Full text: Hessenland (26.1912)

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Gudensberg. 
Nach Meitzners Schatzkitstlein. 
Die Zennersche Ebene. 
Von vr. Hans Braun, Berlin. 
Von Kassel aus mag Dich die Eisenbahn bringen 
bis Wabern, wo heule noch das alle Landgrafen- 
schloß steht, von dem aus die Hessensürsten mit 
ihren Gästen zur Reiherbeize auszogen. In einer 
weiten Ebene liegt der Ort, und nach Nordosten 
sührt uns die Straße. Allmählich steigt sie an, 
und bald erhebt sich vor unseren Augen der eigen 
artige, niedrige Kirchturm von Nieder-Möllrich. 
Dort oben hängt eine gußeiserne Glocke — ihrer 
drei gibt es nur im Hessenlande, Erzeugnisse der 
Hainer Eisenhütte. Um 1670 wurde sie dort 
oben aufgehängt und ruft seit dieser Zeit die 
Gläubigen zum Gebet und zur Andacht. 
Dann wendet sich die Straße nach Nordosten, 
immer höher geht sie hinauf, und kurz vor dem 
Banner und Obersten Holze liegt das kleine, nied 
liche Cappel. Und dann geht es gen Abend weiter. 
Bald umfängt uns der Schatten der uralten Dorf 
linde vor Ober-Möllrich. Höher als der Kirch 
turm reckt sie ihre Äste gen Himmel — der Kirch 
turm ist auch niedrig genug. Einer alten Deutsch- 
ordens-Kapelle gehört er an, die vor einigen Jahren 
erweitert wurde. Uuscheinbar wie das Kirchlein 
ist der ganze Ort. und niemand sieht ihm sein hohes 
Alter an. Ober- und Nieder-Möllrich sind keltische 
Ansiedelungen, und keltische Waffen, Schmucksachen 
und Hausgerät hat man ehedem auf dem Mord 
berg bei Ober-Möllrich gefunden. Schon länger als 
2000 Jahre wohnen Menschen an dieser Stelle des 
Hochplateaus. Und die wenigen Chattenfamilien, 
die die alten Keltenfitze damals einnahmen, haben 
dann droben bei Geismar die Axt des Winfried 
durch die Luft blitzen sehen, als es galt, der Welt 
zu zeigen, wer stärker sei der alte deutsche 
Donnergott oder der Mann aus Nazareth, der 
vor 700 Jahren noch unter den Menschen gewandelt. 
Solcher keltischen Siedelungen kann man noch 
viele von hier aus erreichen. Fritzlar — lar 
die Stätte^ der Ort — die Stadt des Friedens, 
Frideslaria heißt es in den alten Urkunden. Heßlar, 
Brunslar, auch Wabern und Zennern. 
Von einer Höhe hinter Ober-Möllrich genießt 
man einen herrlichen Rundblick in das berg- 
umkrünzte Land. Im Südwesten die Höhen des 
Keller- und sritzlarischen Waldes. Brausend kommt 
dort die Edder herunter und zieht sich wie ein 
silbernes Band im Sonnenschein vor uns her. um 
sich drüben mit der Schwalm zu vereinen. Welle 
auf Welle drängt sich über das Gestein im flachen 
Flußbett, und schäumend brechen ihre Kämme in 
sich zusammen. Bald wird sie ruhiger fließen, 
die unstete Edder, wenn droben die Talsperre fertig 
geworden bei Hemfurt. 
Die Kalbsburg kann man sehen. Dort führt 
die Straße über die Bergeshöhe nach Kleinenglis, 
wo Ludwig gegen Mainz gefochten und wo der 
Braunschweiger Herzog erschlagen ward, als er 
Deutscher Kaiser werden wollte. Links ragen aus 
der Ebene die Trümmer der Altenburg empor und 
die traurigen Reste der Felsburg. Homberg, an
        

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