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faul bie Mest, grobb bie Schöttestroh on so
steif bie ee Scheit Holz (in Holzbock) (Er stellt
sich zur Arbeit an wie eine Kuh zum Krapfenbacken,
er ist faul wie Mist, grob wie Schotenstroh (Schoten
— Erbsen) und so steif wie ein Scheit Holz, ein
Holzbock [= Sägebock)). Das Sprichwort Paßt
so recht auf ihn In sanier treet sich of eemol
dot (Ein Fauler trägt sich auf einmal tot, nämlich
um sich Wege zu ersparen). Fer dä hett seng
Vater sonn liwwer ee Wäll Holz mache (Für
den hätte fein Vater sollen lieber eine Welle Holz
machen). Hs gett äwwer kin Höfe Schof, es
eß ee grendiges drenger (Es gibt aber keinen
Hausen Schafe, es ist ein grindiges [— räudiges)
darunter).
Ganz so verschieden sind die Schwestern in
ihren geistigen Eigenschaften. Hie eene spärrt
sich dorem bie in Strohshalme en d’r Luch
(Die eine sperrt sich daherum (umher) wie ein Stroh
halm in der Luke (Öffnung an der Scheunendecke,
durch die das Stroh am Lukenseil nach oben be
fördert wird)), die ahner eß ee Latschmäul on
in Flärjes, die kann geschwatze, äß bann^er
d’s Meilche m’rr^em Äntebäzzel geschmeert
wer (geschmuse bie in Schacherjedd) (die andere
ist ein Latschmaul (— eine Schwätzerin, die nichts
für sich behalten kann) und ein (affiges!) Lachmaul,
die kann schwätzen, als wenn ihr das Maul mit
einem Entenbürzel geschmiert wäre — schmutzen
(hebräisch — schwätzen) wie ein Schacherjude).
Die dritte eß das gurre Kend von Frellndörf,
die macht in bezengbersche Haarig, äß bann
see of Eier tritt, in Oftrett macht see dorem
bie ee Offzieschgeilche ( ist das gute Kind
von Frielendorf, die mache einen zimperlichen Gang,
als wenn sie aus Eier träte, einen Auftritt macht
sie daherum wie ein Osfiziersgäulchen).
Die vierte eß ee Zensgans (ist eine Zinsgans
(— Zehntgans, die mithin die schlechteste war)),
ee Himmelszej (— Ziegenmelker), ee Zuckerbüpp
(Zuckerpuppe). Sie steckt in ihren Kleidern bie
die Maus ein Wickel Wärg (wie die Maus im
Wickel (— Gebund) Werg). Nur die Schuhe sitzen
ihr eng und knapp an Hochmut muß Kaamp
le'ire (Hochmut mutz Kamp (— Schmerzen) leiden).
Diese Schuhe seng henge bie ee Klauwel on
vönn bie ee Sauwel (sind hinten (rund) wie ein
Knäuel (Garn), vorn (spitz) wie ein Pfriemen).
(Fortsetzung folgt.)
-B-.-«»
Hessen und die Luftfahrt.
Von Richard Weber, Kassel.
Der Anteil, den das Hessenland an der Er
oberung des Luftmeeres hat, ist nicht eben groß.
Obgleich die ersten Anregungen zur Luftschiffahrt
in Deutschland vor fast 300 Jahren von der
Universität Ninteln ausgingen, ist die neuzeitliche
Luftfahrt doch erst sehr spät zu uns gekommen.
Bis vor kurzer Zeit begnügten wir uns, mit rein
gedanklicher Begeisterung die Kämpfe um den Luft
ozean zu verfolgen. Zur tatkräftigen Mitarbeit
an der Lösung der großen Zukunftsfrage fanden
sich im Hessenland nur Wenige. Ich vermag, was
die Motorluftschisfahrt angeht, nur den Namen
eines Mannes aus dem Hessenlande zu nennen,
den des Ingenieurs Rudolf Kranz ans Kassel.
Er war der treue Mitarbeiter und technische Be
rater des bekannten Luftschiffers Oskar Erbslöh.
Auf einer Versuchsfahrt mit dem Luftschiff „Erbs
löh", das er hatte erbauen helfen, fand er am
13. Juli 1910 bei Neukamp mit seinen Fahrt
genossen den Tod. Des ersten und bisher einzigen
hessischen Flugtechnikers soll weiter unten gedacht
werden.
Bis aus diese seltenen Ausnahmen ließ man sich,
wie gesagt, im Hessenlande an der Begeisterung
aus der Ferne genügen. Als aber die große
Mainzer Fernfahrt des Zeppelin-Luftschiffes vom
4. und 5. August 1908 mit dem Unglück von
Echterdingen endete und nun das ganze deutsche Volk
seine Teilnahme durch die großartige Millionen
spende zum Ausdruck brachte, da stand auch das
Hessenland nicht zurück. Reiche und weniger Reiche
brachten freudigen Herzens ihr Scherflein dar.
Und als — gleichfalls als Folge des Tages von
Echterdingen — der Luftflottenverein ins
Leben gerufen wurde, da schlossen sich auch bei uns
die opferwilligen Freunde der Luftfahrt zu einer
Ortsgruppe zusammen, die seit ihrer Gründung
unter der Leitung des Majors z. D. und Stadt-
rats Henri ei steht.
Ein Jahr später etwa entstand in Marburger
Universitätskreisen der Plan zur Gründung eines
Luftfahrervereins. Am 11 Oktober 1909 wurde
der Plan zur Tat der Kurhessische Verein
für Luftschiffahrt ward gegründet. Der Be
geisterung seiner Gründer und ihrer fleißigen Ar
beit, vor allem aber dem unermüdlichen und stets
opferbereiten Vorsitzenden, Professor Dr Richarz,
dem Direktor des Physikalischen Instituts, ist es
zu danken, daß der Verein einen außerordentlichen,
für das kleine Marburg kaum erhofften Aufschwung