Full text: Hessenland (26.1912)

Heffenlan- 
Hessisches Heimatsblatt 
Zeitschrift für hessische Geschichte, Volks- und Heimatkunde, Literatur und Kunst 
Rr. SO. 26. Jahrgang. Zweites Gktober-Heft ISIS. 
Iagdrecht und Iagdausübung 
der Deutschordensherren zu Marburg im 17. Jahrhundert. 
Von Waller Kü 
Die folgenden Mitteilungen, die wohl in erster 
Linie den Jäger, doch, wie ich hoffe, auch den 
Geschichtsfreund interessieren, wurden von mir in 
einem Vortrag im Hessischen Geschichtsverein zu 
Marburg gebracht; es liegen ihm folgende Akten 
zu Grunde: „Men der Marburger Regierung, 
Deutschorden", 6141 XXV Nr. 1—37, und „Akten 
im Archiv des Deutschen Ordens", 5849 ff., das 
ganze Aktenmaterial befindet sich im Marburger 
Staatsarchiv. Zum Vergleich ziehe ich gelegentlich 
Notizen aus Landau „Beitrüge zur Geschichte der 
Jagd und Falknerei in Deutschland" Kassel 1849 
heran; sonst habe ich einige kleinere Artikel über 
Jagdsachen in früheren Jahrgängen des „Heffen- 
land" gefunden, das ist wohl die ganze für diese 
Frage m Betracht kommende Literatur. 
Zur Einleitung bitte ich einige kurze Bemerkungen 
über die Geschichte der Deutschordens-Ballei Hessen 
im 17. Jahrhundert vorausschicken zu dürfen, die 
ich teils Voigts „Geschichte des Deutschen Ritter 
ordens" Berlin 1887, teils weiteren von mir ein- 
gesehenen Atten entnommen habe. Die Geschichte 
des Deutschen HauseS in Marburg während des 
dreißigjährigen Kriege«, zu der ich schon einiges 
schnei, Marburg. 
Material gefunden habe, hoffe ich einmal später 
behandeln zu können. 
Schon das vierte Jahr des 17. Jahrhunderts 
brachte für die Ballei Heffen einen Streit mit 
Landgraf Moritz, und zwar um die Huldigung. 
Der Karlstädter Vertrag von 1584, der mit Hilfe 
kaiserlicher Kommissare zwischen dem Orden und 
Heffen geschloffen war, hatte.bestimmt, daß der 
Landkomtur kein hessischer Landsaffe sei und daß 
die Ballei Heffen kraft ihrer Privilegien von aller 
landgräflich hessischen Jurisdiktion und Obrigkeit 
eximiert und dem Landgrafen zu keiner Leistung 
verpflichtet sei. Doch sollten die Landkomture in 
Fällen von Landesnot auf den Landtagen mit 
erscheinen und mit beschließen, bei feindlichem Ein 
fall in das Land mit verteidigen, von der Reichs- 
und Türkensteuer die Hälfte an den Deutschmeister, 
die andere Hälfte an den Landgrafen zahlen, endlich, 
wenn bei allgemeiner Landesnot zur Rettung des 
Landes allgemeiner Landsturm ausgeschrieben 
würde, diese mitbezahley gleich dem übrigen land- 
säsfigen Adel; peinliche und bürgerliche Gerichtsbar 
keit sollte der Orden behalten, für seinen Wein 
schank aber eine Tranksteüer zahlen; weiter folgten
        

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