Full text: Hessenland (26.1912)

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werden. Stand ihnen doch in Prof. Schwarz-Roten 
burg ein kundiger und geschickter Führer zur Der- 
fügung, und sein lebhaftes Interesse, das er an der 
Burg nimmt, mußte bei seinen Zuhörern Interesse ^ 
erwecken. Das galt nicht bloß für die Besichtigung‘ 
der Ausgrabungen an Ort und Stelle, sondern auch 
für den geschichtlichen Abriß, der nachher im „Engel" 
geboten wurde, besonders aber für die Erklärung 
der gemachten Funde, die am Schluß vorgezeigt 
wurden. Den Dankesworten, die Tierarzt Friederich 
dem Vortragenden zollte, hat sich jeder gern an 
geschlossen. 
Marburger Hochschulnachrichten. Zum 
Rektor der Universität wurde für 1912/13 der 
Direktor des staatswisienschastlichen Seminars Prof, 
vr. Troeltsch gewählt. — Dem Direktor der 
medizinischen Klinik Prof. vr. M a t t h e s wurde der 
Charakter als Geheimer Medizinalrat verliehen. — 
Der Vorsteher der Kgl. Universitätsbibliothek Ge 
heimrat vr. Johannes Roediger war am 1. Ok 
tober 25 Jahre in seinem Marburger Amt. — 
Der außerordentliche Pros. vr. E. Göppert in 
Heidelberg wurde zum Abteilungövorsteher am anato 
mischen Institut und zugleich zum außerordentlichen 
Professor in der medizinischen Fakultät ernannt. — 
Mit Beginn des Wintersemesters tritt vr. phil. Erich 
Obst als Privatdozent für Erdkunde in den Lehr 
körper der philosophischen Fakultät ein. — Kürzlich 
machte folgende Notiz die Runde durch die Blätter: 
„Marburg, 20. Sept. Der zum Nachfolger von 
Professor v. Sybel ausersehene Archäologe Professor 
vr. Pernice aus Greifswald hat den Ruf nach hier 
unter der Begründung abgelehnt, daß die Marburger 
archäologischen Sammlungen und die dafür vor 
handenen Räume nicht die Gewähr für eine erfolg 
reiche Lehrtätigkeit bieten." In der Tat, schreibt 
hierzu die „Oberh.Ztg.", sind die Hilfsmittel unserer 
Universität gerade für dieses Fach außerordentlich 
schwach. Wir haben kürzlich erst daraus hingewiesen, 
wie die hessische Landesuniversität von unserer Re 
gierung überhaupt sehr stiefmütterlich bedacht wird. 
Unseres Erachtens ist es nötig, daß aus Marburg 
selbst und nicht nur von. der Universität mit Nach 
druck darauf gedrungen wird, daß für unsere Uni 
versität .endlich mehr getan wird, so daß derartige 
Notizen, die natürlich nicht geeignet sind, den Ruf 
Marburgs zu heben und die iyit Vorliebe vor 
Semesteransang von irgend einer Seite (jedenfalls 
aber nicht ans Marburg) in die Presse lanciert zu 
werden scheinen, endgiltig verschwinden müsten. 
Personalchronik. Am 16. September beging 
zu Fronhausen der Archivdirektor a. D. Geheimrat 
vr.Mr. Gustav Freiherr Schenck zu SchweinS 
berg seinen 70. Geburtstag. — Das gleiche Alter 
erreichte am 22. September zu Straßburg Profesior 
vr. Stilling, ein geborener Kaffetaner und Sohn 
des berühmten Geheimrats Stilling. Er war vor 
seiner Berufung nach Straßburg Augenarzt in 
Kassel und veröffentlichte hier seine grundlegenden 
Forschungen über Farbenblindheit. — Bei der 
Präsentalionswahl des Vertreters der Residenzstadt 
Kassel im Herrenhause wurde vom Magistrat Ober 
bürgermeister vr. Scholz gewählt. — Der lang 
jährige Direktor des Kgl. Staatsarchivs zu Mar 
burg Geheimer Archivrat vr. Gustav Koennecke 
trat am 1, Oktober in den Ruhestand. An seine 
Stelle trat der Archivdirektor Geheimer Archivrat 
vr. Reimer von Koblenz. — Der Niederhessische 
Touristenverein enthüllte am Hohengrasturm ein 
bronzenes Proträtrelief seines Ehrenmitgliedes und 
früheren langjährigen Vorsitzenden, des Landesrats 
a. D. Hermann Klösfler. 
Hochzeitshaus in Marburg. Herr vr. Holt- 
meyer hat in der letzten Nummer dieser Zeitschrift 
in einem lesenswerten Aussatze über „Ältere Gemeinde 
bauten in Hessen"' auch Bild und Beschreibung des 
Hochzeitshauses in Marburg gebracht. Dies Haus 
ist aber tatsächlich nie ein Hochzeitshaus gewesen, 
ja es hat wohl überhaupt nie ein solches in Mar 
burg gegeben. Die Bezeichnung Hochzeitshaus für 
das stattliche Gebäude in der Nikolaistraße (die 
heutige Loge) hat erst der alte Bücking, Marburgs 
vor wenig Jahren im hohen Greisenalter verstorbener 
hochverdienter Lokalhistoriker, ausgebracht aus einem 
Mißverständnisse, indem er dies steinerne Haus mit 
dem noch dem 13. Jahrhundert entstammenden 
Steinhause (domus lapídea) am oberen Markte ver 
wechselte, in dem wohl im 15. Jahrhundert hin 
und wieder größere Feierlichkeiten, auch in Gegen 
wart des Hofes, stattgefunden haben. Das zu Unrecht 
so genannte „Hochzeitshaus" in der Nikolaistraße, 
über das auch in diesen Blättern (1906, S. 252/53) 
zuletzt noch vr. Bückings Nichte, Frau Emma Braun, 
geschrieben hat, stammt nicht, wie dort zu lesen 
ist. aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts 
(zwischen 1350 und 1380), sondern ist erst wesent 
lich später entstanden. Ein sehr vermögender Mar 
burger Bürger, Hermann Schwan, an den auch noch 
der Schwanhof in der Schwanallee erinnert, hat es, 
anscheinend mit landgräflicher und städtischer Unter 
stützung, in den Jahren 1528—1530 errichten 
lassen, als ein reines Privathaus, das als das Stein 
haus, der neue Steinbau, der Steinenbau zum Schwan 
und ähnlich vielfach genannt wird. Er hatte ur 
sprünglich eine noch weit imponierendere Lage als 
heute, denn es erhob sich weithin sichtbar über dem 
Kornmarkte, der damals den ganzen Flächenraum
        

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