Full text: Hessenland (26.1912)

4. Doppelsarg hinter dem Kryptenaltar 
der St. Michaelskirche zu Fulda. 
Der Erbauer der Michaelskirche Abt Eigil f 822 
wurde hinter dem Altar der Krypta nach damals 
bestehender Sitte in einem Steinsarg beigesetzt, 
und zwar in einem Doppelsarg, dessen andre 
Hälfte dem Irländer Animched eingeräumt wurde. 
Der Doppelsarg hat eine Länge von 2,10 m, eine 
Breite von 1,10 m und eine Höhe von 0,60 w. 
Die Seitenwände sind schräg, die Oberkante liegt 
0,70 m unter dem Fußboden der Krypta, so daß 
der nicht vorhandene Deckel noch unter dem Ge- 
plätte gelegen haben muß. Im Geplätte selbst 
waren über den Grabstätten Inschriften angebracht. 
Von den rings um die Totenkapelle liegenden 
Gräbern der Benediktinermönche haben sich noch ver 
schiedene Grabplatten, so von dem Diakon Megin- 
braht, dem Presbyter Harderat und Rihbraht an 
verschiedenen Teilen der Michaelskirche eingemauert 
gefunden. 
5. Abtsgräber westlich des Doms zu Fulda. 
Die im Jahre 1909 innerhalb des alten 
Dombezirkes aufgedeckten Abtsgräber des Fuldaer 
Klosters waren in Reihen angeordnet und bestanden 
aus zwei Steinkisten, mehreren Plattengräbern 
und Holzsärgen, von denen jedoch nur die eisernen 
Eckstücke mit Holzsplittern erhalten waren. 
Der am besten erhaltene und noch ziemlich un 
berührte Steinsarg hat eine Länge von 2,43 m, 
eine Breite von 0,83 in, Wandstärke 0,12 m, Höhe 
0,60 na. Für den Kopf ist eine halbkreisförmige 
Höhlung vorhanden. In den Ecken am Fußende 
sind, ähnlich wie in Roßdorf Leisten, hier runde 
3 /* Säulchen angebracht. In ihm liegt unter dem 
zersprungenen Steindeckel ein Abt des 12. Jahr 
hunderts in vollständig erhaltener Gewandung; 
dunkelbraunes Seidengewand mit Goldborte, Leder 
schuhe mit gepreßtem Ornament, seidene gestickte 
Handschuhe. Die Knochen waren in Staub zer 
fallen. Zum Abfluß der Humusflüssigkeit ist an 
einer Langseite ein kreisrundes Loch angebracht. 
Ein anderer Steinsarg hatte 2,36 m Länge, 
0,66 m bzw. 0,77 m Breite und eine Höhe von 
0,47 m. Kopfrundung wie oben. 
Weiter fanden sich noch drei aus Steinplatten 
zusammengesetzte Grabstätten, von denen eine noch 
unberührt war. Der Leichnam war auf die Erde 
gebettet, die Knochen waren gut erhalten, während 
das seidene schwarze Gewand nur in Fasern und 
Fetzen um die Knochen hing. Die Schuhe waren 
ebenfalls mit gepreßten Ornamenten versehen. Der 
flach dachförmige Deckel bestand aus drei Teilen 
und war wie auch die Seitenwände innen mit 
Putz überzogen, in dem ein Kreuz vom Putz frei 
gelassen war. Ausführliches über diese Funde, 
die in ihren Hauptteilen in das Diözesanmuseum 
verbracht wurden, sowie ihre Lage zur alten Stifts 
kirche werden die Bau- und Kunstdenkmäler des 
Kreises Fulda bringen. 
6. Grab des Abts Richard auf dem 
Neuenberg bei Fulda. 
Nach einem Bericht des Benediktinerpaters Beck 
über die Öffnung des Grabes des am 20. Juli 1039 
verstorbenen Abts Richard an der Krypte der Kloster 
kirche St. Andreas (Neuenberg) im Jahre 1766 
stieß man beim Wegräumen der Altarstufen zum 
Hochaltar auf drei nebeneinanderliegende Kammern 
von 3,40 m Länge und 2 m Tiefe. Die mittelste 
Kammer war ca. 1,40 m, die Seitenkammer 
0,80 m breit. Die Seitenwände waren rot be 
malt. Von der mittleren Kammer führte ein 
Fenster nach dem Kryptenaltar, der Raum konnte 
also von den Besuchern der Krypte gesehen werden. 
Im Fußboden lag eine 2 m lange und 0,90 m 
breite Steinplatte, darunter eine gleich große mit 
Heberingen. Die rot ausgelegte Inschrift in diesem 
Stein lautete: 
f XIII. KL. AUG.OB. RIHHARDUS. ABBAS 
VIII. KL. EIVSDE MENSIS SEPVLTVS E f 
Das Grab war unversehrt, stürzte aber sofort 
zusammen. Es fanden sich Bretterstücke, Teile 
einer Lederdecke und zerfetzte dunkelbraunseidene 
Gewandung mit seidener Borte (okr. Abtsgrab 
Fulda) und das Cingulum. Die Art der Bestattung 
war also ein Holzsarg in gemauerter Grube. Ein 
anderes 1726 geöffnetes Grab in der Kirche war 
das Grab des Otbert, Abts von Ellwangen. Der 
Leichnam lag in eine Tierhaut gehüllt ohne Sarg 
in der Gruft (s. Fuldaer Geschichtsblätter VII, 
9, S. 141 ff.). 
7. Steinsarg in der Krypte des Doms 
zu Fritzlar. 
Links des Altars an der Nordwand der Krypte 
steht im Fußboden ein großer Steinsarg mit flach 
dachförmigem Deckel, 2,52 ni lang, 0,77—0,79 m 
breit. Er war schon vorhanden, ehe die Haupt- 
krypte erbaut war. 
8. Steinsarg in der Vorhalle der Peters 
kirche zu Hirsau. 
Lagerung gegen Osten. Kopfhöhlung rund, am 
Kopfende 0,73 m, am Fußende 0,54 m breit, 
2,45 m lang, 0,52 m hoch. 
9. Zwei Steinsärge aus dem Kloster 
Lorsch. 
In der Nähe des Klosters Lorsch finden sich als 
Brunnentröge zwei stark zerstörte Steinsärge init
	        

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