Schüler Rebentischs und später des hervor 
ragenden Architekten Geh. Oberbaurats Ende, war 
mehrere Jahre in Japan tätig, weilte längere Zeit 
in Italien und siedelte dann nach Berlin über. Eine 
ganze Reihe seiner Konkurrenzentwürse wurde preis 
gekrönt. 1895 wurde er Lehrer am Technikum in 
Bremen, wo er viele künstlerisch ausgestattete Bauten 
errichtete. Er errang seinerzeit auch den 1. Preis 
für das Kurhaus in Wiesbaden und den 3. Preis 
für die hiesige Murhardbibliothek. 
Preisausschreiben. Beim Plakatwettbewerb 
für die Kunstausstellung der Jahrtausendfeier der 
Stadt Kassel wurde der Entwurf von Minnie Schulz- 
Kassel, det auf schwarzem Grunde einen stilisierten 
gMdenen Adler darstellt, mit dem ersten Preis be 
dacht. Die beiden nächsten Preise errang Hugo 
Händel-Kaffel. Weiter wurde Otto Ubbelohde- 
Goßfelden und Eduard Schick-Kassel je ein Preis 
zuerkannt, letzterem soll außerdem' nach einem Vor 
schlag der Jury die Ausführung des mit dem 
ersten Preis bedachten Entwurfes übertragen werden. 
Während hier im ganzen 20 Entwürfe eingereicht 
waren, waren es deren für das Plakat der Tausend 
jahrfeier nicht weniger als 74. Da nach Ansicht der 
Preisrichter ein ohne weiteres zur Ausführung ge 
eigneter Entwurf nicht vorlag, konnte ein erster 
Preis nicht vergeben werden. Zwei Preise zu je 
75 M. erhielten Ferdinand Gilb-Kassel und Karl 
Mons-Düsseldorf, zwei weitere zu je 50 M. Hugo 
Händel-Kassel und Rudolf Jacob-Holzminden. 
Schließlich wurden die Entwürfe von Bildhauer 
Sautter und von Walter Kramer zum Ankauf 
empfohlen. 
AusMarburg. Nachdem man sich schon seit 
einim Jahr über einen Platz für das Kreiskrieger 
denkmal streitet, hat man jetzt diese Angelegenheit 
dem bekannten Maler und Bildhauer Adolf v. Hilde 
brand in München zur Begutachtung übertragen. 
Der Künstler, der vor einigen Tagen hier weilte, 
hat nun die Höhe des Schloßberges, den Platz links 
neben der Elisabethenkirche, oder die Sockelwand 
an der Universität als geeignete Plätze für das 
Denkmal bezeichnet. Der Entwurf müßte aber für 
jeden Platz verschieden sein. Die Stadt hat für 
das Denkmal einen Betrag von 1600 Mark be 
willigt. Den gleichen Betrag hat auch der Kreis 
gestellt. Die übrigen Kosten hat der Kreiskrieger, 
verband zu tragen. — Bei Haffenhausen wurde in 
Gegenwart des Museumsdirektors vr. Boehlau einer 
der 24 Grabhügel geöffnet, in dem man zwei Urnen 
mit Asche und einen Bronzering fand. Wie ver 
lautet, soll im nächsten Jahre das Gräberfeld auf 
geschlossen werden. 
AusHomberg. Hier fand in diesen Tagen die 
Feier des 75jährigen Bestehens der Taubstummen 
anstalt statt. 
Hessische Bücherschau. 
Dreihundert berühmte Deutsche. Bildniffein Holz 
schnitt von M. Kliflkicht. Lebensbeschreibungen von 
vr. K. Siebert. 1. bis 10. Tausend. 310 Blätter. 
Stuttgart (Verlag von Greiner ^Pfeiffer). 
Leinwändband 5.50 M. 
Künstler und Historiker haben sich in vorliegendem Buche 
vereinigt, um ein vorzügliche» Werk zu schaffen. Nach gleich 
zeitigen Originalbildern hat uns Klinkicht in ausgezeichneten 
Holzschnitten 300 unserer berühmtesten Deutschen vor Augen 
geführt, während vr. phil. et med. Siebert in Freiburg, 
unser durch seine Tätigkeit auf kunstgeschichtlichem Gebiete 
bestens bekannter hessischer Landsmann. deren Bilder mit 
Darstellungen ihres LebenSgangeS und ihrer Lebenswerke 
versehen hat. Bei der Auswahl der Personen ist wohl
        

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