Full text: Hessenland (26.1912)

325 
schweigsam neben ihm her ging, und in seinen 
Kummer um die Tatsache, daß sie mehr als er 
geworden sei, und seinen Ärger, daß sie eilig davon 
ging — im Unfrieden mit Hartmut, mischte sich 
ein ganz klein wenig Schadenfreude. Er meinte: 
„Es gibt wenig Dummheiten, die nicht wieder gut 
gemacht werden könnten . . . verehrte und liebe 
Doktorin..." 
Kornette war dunkelrot geworden. Sie sah ihn 
entrüstet an: „Wie soll ich das verstehen, und was 
meinen Sie eigentlich mit dieser — dieser wenig 
höflichen Äußerung?" 
„Ich meine, hochverehrter Doktor Wasmer — 
es ist eine Dummheit, daß Sie uns — ich meine 
„Nein doch — aber, um glücklich zu machen. 
Und während einer das tut, kommt er unmerklich 
zum eigenen Glück." 
„Was soll.ich denn tun?" rief Kornette ver 
zweifelt. „Alle machen mich verantwortlich für das 
Glück der andern! Gilt das eigene Ich gar nichts?" 
Bruno, der Windhund, zuckte mit einem außer- 
ordentlich ernsten Gesicht die Achseln. 
„Gewiß", fuhr Kornette fort, „ich hätte meine 
Pläne nicht an das Haus hängen sollen, ich hätte 
meine Arbeit yicht mit Gefühlen belasten sollen, 
die einen andern drücken müssen —" 
„Das sehe ich nicht ein! Ich wäre an Ihrer 
Stelle nicht gegangen. Wenn man ein Ding an- 
Die kluge Grelel. 
AuS der von Otto Ubbrlohde illustrierten Auswahl der Grimmsch«» Kinder» und HauSmLrchen. M.I.— Turm-Berlag, Leipzig. 
Ihre schöne Heimat, so leichten Herzens verlassen. 
Sie gehören zu uns, Kornelie. Sie werden doch 
niemals Wurzel schlagen — dort jenseits der Berge 
in dem lauten Leben der Stadt." 
„Glauben Sie denn, daß ich mit leichtem Herzen 
davongehe? Ich wollte sehr gern mein Leben an 
die Heimat ketten, aber da gibt es etwas, was die 
Kette zerreißen ließ - und nun wollen wir nicht 
weiter davon reden..." 
„Nein — wie Sie befehlen, Doktor Wasmer, 
liebe Kornelie. Nur eins sage ich noch zum Schluß: 
Wenn Sie auch mehr geworden sind als ich — das 
behaupte ich wieder und wieder Sie können nirgends 
anders gedeihen und glücklich sein." 
„Der Mensch ist nicht auf dieser Welt, um glück 
lich zu sein!" 
sängt, und wäre es nur ein Haushandel, so führt 
man es zu Ende. Kein Baum fällt auf den ersten 
Hieb. Jeder Handel, der Schwierigkeiten bot, machte 
mir bei seiner Beendigung die meiste Freude, ich 
meine, wenn das Objekt schließlich in meine Hand 
kam. Es war ganz einerlei, ob es sich um eine 
alte Waffe, um ein altes Bild, um einen Morgen 
Wald oder einen Gaul handelte. Ich habe Übung 
und Erfahrung in diesen Dingen." 
„Ich nicht —" 
„Nein — gottlob sagt Ihr Herr Onkel, denn 
er ist vom alten Schlag — und ich sage leider, denn 
ich bin für die neue Zeit und ihre neuen Ideale 
Indessen, wer weiß, ein raffinierter Handelsmann 
könnte Ihre Abreise auch für einen geschickten Bluff 
ansehen. ES kommt hier nur daraus an. was mein
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.