Full text: Hessenland (26.1912)

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Die andere feiert dis es iinkelnauwe Keez. 
höt Bee bie de beste Hämel eni Pärg, see eß 
hatfirrerig on so darr bie ee Brach, daß m’r~sche 
gebränn kann ( feuert wie eine sunkelneue Kötze 
Cbie bekanntlich schneeweiß aussieht), hat Beine wie 
der beste Hammel im Pferch, sie ist hartfütterig 
(schwer zu fütternd und so dürr, daß man sie brennen 
kann). Die höts innerlich bie ee Geiß (Die 
hat's innerlich wie eine Ziege). 
Die dritte Tochter hat ee Mettche bie ee Ka- 
dettche (ein Mittchen [= Taille) wie ein Kadettchen). 
Die vierte macht ee Meilche bie die Laus 
em Grend ( macht ein Mäulchen wie die Laus 
im Grind). 
Die Brüder, das seng Kälte bie die Beern 
(das sind Kerle wie die Bäume), honn Kep bie 
die Holzschläje (Haben Köpfe wie die Holzschlagen), 
mit einem Wort seng bie aus d’r Becks ge- 
schösse (sind wie ans der Büchse geschossen). Als 
die Nasen- verteilt wurden, do honn see zweemol 
hier! gerufe (da haben sie zweimal hier! gerufen). 
Nur der jüngste, dä efi bie in Bönnstäcke, hä 
höt Stäckebee, Öje bie in Haller on ee Maul-; 
wärk bie in Däller (der ist wie eine Bohnenstange, 
er hat Steckenbeine, Augen wie ein Heller [so, groß!] 
und ein Maulwerk wie ein Teller). Dä Alwets- 
köp hett öch met d’m lenkte Ohr net — 
räächt (Der Albernkops [= Dummbarts hört 
auch mit dem linken Ohr nicht rechts (räächt — 
rechts und räächt — richtig, auch recht (haben), klingt 
in der Mundart gleich daher schreibt sich dieses 
Wortspiel)). 
Aber gar erst auf g e i st i g e m Gebiete! Do 
höt jeder senge eejene Köp — bie in 8ch netz 
bank (Da hat jeder seinen eignen Kopf (sein eignes 
Temperament) wie eine Schnitzbank). 
Der Bruder Baffsack, bann m’r däm 
seng Wött hett on sitt de Kälte net, kinn m’r 
sich gefechte (. wenn man dem sein Wort hört 
und sieht den Kerl nicht, könnte man sich fürchten). 
Oie Bommheet hörr e met Leffeln gefrässe 
(Die Dummheit hat er mit Löffeln gefressen), des 
halb ist er so domm bie ee schwazze Sauw, 
so domm bie die Näächt dünkel eß (so dumm 
wie eine schwarze Sau, so dumm wie die Nacht 
dunkel ist). Bannte verkost wädd, trenkt~e de 
Wingkof met on märkt von nechts (Wenn er 
verkauft wird, trinkt er den Weinkauf mit und merkt 
nichts). Hä gett net von d’r Platt, bis m’r 
met Kneppeln of'en schmeißt (Er geht nicht 
von der Platte (vom Platz), bis man mit Knüppeln 
aus ihn schmeißt). 
Ganz anders seinBruderPeffegus (Psissikus). 
Bä höt sengem Väter senge Briew fünge, höt 
nengonnengzig Gelenker on dreht sich bie in 
Billdopch (Der hat seines Vaters Briese gesunden 
(— ist in Vaters Fußstapsen getreten (oft in an 
züglichem Sinne gebraucht)) hat neunundneuuzig 
Gelenke und dreht sich wie ein Kreisel). Hä rauwt 
net so lang bie ee Huh in Känn ofhebt, net 
so lang, bie m’r Arae sprecht (Er ruht nicht so 
lange wie ein Huhn einen Kern aufhebt, nicht so 
lange wie man Amen spricht). Hä höt die Ärvvet 
om (em) Greif bie de Bärrelmann die Laus 
(Er hat die Arbeit am (im) Griff wie der Bettel 
mann die Laus). Bie Fleh hett dä büßte on 
sitt d’s Gras wässe, d’s Wasser sicht'e em 
Schönnstee on höt de Beiwel sah barweß geh 
(Die Flöhe hört der husten und sieht das Gras 
wachsen, das Wasser sucht er im Schornstein und 
hat den Teufel sehen barfuß gehen). Hä werft 
met inner Wuscht nach inner Seit Späck 
(Er wirst mit einer Wurst nach einer Seite Speck). 
Bobei eß~e Hans en alle Gasse on Fochs en« 
alle Lecher, ist, wie man so sagt, aller Schlenke 
voll (Dabei ist er Hans in allen Gassen und Fuchs 
in allen Löchern aller Schlingen (— Schliche) 
voll). Hä dutt ee Wött dorern bie Herefranz, 
dutt sich of bie ee Beireiche voll Leis, ist über 
haupt in Källe bie Bavid, bloß die Hart 
fähigern noch (Er tut ein Wort wie Heidenfranz 
(Heiden — Zigeuner), tut sich aus wie ein Beutelchen 
voll Läuse ein Kerl wie David, bloß (nur) die 
Harfe fehlt ihm noch). 
Bruder Nr. 3 ist ein Häsefuß (Hasenfuß). 
Kösts in Bäler, getts denäch! Be leßte greit 
die Eiseboh! on musste noch selwer sahn 
(KostePs einen Taler, geht’s danach! Der letzte 
bekommt die Eisenbahn' und muß sie noch selber 
fahren). Scholde on Gottes Wött bleiwe ewig 
(Schulden und Gottes Wort bleiben ewig). Das 
sind seine Wahlsprüche. Hä eßt met arme Leit 
Weck, bann~se kee Brot honn (Er ißt mit armen 
Leuten Wecke, wenn sie kein Brot haben). 
Der jüngste Bruder, d’s Nästdrusselche 
(das Nestdrosselchen) eß in Seeldreher (ist ein 
Seildreher), hä eß net gehauwe on net gestöche 
(er ist nicht gehauen und nicht gestochen, ohne Schneid). 
Bann die Kuh gestallt höt, sprecht hä henge- 
droff allemol, „Plätsch (Wenn die Kuh gestallt 
(die Exkremente entleert) hat, spricht er allemal 
hintendraus Plätsch' — er kommt mit allem zu 
spät). Om libbste heitre Mäulaffe feel (Am 
liebsten hält er Maulaffen seil). Senge Brierer 
ärwehWän dreimal ofs Stroh on werre devon 
(Seine Brüder arbeiten ihn dreimal aufs Stroh 
und wieder davon). Hä eß kin Schuß Bolwer, 
kee faule Beer wät (Er ist keinen Schuß Pulver, 
keine faule Birne wert). Hä stellt sich zur Ärwet 
o bie ee Kuh zum Kräppelbacke, hä eß so
        

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