Full text: Hessenland (26.1912)

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nahm. Der Namen des Kurhessischen Vereins zog 
auch die im Hessenlande zerstreuten Luftfahrer an, 
die bisher diesem oder jenem anderen Verein an 
gehört hatten. Auch die in Kassel lebenden Luft 
schiffer und Freunde der Luftfahrt schlossen sich 
ihm an. Ihre Zahl war so beträchtlich, daß der 
Plan entstehen konnte, eine besondere Kasseler 
Ortsgruppe zu gründen. Mit 16 Mitgliedern 
wurde die Gründung am 28. Februar des Vor 
jahres vollzogen, heute beträgt die Mitgliederzahl 
etwa 120. Der Kasseler Ortsgruppe folgte die 
Bildung einer Gruppe in Gießen, die heute an 
nähernd 70 Mitglieder umfaßt, so daß der Ge 
samtverein mit etwa 150 Marburger Mitgliedern 
die Erforschung der Atmosphäre zur Lebensaufgabe 
gemacht hat, und die von ihm gemeinsam mit 
Dr. K. Stuchtey ausgeführten Messungen über 
das Strahlungsvermögen der Erde und der Wolken, 
Messungen, die eben nur vom Ballon aus möglich 
sind. In der Zukunft wird sich die Tätigkeit des 
Vereins vermutlich sorgest alten, daß der Mutter- 
verein in Marburg — vielleicht auch die Gießener 
Gruppe — die wissenschaftliche Seite der Luftfahrt 
pflegen, während Kassel hauptsächlich dem Lust 
sport stöhnen wird. 
Die Kasseler Gruppe^war zur rechten Zeit ge 
gründet. Schon wenige Monate nach ihrer Grün 
dung fiel ihr die Aufgabe zu, gemeinsam mit dem 
Grebenstein von Gsten (1980 Meter Höhe). 
Erwin Ebert Phot. 
heute rund 340 Mitglieder umschließt. Leider hatte 
die Gründung der Gießener Gruppe zur Folge, daß 
der Verein seinen Namen in „Hessischen Verein 
für Luftschiffahrt" änderte. 
Sein Zweck ist die Förderung der Luftfahrt in 
allen ihren Arten und Zweigen. Daß die Frei 
fahrten besonders gepflegt werden, hat seine Ursache 
in der Geldfrage. Ein Teil der vielen Fahrten 
im Vereinsballon „Marburg" die sämtlich glatt 
verliefen, waren allerdings reine Sportsfahrten. 
Doch hat der Verein die wissenschaftliche Seite der 
Sache keineswegs außer acht gelassen, sondern rege 
zu fördern gesucht. Zum ^Beweise dessen brauche 
ich nur hinzuweisen auf die Arbeiten des Privat 
dozenten Dr. A. Wegener in Marburg, der sich 
Luftflottenverein und dem Kurhessischen Automobil 
klub die Vorarbeiten zu leisten für den großen 
deutschen Rundflug, der Kassel in den ersten 
Julitagen berührte. Den Rundflug, der für Kassel 
und das Hessenland das erste ernste flugtechnische 
Ereignis war. Ich kann hier nicht näher ein 
gehen auf die Eindrücke dieser Tage, die jedem, 
der sie miterlebte, dauernd unvergeßlich sein werden, 
die uns bekannt machten mit den besten deutschen 
Fliegern und den erfolgreichsten deutschen und aus 
ländischen Flugzeugen. 
Der Wunsch der beiden die Luftfahrt fördern 
den hessischen Vereine, den Besuch eines unserer 
Luftschiffe in Hessens Hauptstadt zu erreichen, wurde 
nur zu einem kleinen Teile erfüllt. Die „Schwa-
        

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