Full text: Hessenland (26.1912)

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faul bie Mest, grobb bie Schöttestroh on so 
steif bie ee Scheit Holz (in Holzbock) (Er stellt 
sich zur Arbeit an wie eine Kuh zum Krapfenbacken, 
er ist faul wie Mist, grob wie Schotenstroh (Schoten 
— Erbsen) und so steif wie ein Scheit Holz, ein 
Holzbock [= Sägebock)). Das Sprichwort Paßt 
so recht auf ihn In sanier treet sich of eemol 
dot (Ein Fauler trägt sich auf einmal tot, nämlich 
um sich Wege zu ersparen). Fer dä hett seng 
Vater sonn liwwer ee Wäll Holz mache (Für 
den hätte fein Vater sollen lieber eine Welle Holz 
machen). Hs gett äwwer kin Höfe Schof, es 
eß ee grendiges drenger (Es gibt aber keinen 
Hausen Schafe, es ist ein grindiges [— räudiges) 
darunter). 
Ganz so verschieden sind die Schwestern in 
ihren geistigen Eigenschaften. Hie eene spärrt 
sich dorem bie in Strohshalme en d’r Luch 
(Die eine sperrt sich daherum (umher) wie ein Stroh 
halm in der Luke (Öffnung an der Scheunendecke, 
durch die das Stroh am Lukenseil nach oben be 
fördert wird)), die ahner eß ee Latschmäul on 
in Flärjes, die kann geschwatze, äß bann^er 
d’s Meilche m’rr^em Äntebäzzel geschmeert 
wer (geschmuse bie in Schacherjedd) (die andere 
ist ein Latschmaul (— eine Schwätzerin, die nichts 
für sich behalten kann) und ein (affiges!) Lachmaul, 
die kann schwätzen, als wenn ihr das Maul mit 
einem Entenbürzel geschmiert wäre — schmutzen 
(hebräisch — schwätzen) wie ein Schacherjude). 
Die dritte eß das gurre Kend von Frellndörf, 
die macht in bezengbersche Haarig, äß bann 
see of Eier tritt, in Oftrett macht see dorem 
bie ee Offzieschgeilche ( ist das gute Kind 
von Frielendorf, die mache einen zimperlichen Gang, 
als wenn sie aus Eier träte, einen Auftritt macht 
sie daherum wie ein Osfiziersgäulchen). 
Die vierte eß ee Zensgans (ist eine Zinsgans 
(— Zehntgans, die mithin die schlechteste war)), 
ee Himmelszej (— Ziegenmelker), ee Zuckerbüpp 
(Zuckerpuppe). Sie steckt in ihren Kleidern bie 
die Maus ein Wickel Wärg (wie die Maus im 
Wickel (— Gebund) Werg). Nur die Schuhe sitzen 
ihr eng und knapp an Hochmut muß Kaamp 
le'ire (Hochmut mutz Kamp (— Schmerzen) leiden). 
Diese Schuhe seng henge bie ee Klauwel on 
vönn bie ee Sauwel (sind hinten (rund) wie ein 
Knäuel (Garn), vorn (spitz) wie ein Pfriemen). 
(Fortsetzung folgt.) 
-B-.-«» 
Hessen und die Luftfahrt. 
Von Richard Weber, Kassel. 
Der Anteil, den das Hessenland an der Er 
oberung des Luftmeeres hat, ist nicht eben groß. 
Obgleich die ersten Anregungen zur Luftschiffahrt 
in Deutschland vor fast 300 Jahren von der 
Universität Ninteln ausgingen, ist die neuzeitliche 
Luftfahrt doch erst sehr spät zu uns gekommen. 
Bis vor kurzer Zeit begnügten wir uns, mit rein 
gedanklicher Begeisterung die Kämpfe um den Luft 
ozean zu verfolgen. Zur tatkräftigen Mitarbeit 
an der Lösung der großen Zukunftsfrage fanden 
sich im Hessenland nur Wenige. Ich vermag, was 
die Motorluftschisfahrt angeht, nur den Namen 
eines Mannes aus dem Hessenlande zu nennen, 
den des Ingenieurs Rudolf Kranz ans Kassel. 
Er war der treue Mitarbeiter und technische Be 
rater des bekannten Luftschiffers Oskar Erbslöh. 
Auf einer Versuchsfahrt mit dem Luftschiff „Erbs 
löh", das er hatte erbauen helfen, fand er am 
13. Juli 1910 bei Neukamp mit seinen Fahrt 
genossen den Tod. Des ersten und bisher einzigen 
hessischen Flugtechnikers soll weiter unten gedacht 
werden. 
Bis aus diese seltenen Ausnahmen ließ man sich, 
wie gesagt, im Hessenlande an der Begeisterung 
aus der Ferne genügen. Als aber die große 
Mainzer Fernfahrt des Zeppelin-Luftschiffes vom 
4. und 5. August 1908 mit dem Unglück von 
Echterdingen endete und nun das ganze deutsche Volk 
seine Teilnahme durch die großartige Millionen 
spende zum Ausdruck brachte, da stand auch das 
Hessenland nicht zurück. Reiche und weniger Reiche 
brachten freudigen Herzens ihr Scherflein dar. 
Und als — gleichfalls als Folge des Tages von 
Echterdingen — der Luftflottenverein ins 
Leben gerufen wurde, da schlossen sich auch bei uns 
die opferwilligen Freunde der Luftfahrt zu einer 
Ortsgruppe zusammen, die seit ihrer Gründung 
unter der Leitung des Majors z. D. und Stadt- 
rats Henri ei steht. 
Ein Jahr später etwa entstand in Marburger 
Universitätskreisen der Plan zur Gründung eines 
Luftfahrervereins. Am 11 Oktober 1909 wurde 
der Plan zur Tat der Kurhessische Verein 
für Luftschiffahrt ward gegründet. Der Be 
geisterung seiner Gründer und ihrer fleißigen Ar 
beit, vor allem aber dem unermüdlichen und stets 
opferbereiten Vorsitzenden, Professor Dr Richarz, 
dem Direktor des Physikalischen Instituts, ist es 
zu danken, daß der Verein einen außerordentlichen, 
für das kleine Marburg kaum erhofften Aufschwung
        

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